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MUSEMUSEMUSE

Unser Programm von Montag, 21.5. bis Mittwoch, 30.5.2018:

Welcher Film in  KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM Welcher Film in  KINOTHEK 2 ... Beginn

Mo 21.5.
3 TAGE IN QUIBERON
20.15 Di 22.5. DAS LEBEN IST EIN FEST 20.15
***AUS DEM NICHTS 20.15 Mi 23.5. TEHERAN TABU 20.15
DIE SCH´TIS IN PARIS  Eine Familie auf Abwegen 20.15 Do 24.5. DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER
20.15
DIE SCH´TIS IN PARIS  Eine Familie auf Abwegen 20.15 Fr 25.5. *DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER 20.15
Steven Spielbergs  DIE VERLEGERIN 20.15 Sa 26.5. 3 TAGE IN QUIBERON 20.15
UNSERE ERDE 2
Steven Spielbergs  DIE VERLEGERIN
*CALL ME BY YOUR NAME
15.15
17.30
20.00
So 27.5. NEU   BLANKA
3 TAGE IN QUIBERON
***GAME NIGHT
15.15
17.30
20.00
**DIE DUNKELSTE STUNDE 20.15
Mo 28.5. *TEHERAN TABU 20.15
NEU   LOVING VINCENT
20.15 Di 29.5. BEUYS 20.15
*LOVING VINCENT
*DAS LEBEN IST EIN FEST
18.00
20.30
Mi 30.5. *BEUYS
*WEIT Die Geschichte von einem Weg um die Welt
18.00
20.30
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere diese Woche neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/kino.de)

BLANKA - 75 min. - Ab 6 J.
Eine hoffnungsvolle Geschichte von einem Mädchen, das schon früh erwachsen werden muss, die sich aber ihren kindlichen Zauber trotzdem noch erhalten hat: Ist Blanka wirklich schon 15, wie sie behauptet, oder doch erst elf? Sie ist jedem Fall zu jung, um schon allein zurechtzukommen, doch sie trägt wie viele andere Kinder auf den Philippinen das Schicksal eines Straßenkinds. Blanka spart darauf, sich eine Mutter kaufen zu können. Erwachsene können sich einfach Kinder beschaffen, wie man im Fernsehen an der schönen Schauspielerin und ihren vier ­Adoptivkindern sieht, also kann sie sich auch eine Mutter besorgen. Auf ihrer Suche nach Glück und Geborgenheit folgt sie den Gitarrenklängen des blinden Musikers Peter, dem sie sich anschließt. Da sie fantastisch singen kann, treten sie gemeinsam in einer Bar gegen Kost und Logis auf, aber dieses Glück währt nur kurz, denn Blanka wird zu Unrecht des Diebstahls bezichtigt. Welche ­Optionen bleiben einem Mädchen in ­Manila? Der japanische Regisseur Kohki Hasei hat einen authentischen Film über die Not der Kinder in der Welt gedreht. Mit zahlreichen Preisen bedacht, kommt der kleine Film nun in Deutschland ins Kino und könnte besonders das ganz junge Publikum ansprechen, aber auch Cineasten, die Manila weniger als touristisches Traumziel, sondern als Monstrum von Stadt kennenlernen möchten und sich für Themen wie Kinderrechte und Kinderarmut interessieren. Ein atmosphärisch starker und enorm authentischer Debütfilm, der ausschließlich mit Laiendarstellern gearbeitet hat, mit einer Ausnahme: Die 12-jährige Philippinerin Cydel Gabutero war schon vor den Dreharbeiten in ihrer Heimat ein YouTube-Kinderstar mit hunderttausenden Klicks. Dabei spiegelt sich in ihrem überzeugenden Augenspiel das gesamte Drama ihrer vagen Existenz wider. Die Empfehlung.

Auf mehrfache Nachfrage nochmals im Programm:   LOVING VINCENT - 95 min. - Ab 6 J.
Seit seiner Premiere auf dem Festival von Annecy hat dieser ungewöhnliche Animationsfilm zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Mit Sicherheit eines der ungewöhnlichsten Biopics der letzten Jahre, und eines der stilvollsten: Vincent van Gogh in seinen eigenen Bildern, zum Leben erweckt von mehr als 200 Malern in einem höchst ambitionierten Filmprojekt, das neben wunderschön anzusehender Kunst eine richtig spannende Krimihandlung bietet. Dabei geht es um van Goghs Tod und seinen letzten Brief, über den ein junger Franzose Nachforschungen anstellt. Könnte es sein, dass van Gogh gar nicht Selbstmord begangen hat, sondern Opfer eines Verbrechens wurde? Nicht nur die aufwändige, toll durchdachte Gestaltung machen diesen Film zu einem visuellen und sinnlichen Erlebnis der Extraklasse, sondern auch die - selbstverständlich frei erfundene - Handlung um die letzten Monate im Leben des großen Malergenies. Auch der konservativste Kunsthistoriker wird sich besänftigen lassen, denn die Umsetzung spricht für sich. Auf der Grundlage zahlreicher Werke von Vincent van Gogh entstanden die farbigen Passagen des Films als animierte Ölgemälde: Felder mit wogenden Pinselstrichhalmen, wilden Wolkenbergen und rötlich flackernden Sonnenbällen; Stillleben, die plötzlich zum Leben erwachen, Porträts, die zu echten Menschen werden, die Welt der Bilder eines Malers entsteht neu und wird zu einem optischen Feuerwerk. Da alle Personen und Charaktere der Geschichte auf Gemälden von Vincent van Gogh wieder zu finden sind, ergeben die Bilder plötzlich Sinn und Zusammenhang, was noch ein zusätzliches Schmankerl für Film- und Kunstkenner darstellt. Die Story vom verkannten und verfolgten Künstler, der zu Lebzeiten als verrückter Spinner verschrien war, ist beinahe flächendeckend bekannt, aber hier dreht es sich nicht nur darum, eine Biographie nachzuzeichnen. Bekannte Fakten werden neu ausgelegt, so die Freundschaft zu dem Arzt Gachet und zu seiner Tochter, der Mademoiselle Gachet auf van Goghs Bildern, die ebenfalls teilweise bei der Interpretation eine Rolle spielen. Tatsächlich versuchen die Filmemacher das noch immer aktuelle Geheimnis um van Goghs Tod aufzudecken. Ob und wie das geschieht? Das soll hier nicht verraten werden. Klar ist vor allem eines: Das ist brillant und clever gemacht, es gibt viel zu entdecken und zu staunen: eine Bilderreise durch ein Universum von Farben und Stimmungen.


Weitere Filme, aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de/epd-film)

DIE SCH´TIS IN PARIS – Eine Familie auf Abwegen - 107 min. - Ab 6 J.

Anders als in „Willkommen bei den Sch’tis“ prallen in der Fortsetzung nicht bloß zwei völlig unterschiedliche Mundarten aufeinander, sondern auch verschiedene soziale Schichten. Auf der einen Seite befinden sich Valentin und Constance, die der Pariser Oberschicht angehören, auf der anderen steht Valentins Familie aus dem Norden, die sich auf mehr schlecht als recht als Selbstversorger durchschlägt und nichts besitzt als einen alten Wohnwagen. Genau durch diesen Clash aus Arm und Reich kommt die Geschichte erst zustande: Gustave möchte sich von seinem reichen Bruder Valentin Geld leihen und begibt sich dafür mit (fast) dem gesamten Sch’ti-Clan in Richtung der französischen Hauptstadt. Der zweite Sch'ti-Film ist keine Fortsetzung des ersten, basiert aber noch mehr auf der sprachlich-kulturellen Konfrontation von Hochfranzösisch und einem Dialekt, bei dem, knapper und gröber, nicht um den heißen Brei herumgeredet wird. Ein konsterniertes »Wie bitte?« wird zu einem rausgeblökten »Häh??«. Mit seinen zielgenauen Pointen verschont Dany Boon niemanden, weder die High Society noch die Hinterwäldler, die außer einem großen Herzen und viel Gefühl wenig haben. Dabei geht es immer mehr ums Miteinander als ums Gegeneinander, auch der private Boon, Sohn einer Französin und eines algerischen Boxers, setzt sich für Toleranz und Humanismus ein. Etwas einfach macht es sich Boon in seiner Rolle als Autor, Darsteller und Regisseur, wenn er die Gegensätze genüsslich, aber auch oberflächlich gegeneinander ausspielt. Ein subtiler Film war auch der erste „Sch´ti“ nicht, selbst eine ähnlich erfolgreiche Komödie wie „Ziemlich beste Freunde“ hatte da viel mehr, viel Komplexeres über das Aufeinandertreffen zweier Welten zu erzählen. Der zweite Sch´ti bleibt insofern dem Original treu und ist grobschlächtig, eher klamaukig als feinsinnig, von schlichter Moral geprägt, aber irgendwie dann doch auch liebenswert.

3 TAGE IN QUIBERON – 116 min. - Ab 6 J.   Soeben ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis in sieben Kategorien.
Deutschland macht es seinen Stars oft nicht leicht, was besonders Romy Schneider erfahren musste, die bald nach Frankreich floh und dort zu dem Weltstar wurde, als der sie auch heute, gut 35 Jahre nach ihrem Tod, noch verehrt wird. Glücklich wurde sie allerdings nie, eine Hassliebe zur Presse und zur Öffentlichkeit prägte ihr Wesen, wie Emily Atef in ihrem ästhetischen, melancholischen Film zeigt. Ihre besondere Gabe, sagte Claude Sautet einmal, bestand darin, ihre männlichen Partner infrage zu stellen. Sie ist aber, gepaart mit der Fähigkeit, sich über die eigenen Gefühle Rechenschaft abzulegen, ein mächtiges Instrument, über das die Schauspielerin zumal in ihren Filmen mit Sautet verfügt: Romy Schneiders prägnanteste Leinwandcharaktere konfrontieren ihr Gegenüber mit der Resonanz ihres Handelns. Als Romy 1981 einwilligt, dem »Stern« ein Interview zu geben, scheint dieses Talent zur Konfrontation fast erloschen. Emily Atefs Film konzentriert sich, abgesehen von einem kurzen Epilog, auf dieses Ereignis. Die von Alkohol und Tabletten abhängige Schauspielerin (glänzend Marie Bäumer) hat sich zu diesem Zeitpunkt in eine als Hotel getarnte Entzugsklinik an der französischen Atlantikküste zurückgezogen. In diesem Zustand extremer Verletzbarkeit ist ihr bang vor dem Gespräch; sie hat ihre Jugendfreundin Hilde (Birgit Minichmayr) als Stütze ­hinzugeladen. Der ehrgeizige ­Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) sieht in dem Interview eine große Karrierechance; er wird begleitet vom Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner), der seit einigen Jahren Romys Vertrauen und auch Freundschaft genießt. Drei Tage verbringt das Quartett zusammen, drei Tage, in denen viel geredet und fotografiert, geraucht und getrunken wird, in denen sich Schneider, teils freiwillig, teils durch die provokanten Fragen Jürgs' aus der Reserve gelockt, in einem Maße offenbart wie sie das noch nie getan hatte. Und nie wieder tun würde, denn kaum ein Jahr nach den Tagen in Quiberon starb Schneider mit nur 43 Jahren, vermutlich an einer Überdosis Schmerztabletten. Das im April 1981 veröffentlichte Interview und die dazugehörigen Fotos, die Lebeck von Schneider machte, wurden durch die Umstände zu einer Art Vermächtnis, zu einem letzten, intimen Blick in ein abwechslungsreiches, vielfältiges, aber auch tragisches Leben, dass seit frühen Tagen stets im Blick der Öffentlichkeit stattfand. Als Opfer der Medien darf man Schneider aber nicht sehen, zumindest nicht ausschließlich. In ihrem auf Tatsachen beruhenden, aber doch freien biographischen Film geht es Emily Atef genau um diese Widersprüche, die Ambivalenzen in Schneiders Wesen, ihre fast manisch wirkende Art, ihr Wechsel zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wie Bäumer, die Schneider in Mimik und Gestik auf verblüffende Weise ähnelt, das spielt, die unglaubliche Offenheit von Schneidet andeutet, die ihren Leinwandfiguren so eine enorme Emotionalität verlieh, wie sie mal stark und selbstbewusst, mal schwach und verletzlich ist, allein das ist toll. Doch auch stilistisch weiß Atefs Film zu überzeugen, in weichem Schwarz-weiß gefilmt, den Bildern Lebecks nachgeahmt, der in Quiberon eine der bekanntesten Foto-Serien über die oft fotografierte Schneider einfing. Auch vom Wissen um das, was folgen sollte, lebt dieser Film, vom Wissen um den baldigen Tod Schneiders, die viel zu jung starb, aber in zahlreichen wunderbaren Filmen weiterlebt, und nun auch durch diese berührende, melancholische Hommage.

TEHERAN TABU - 90 min. - Ab 16 J.
Im Iran gibt es viele Tabus, eines davon ist es, sich diesen Film anzusehen, von der Produktion eines solchen Films ganz zu schweigen. Immerhin legt der im Iran geborene, aber inzwischen in Deutschland lebende und arbeitende Regisseur Ali Soozandeh in seinem Langfilmdebüt schonungslos die immense Kluft offen, die sich in der iranischen Gesellschaft zwischen den staatlichen und religiösen Moralvorschriften auf der einen sowie dem tatsächlichen Leben im privaten Raum auf der anderen Seite auftut. Schon in der Eröffnungsszene tritt die ganze Bigotterie der patriarchalischen iranischen Gesellschaft zutage. Soozandeh, der auch das Drehbuch verfasst hat, verzichtet auf subtile Andeutungen, sondern erhebt direkt Anklage. Teheran Tabu lässt weder Interpretationsspielraum, noch lässt er Fragen offen. Die episodenhafte Erzählung zeigt, dass die gesellschaftlichen Konventionen - Drogen, Sex und Korruption zählen zu den Tabus - im Privaten dennoch hintergangen werden. Pari ist gezwungen, anschaffen zu gehen, da ihr drogensüchtiger Mann arbeitslos ist. Die junge Donya steht kurz vor ihrer Hochzeit, als sie dann Babak kennenlernt und Sex mit ihm hat, muss sie eine Möglichkeit finden, ihre Jungfräulichkeit wieder herzustellen. Die Hausfrau Sara möchte wieder zur Arbeit gehen, dafür braucht sie die Erlaubnis ihres sehr konservativen Mannes. Die Wege der selbstbewussten Frauen kreuzen den eines Musikers und zeigen dabei schonungslos einen Abriss der patriarchalen Gesellschaft des Irans. Anhand dieser locker miteinander verknüpften Geschichten entwirft Teheran Tabu sein offen zur Schau gestelltes Gesellschaftsbild, das von Doppelmoral, Angst und Machtmissbrauch geprägt ist. Weil der Film nicht an Originalschauplätzen in Teheran gedreht werden konnte, haben die Macher das Drama animiert, außer auf Motion Capture haben sie vor allem auf das sogenannten Rotoskopieverfahren, bei denen erst reale Schauspieler die Szenen spielen, die dann übergemalt und anschließend in ebenfalls animierte Hintergründe eingefügt werden. Das Ergebnis des in einem Studio in Wien gedrehten Films ist einerseits betont abstrakt, aber zugleich auch unglaublich spezifisch, jedenfalls viel spezifischer, als es bei einem Realfilmdreh an einem Ersatzort wie Marokko (das im Kino schon oft für den Iran herhalten musste) je möglich gewesen wäre. Als deutsch-österreichische Koproduktion wirft der Film einen ungewohnten Blick von außen auf ein Land, dessen nonkonformistisches Kino meist nur über Umwege auf europäischen Festivals landet und das über Regisseure wie Jafar Panahi („Taxi Teheran“) nach wie vor Berufsverbote und Haftstrafen verhängt. Ein Protestfilm, um, so Soozandeh, "das Schweigen zu brechen".

GAME NIGHT - 100 min. - Ab 12 J.
Das Spiel bietet, wie das Kino, die Möglichkeit, der Realität zu entfliehen und sich ohne Aufwand und Gefahr in eine andere Welt und eine andere Identität zu versetzen. In dieser Krimikomödie wird beides in Zusammenhang gebracht, wenn eine achtköpfige Freundesclique, die sich seit langem bei dem Paar Annie (Rachel McAdams) und Max (Jason Bateman) zu Spieleabenden trifft, ein Film- und Schauspielerquiz veranstaltet. Es ist ein »Real«-Spiel, in dem eine Entführung vorgetäuscht wird. Eines Abends taucht Max' beneidenswert cooler Bruder Brooks (Kyle Chandler) auf und lädt die Gruppe zu einem neuen Spiel ein, kein spießiges Brett- und Kartenspiel, sondern ein aufwändiges Live-Theater, in dem angeheuerte Schauspieler einen täuschend echten Krimiplot samt Überfall inszenieren. Erstaunlich geschickt wird auf einem messerscharfen Grat zwischen Spiel und blutigem Ernst, Komödie und Thriller herumgetänzelt, werden die humoristischen Kollateraleffekte einer mentalen Achterbahnfahrt zwischen Sorglosigkeit und Panik weidlich ausgekostet. Zwar sind der Ablauf, die Spielregeln und auch die Joker der Filmhandlung vorhersehbar. Und auf der Zielgeraden zum Happy End wird die Schraube doch überdreht. Doch der Einfallsreichtum, mit dem das Regieduo Daley/Goldstein drauflos improvisiert, die Art und Weise, wie es den Darstellern Raum gewährt, ihr komödiantisches Talent zu entfalten, sorgen für anhaltenden Spaß. Dabei sind Bateman in seiner Paraderolle eines Jedermann, der seine Durchschnittlichkeit mit trockenem Witz adelt, und Mc­Adams als alerte, hoch kompetitive Annie die halbe Miete. Als Geheimwaffe erweist sich Jesse Plemons als Nachbar Gary, ein Cop mit der Aura eines Psychopathen. Daneben werden dank des flotten Timings eine Menge Logik-Schlaglöcher überspielt. Wunderbar verspielt ist überdies ein überraschender Abweg der Handlung, in dem, in einer Rückblende, ein Paarproblem verhandelt wird. Das erhebende Gefühl, dass hier zwei Regisseure wissen, was sie tun, erstreckt sich bis in den liebevoll gestalteten Abspann. Man hatte fast schon vergessen, wie es ist, im Kino zum Lachen gebracht zu werden.


BEUYS - 107 min. - Ab 6 J.
Deutscher Filmpreis 2018: Bester Dokumentarfilm. Soeben ausgezeichnet.
Er gilt einer der größten Künstler und Kunsttheoretiker des 20. Jahrhunderts, der zeitweise sogar größer als Andy Wahrhol war und mit seinen spektakulären Aktionen für Aufsehen sorgte: Joseph Beuys. Andres Veiel sichtete für den Film 400 Stunden Archivmaterial, über 20.000 Fotos und  knapp 300 Stunden Tondokumente. Drei Jahre dauerten die Arbeiten an dem Film, in deren Verlauf der Filmemacher 60 Zeitzeugen interviewte: ehemalige Weggefährten, Freunde, Künstlerkollegen und Studenten von Beuys. Bekannt wurde Veiel durch seine Polit-Doku „Black Box BRD“.  „Beuys“ ist ein beachtlicher, vielschichtiger Film, der sich deutlich wie auch positiv von anderen Künstler-Porträts und Dokumentarfilmen abhebt. Das liegt zum einen an der kunstvollen visuellen Gestaltung und der ganz außergewöhnlichen Montage der unzähligen Einzelszenen, Interview-Schnipsel und Ton-Dokumente. In erster Linie kommt jedoch der Künstler selbst zu Wort. Durch die im Film gezeigten Interviewpassagen mit Beuys, die ihn u.a. im Streitgespräch mit Politikern oder bei Diskussionen am Rande seiner teils heftig umstrittenen Aktionen zeigen, wird nicht zuletzt eines deutlich: Beuys war ein Visionär, um Jahrzehnte seiner Zeit voraus. Und: er, der Filzhut tragende Vordenker und Erneuerer des Kunstbegriffs, war vor allem auch ein politischer Mensch. Denn der Künstler äußerte schon in den 60er- und 70er-Jahren, wie schädlich der Kapitalismus und auf Gewinn zielende Unternehmen für eine demokratischen Gesellschaft seien. Außerdem war er der Ansicht, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohle der Gesellschaft beitragen könne. Spannend ist dabei auch, wie die Befragten die unmittelbare (visuelle) Wirkung von Beuys auf sein Umfeld beschreiben. Er sei ein Mann gewesen, dessen Gesicht man nicht vergisst. Aber auch eines mit viel Ausstrahlung und Charisma. Und gerade die menschliche Wärme, die Beuys überdeutlich ausstrahlte, bleibe im Gedächtnis. Ebenso wie die unzähligen Kunstwerke und öffentlichkeitswirksamen Aktionen, von denen die wichtigsten im Film gezeigt werden. Regisseur Andres Veiel und seine Editoren Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer zeichnen in ihrer furiosen, klugen Collage unzähliger, oftmals bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente das Bild eines einzigartigen Menschen und Künstlers, der in seiner rastlosen Kreativität Grenzen sprengte. Kein klassisches Porträt, sondern eine intime Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Ideenräume, mitreißend, provozierend und verblüffend gegenwärtig.

Nochmals für kurze Zeit:  AUS DEM NICHTS, von Fatih Akin - 106 min. - Ab 16 J.
Deutscher Filmpreis 2018: Bester Film, Lola in Silber. Bestes Drehbuch. Soeben ausgezeichnet.
So gerne sich das deutsche Kino mit der Vergangenheit beschäftigt, kaum ein Aspekt des Dritten Reichs und inzwischen auch der DDR-Geschichte nicht filmisch behandelt wurde, so rar sind Darstellungen der politischen Gegenwart. Allein schon dass Fatih Akin für seinen neuen Film als Ausgangspunkt den NSU-Anschlag in der Kölner Keup-Straße nimmt, macht seinen Film, der zum Teil von offensichtlicher unübersehbarer Wut geprägt ist, bemerkenswert. Womit nicht nur der Anschlag selbst gemeint ist (der in der Realität im Gegensatz zum Film keine Todesopfer forderte), sondern die einseitige Ermittlung der Behörden, die die türkischen Opfer als Täter verdächtigten und allzu lange Hinweise auf eine rechtsradikale Täterschaft ignorierten. Ein Skandal! Die Wut im Bauch merkt man dem Film vor allem im mittleren Teil, dem Prozess, an, in dem Akin mit viel Emotionalität, aber weniger Intelligenz an sein Thema herangeht, seine Wut auf die in seinen Augen mangelhafte deutsche Justiz dadurch zum Ausdruck bringt, ein weitestgehend absurdes Gerichtsverfahren zu zeigen, das wohl kaum der Realität in deutschen Gerichtssälen entspricht. Die vor allem in Frankreich und Hollywood arbeitende Schauspielerin Diane Kruger, die hier ihre stärkste Darstellung abliefert, wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Die Tragik, die Krüger ihrer Rolle abgewinnt, die zunehmende Verzweiflung über den Tod von Mann und Kind, über die ungerechten Vorhaltungen, die ihr von vielen Seiten entgegenschlagen, sowohl von Eltern als auch von Schwiegereltern, vor allem aber das, was sie als Versagen das Staats empfindet, lassen schließlich auch ihre Handlungen im dritten Akt verständlich erscheinen. Auf dem Papier nicht ganz unproblematisch ist es, was Akin hier erzählt, doch es ist Krüger zu verdanken, dass die extreme Reaktion einer trauernden Frau nachvollziehbar wird und „Aus dem Nichts“ am Ende zu mehr wird, als einem wütenden, nicht immer überlegtem Politdrama. Was die filmische  Auseinandersetzung mit der NSU im Speziellen und Rechtsterrorismus im Allgemeinen angeht, ist Akins Film ein Anfang, aber hoffentlich nicht das Ende.

CALL ME BY YOUR NAME – 132 min. – Ab 12 J.
Als echter Italiener weiß Luca Guadagnino natürlich bestens, wie er seine Heimat am schönsten in Szene setzt. Sonnendurchflutete Landschaften. Paradiesisch anmutende Gärten. Idyllische Flüsse und Küsten. Pittoreske Dörfer mit palavernden Bewohnern. In der vornehmen Villa von Emilios vermögenden Eltern lässt sich zudem sehr entspannt über Gott und die Welt und die letzten Probleme der Menschheit philosophieren. Ähnlich entschleunigt wie die Einheimischen, geht auch der Regisseur vor. Bemerkenswert dabei, dass solcher Mut zur Länge nicht zur Langatmigkeit gerät. Vielmehr erlaubt er den Figuren genügend Zeit zur Entfaltung. Die brauchen sie tatsächlich dringend, schließlich stecken sie voller Widersprüche und Unsicherheiten. Es ist die radikal romantische Liebesgeschichte zwischen einem 17-jährigen, ungestümen Schöngeist und einem 24-jährigen US-Sonnyboy im sommerlichen Bella Italia der 80er Jahre. Bevor der verunsicherte Teenager Elio (glänzend Timothée Chalamet) ganz den Kopf verliert, stürzt er sich lieber in den Flirt mit der hübschen Marzia, die ihn schon lange anschwärmt. Ein bisschen will er damit aber natürlich seinen Oliver eifersüchtig machen. Je mehr Zeit die Jungs miteinander verbringen, desto größer wächst die Zuneigung und steigt das Begehren. Ganz so einfach ist die Sache jedoch nicht. Die Wege zum Liebesglück sind gleichwohl holprig. Und da ist dann noch dieses bewegende Vater-Sohn-Gespräch, wie es großartiger im Kino wohl noch nicht zu sehen war. Last not least verliert auch der Pfirsich hier auf immer seine Unschuld. Ganz grosses sinnliches Gefühlskino, wie es eben nur die Italiener mit solch raffinierter Grandezza beherrschen, basierend auf André Acimans gefeiertem Roman. Man möchte liebend gerne teilhaben an diesem Sommer-dolce-vita. Ausgezeichnet mit einem Oscar 2018. Die Empfehlung.

DIE DUNKELSTE STUNDE - 125 min. - Ab 6 J.
Zum größten Briten aller Zeiten wurde Winston Churchill 2002 gewählt und nimmt man allein Joe Wrights „Die dunkelste Stunde“ als Maßstab, so besteht kein Zweifel an dieser Entscheidung. Als überlebensgroße Persönlichkeit spielt Gary Oldman den britischen Premier, legt ihn als aufbrausende, aber auch zweifelnde Figur an, die die drohende Gefahr durch Hitler früh erkannte und sein Land dazu drängte, lieber im heroischen Kampf unterzugehen, als sich zu ergeben. Fraglos mitreißend ist es, wenn da Churchill im Parlament spricht, zunächst seine berühmte Antrittsrede, in der er sagte, dass er nichts anderes zu geben hätte als „Blut, Arbeit, Tränen und Schweiß“ und schließlich der Moment, in dem er gegen die Stimmen seiner politischen Gegner Chamberlain und Halifax, die auf eine Verhandlungslösung setzten, Parlament und Nation auf den harten Kampf gegen Deutschland einschwor und sagte, dass die stolze britische Nation lieber in ihrem eigenen Blut auf dem Boden liegen sollte, als aufzugeben. Gerade durch die Inszenierung Wrights, der Churchill immer wieder isoliert zeigt, allein gegen alle kämpfend, als einziger die Notwendigkeit des Kriegs erkennend, wird Churchill zu einer geradezu messianischen Gestalt stilisiert. Und die Geschichte hat ihm Recht gegeben, Großbritannien widerstand dem Versuch, sich wie Frankreich Hitler zu ergeben, harrte aus, überstand die Bombardierung seiner Städte und war am Ende, nicht zuletzt dank der Hilfe der USA, siegreich. Dennoch mutet die Verklärung Churchills etwas befremdlich an, der Film blickt zurück in die Vergangenheit, als Großbritannien noch Weltmacht war, ein Kolonialreich beherrschte, in dem die Sonne nie unterging, dessen Rassismus und diskriminierende Politik noch als selbstverständlich hingenommen wurde. Von dieser einstigen Glorie ist wenig geblieben, der Brexit, sollte er nicht rückgängig gemacht werden, wird Großbritannien weiter isolieren, da kommen Filme, die einen der letzten großen Triumphe der Nation beschreiben, ja verklären, gerade recht. „Die dunkelste Stunde“ ist vor allem ein spannender innenpolitischer Thriller über die Machtkämpfe und Ränkespiele im britischen Kabinett vor dem Hintergrund des drohenden Untergangs des britischen Königreichs und der Vernichtung durch Nazi-Deutschland. Da ist es nachvollziehbar, dass sich Regisseur Wright im letzten Drittel gelegentlich für eine etwas emotionalere und offensichtlichere Erzählweise entscheidet (U-Bahn-Sequenz). In diesen Momenten macht die faszinierende Ambivalenz, die den Film über weite Strecken kennzeichnet, einem patriotischen Überschwang Platz, der seine Wirkung nicht verfehlt. Denn Wright und sein Hauptdarsteller haben das Publikum zu dem Zeitpunkt längst zum Komplizen Churchills gemacht: Gary Oldman porträtiert den brachialen, maßlosen, instinktgetriebenen aber auch prinzipientreuen Machtmenschen mit allen seinen Widersprüchen. Wenn er sagt, dass Kapitulation und Niederwerfung keine Option für solch eine stolze Nation wie Großbritannien sei, dann wird aus seiner persönlichen Überzeugung die Überzeugung eines ganzen Volkes.

DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER - 111 min. - Ab 12 J.
Eines dieser kaum zu glaubenden, wie fürs Kino geschriebenen historischen Ereignisse ist Vorlage für Lars Kraumes (Der Staat gegen Fritz Bauer) neuen Film. Schweigen, um der Opfer des Ungarnaufstandes zu gedenken: Genau dies tat 1956 eine Abiturklasse in Stalinstadt. Eigentlich keine große Sache, doch im DDR-System, wo Mut und Zivilcourage als konterrevolutionär eingestuft wurde, der Beginn kaum glaublicher Ereignisse, die Kraume mitreißend, berührend und souverän inszeniert. Sein Film folgt der Dramatik einer Untersuchung. Lehrer, Schuldirektor und Funktionäre versuchen, die »Anstifter« der Schweigeminute auszumachen in größtenteils infamen Befragungen und Verhören. Skrupellos greifen die quasi zu Gericht Sitzenden dabei zu Mitteln wie Erpressung, nur logisch fordern sie auch zur Denunziation auf. Natürlich wird versucht, die Klasse zu spalten, die Schüler werden gegeneinander ausgespielt. Sie sind mitnichten alle einer Meinung über den Vorfall. Bei aller Plakativität der Figuren liegt das Interessante und sehr Beklemmende dieses Films darin, wie er die Frage nach dem historischen Gewordensein stellt, indem er die Gegenwart jener frühen DDR-Jahre, das politisch-ideologische Wollen des »ersten sozialistischen Staats auf deutschem Boden« im individuellen Fall erzählerisch mit der Vergangenheit der autoritären Väter und dem »Tausendjährigen Reich« verschränkt und dabei Fragen von Integrität, Loyalität und Verrat auf vielen verschiedenen Ebenen, persönlichen wie übergreifend ethischen, durchdekliniert. Ein sehr bewegendes Kapitel aus den Zeiten des ­Kalten Kriegs, basierend auf den persönlichen Erlebnissen und der gleichnamigen Buchvorlage von Dietrich Garstka, einer der insgesamt 19 ehemaligen Schüler, die 1956 mit einer einfachen menschlichen Geste ­einen Staatsapparat gegen sich aufbrachten. Sie wurden alle der Schule verwiesen, mit der Aussicht, in der DDR niemals Abitur ­machen und studieren zu dürfen. Die meisten von ihnen gingen in den Westen. Eine kluge Geschichtsstunde und, um im Titel zu bleiben, ein Film von ganz großer Klasse!


Steven Spielbergs  DIE VERLEGERIN - 117 min. - Ab 6 J.
In einer Zeit, in der sich Medien sowohl von der Quote, als auch, wie sich besonders in den USA wieder zeigt, von Einschüchterungsversuchen von Regierungsseite beeindrucken lassen, erscheint DIE VERLEGERIN wie ein wohltuender Blick zurück auf journalistische Tugenden. Steven Spielberg hat mit seiner neuesten Regiearbeit einen, im positivsten Sinne konventionellen, guten alten Film gedreht, der konsequent 35mm-Technik nutzt und nicht nur damit an große Journalistenfilme wie etwa DIE UNBESTECHLICHEN erinnert, auch hier sind die Journalisten Fürsprecher der Demokratie und Verschwörer gegen die Mächtigen. Er verfilmte im Jahr Eins der Trump-Präsidentschaft die Geschichte um die Veröffentlichung der »Pentagon Papers« 1971 in der »Washington Post«. Er erzählt eine authentische Geschichte aus der Vergangenheit. Und doch spiegelt er unsere Gegenwart, speziell den aktuellen Kampf um die Pressefreiheit, mit einer Brisanz, die mehr ist als nur gutes Timing. In einer Zeit, in der ein US-Präsident während der Pressekonferenz die Journalisten als „fake news“ beschimpft, seine Mitarbeiter das Schlagwort der „alternativen Fakten“ prägen, ein türkischer Präsident Journalisten verhaften lässt und in Deutschland rechtsradikale Demonstranten Berichterstatter als „Lügenpresse“ diffamieren, ist dieser Film wichtiger denn je. Er kommentiert das Heute, in dem er vom Gestern berichtet. Er macht das spannend, unterhaltsam und mit großartigen Schauspielern. In Meryl Streep und Tom Hanks als Graham und Bradlee findet Spielberg ein sich in allen Belangen ebenbürtiges und ergänzendes Darstellerpaar. Und findet dann noch die Zeit, von etwas anderem zu erzählen: der Emanzipation einer Frau, die sich in einer Männerwelt behaupten muss. Als Kay Graham 1963 die Verlagsführung der Washington Post erbt, wirkt sie wie eine der vielen Ausnahmen von der Emanzipation ihrer Zeit. Eine Frau, die sich von Männern nicht nur beraten, sondern auch leiten lässt. Das ändert sich, als ihre Zeitung 1971 in den Besitz der „Pentagon-Papiere“ gerät, die die gezielte Desinformation der US-amerikanischen Öffentlichkeit in Bezug auf den Vietnamkrieg aufdecken, die über die wahren Hintergründe des Kriegs der USA in Vietnam aufklären. Sie befindet sich im Zwiespalt: Der Vorstand macht ihr klar, dass es wirtschaftlich negative Folgen haben könnte, sich gegen die Regierung zu stellen. Außerdem hält Kay freundschaftliche Beziehungen zu Menschen, die in den Papieren belastet werden. Doch Bradlee beschwört sie, dass es Pflicht der Presse sei, die Wahrheit zu drucken. Und dass eine freie Presse sich auch von der Regierung nicht erpressen lässt. Das Klimpern der Schreibmaschinen, das Rattern der Telex-Geräte und das Klingeln der Telefone im Großraumbüro zeugen davon: Hier wird hart gearbeitet, hier wird nach der Wahrheit gesucht, hier wird das journalistische Ethos verteidigt. Das war damals richtig, und ist es heute nicht minder. Mitreißendes Politdrama und emotionales Darstellerkino zugleich, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Funktion einer freien Presse.

DAS LEBEN IST EIN FEST -  116 min. - Ab 0 J.
Nach ihrem trendsetzenden Erfolgsfilm  „Ziemlich beste Freunde“ überrascht das Regieduo Eric Tolédano und Olivier Nakache mit einer ungewöhnlichen Ensemblekomödie. In dieser facettenreichen Geschichte wird, von einem Tag zum nächsten, der Ablauf eines glamourösen Hochzeitsfests in einem Schloss geschildert, jedoch aus Sicht der Heinzelmännchen hinter den Kulissen, den Angestellten und des Chefs einer auf Hochzeitsevents spezialisierten Firma. Bandleader James, der sich als cooler Rocker sieht, muss freundliche Senioren und ihre Wünsche nach Vico-Torriani-Liedern abwimmeln. Der schmierige Hochzeitsfotograf Guy ärgert sich über Handy-Fotografen. Der neurotische Exliteraturlehrer Julien erkennt in der Braut seinen früheren Schwarm. Zusammengehalten wird die Truppe von Max, und hier wird es interessant. Denn in französischen Filmen sind Unternehmer, sofern ihre Betriebsgröße vier Mann übersteigt, meist Buhmänner und Witzfiguren auf der falschen Seite des Klassenkampfs. Anders aber als die hitzköpfigen Patrons à la Louis de Funès wird Max, Jean-Pierre Bacri mit Augenringen und viel Melancholie, als müder Held porträtiert, der zu viele Bälle in der Luft zu halten versucht. Mehr Kindergärtner als Macher muss er nicht nur die zankenden Angestellten im Team befrieden, sondern auch zwei Frauen, die frustrierte Geliebte und die Ehefrau. Tatsächlich ist dies ein Ensemblefilm oder »film chorale«, wie ein mehrstimmiger Chor orchestriert, in dem, trotz manchmal tiefergelegter Gags, die Macken der Charaktere nie an schrillen Klamauk verraten werden. Das Fest wird zur Lebensmetapher, zum Hohelied auf die unermüdlichen Wurstler, hin- und hergerissen zwischen Plan und kreativer Abweichung, deren Selbstbild fortwährend von der Realität korrigiert wird. Mit dieser feingetakteten Mischung aus Poesie und Komik, Sarkasmus und Herz, ist dem Regieduo eine ziemlich tolle Gesellschaftskomödie gelungen.

WEIT - Die Geschichte von einem Weg um die Welt - 125 min. - Ab 0 J.
Sie wollen ihr Zuhause verlassen, um zu entdecken, was Heimat für andere bedeutet: Das junge Paar Patrick und Gwen aus Freiburg zieht mit dem Rucksack gen Osten und weiter bis um die Welt. Die zwei versuchen dabei auch, sich in Verzicht zu üben. Das Ziel ist es, nicht mehr als fünf Euro am Tag auszugeben, und nicht zu fliegen. Jeder zurückgelegte Meter soll mit allen Sinnen wahrgenommen, Grenzen sollen ausgetestet und neben dem Verzicht soll auch der Genuss gelernt werden. Bei jedem Schritt wollen Patrick und Gwen spontan und neugierig bleiben. Die beiden sind drei Jahre und 110 Tage unterwegs, bewegen sich ausschließlich als Anhalter fort, ob mit Bus, Zug, Schiff. Am Ende kommen fast 100.000 Kilometer durch Europa, Asien sowie Nord- und Zentralamerika zusammen. Sie kehren zu dritt zurück. Im Mittelpunkt der Reise steht immer der unmittelbare Kontakt zu den Menschen, die sie durch das „per Anhalter reisen“ besonders intensiv erleben dürfen. Sie, und wir mit ihnen, sind mittendrin im Alltag der Menschen. Jedes Auto bringt eine neue Geschichte, eine neue Begegnung, die man so nie hätte planen können. Der Film und die beiden Reisenden Patrick und Gwen sind dermaßen sympathisch, dass man sich ungeheuer gerne mit ihnen auf ziemliche Abenteuer einläßt quer durch die Welt, meist trampend, oft im Zelt schlafend, oft auch bei Menschen, die sie unterwegs kennen lernen. Da Patrick zudem von Beruf Kameramann ist, kann man sich über erstaunlich professionelle Bilder freuen, die immer dicht dran sind an der Natur und den Mitmenschen. Viel schöner kann man nicht Lust machen aufs Reisen, auf Welt entdecken, auf Menschen kennen lernen. Ein Film wie eine gelebte Völkerverständigung, und ein Erfolgsprojekt ohnegleichen. Anfänglich gedacht, nur Bilder und Videos für Freunde ins Netz zu stellen, entwickelte sich daraus ein Kinofilm, der mittlerweile über 200.000 Besucher begeistert hat. Dabei sind die 130 Minuten des Kinofilms nur ein Bruchteil des Materials, das insgesamt zur Verfügung stand. Nach fünf Monaten anstrengender Deutschlandtour starten die beiden nun ihre Live-Bühnentour, mit weiteren Geschichten und vielen neuen Anekdoten. „Herzlichen Dank für all das schöne Feedback, das wir täglich persönlich, per mail, über das Gästebuch und Facebook bekommen! Es berührt uns immer wieder zu beobachten, was für eine Reichweite die wunderschönen Begegnungen, die wir auf unserer Reise erleben durften, nun haben. Grüße von Herzen: Patrick und Gwen. (www.weitumdiewelt.de).

UNSERE ERDE 2 – 94 min. – Ab 0 J.
Schon Walter Ruttman wusste, dass der Lauf eines Tages ein ebenso einfaches, wie wirkungsvolles Mittel ist, eine an sich nur lose erzählte Dokumentation zusammenzuhalten. So wie er vor 90 Jahren „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ am Morgen begann, die Geschehnisse eines Tages beschrieb und in der Nacht endete, so bedienen sich die drei Regisseure hier dem Rhythmus eines Tages, um nicht weniger als die ganze Erde zu beschreiben. Dieses ambitionierte Ziel sagt schon einiges über die Entwicklung, die Tier- bzw. Naturdokumentationen in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Schon für eine zeitgenössische Fernsehdoku ist es kaum vorstellbar, sich 45 Minuten oder noch länger mit einer einzigen Tierart zu beschäftigen, was noch mehr fürs Kino gilt. Immer spektakulärer muss es werden, immer neue, aufregende, noch toller gefilmte Bilder müssen es sein, und davon hat „Unsere Erde 2“ viele zu bieten. Von den Galapagos-Inseln, über Ecuador, Mexiko, Südafrika, bis nach China und Indonesien führten die Dreharbeiten. Neben Lieblingen der Tierfilmer und Kinder wie Pandas und Pinguinen, wurden einstmals exotische Tiere wie Löwen und Geparden gefilmt, dazu wirklich noch exotische Tiere wie eine Flaggensylphe oder eine Langhornmücke. Dazu allerlei Flora und Fauna, zusammengehalten von Günther Jauchs Erzählstimme und der Musik eines Orchesters, das in keinem Moment einen Zweifel daran lassen möchte, dass hier Außerordentliches, Spektakuläres zu sehen ist. Die Erzählung folgt dem Lauf eines Tages, zeigt das Leben und Überleben unterschiedlichster Tierarten, doch angesichts der Notwendigkeit, keinen Moment der Ruhe aufkommen zu lassen, bleibt wenig Zeit, größere Zusammenhänge zu erklären. Eine wundervolle, atemberaubende Oberfläche hat auch diese Naturdoku zu bieten, viele der Aufnahmen hat man so tatsächlich noch nie gesehen, doch mag man sich nach fraglos spektakulären 90 Minuten auch fragen, ob das olympische Motto „Höher, Schneller, Weiter“ der richtige Ratgeber ist.