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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! Gastro
                                            
Unser Filmprogramm von Montag, 19.2. bis Mittwoch, 28.2.2018:

Welcher Film in  KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM Welcher Film in  KINOTHEK 2 ... Beginn
AUS DEM NICHTS 20.15
Mo 19.2. VOLL VERSCHLEIERT! 20.15
GREATEST SHOWMAN
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
17.45
20.
15
Di 20.2. MADAME  NICHT DIE FEINE ART
FLITZER
17.45
20.
15
AUS DEM NICHTS
GREATEST SHOWMAN
17.45
20.15
Mi 21.2. VOLL VERSCHLEIERT!
MADAME  NICHT DIE FEINE ART
17.45
20.15
AUS DEM NICHTS 20.15 Do 22.2. LAIBLE & FRISCH: DO GOHT DR DOIG 20.15
NEU   LOVING VINCENT
AUS DEM NICHTS
17.30
20.15
Fr 23.2. NEU   DAS LEUCHTEN DER ERINNERUNG
LAIBLE & FRISCH: DO GOHT DR DOIG
17.30
20.15
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
EXPEDITION HAPPINESS  Unterwegs von Alaska bis Mexiko
LOVING VINCENT
15.00
18.00
20.30
Sa 24.2. FLITZER MANCHMAL MUSS MAN MUTIG SEIN!
MADAME  NICHT DIE FEINE ART
DAS LEUCHTEN DER ERINNERUNG
15.00
18.00
20.30
NEU   ZU FUSS ÜBER DIE ALPEN
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
LOVING VINCENT
EXPEDITION HAPPINESS  Unterwegs von Alaska bis Mexiko
13.00
15.00
18.00
20.15
So 25.2. KEDI  VON KATZEN UND MENSCHEN
**FLITZER MANCHMAL MUSS MAN MUTIG SEIN!
VOLL VERSCHLEIERT!
*MADAME  NICHT DIE FEINE ART
13.00
15.00
18.00
20.15
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT 20.15
Mo 26.2. *GREATEST SHOWMAN 20.15
ZU FUSS ÜBER DIE ALPEN
AUS DEM NICHTS
18.15
20.
15
Di 27.2. KEDI  VON KATZEN UND MENSCHEN
LAIBLE & FRISCH: DO GOHT DR DOIG
18.15
20.
15
ZU FUSS ÜBER DIE ALPEN
LOVING VINCENT
18.15
20.
15
Mi 28.2. KEDI  VON KATZEN UND MENSCHEN
*VOLL VERSCHLEIERT!
18.15
20.
15
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Wir aktualisieren dieses jeden Montag nachmittag für die nächsten zehn Tage. Informieren Sie sich bitte taggenau, denn aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.

Unsere diese Woche neu einsetzenden Filme kurz vorgestellt: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

LOVING VINCENT - 95 min. - Ab 6 J.
Seit seiner Premiere auf dem Festival von Annecy hat dieser ungewöhnliche Animationsfilm zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Mit Sicherheit eines der ungewöhnlichsten Biopics der letzten Jahre, und eines der stilvollsten: Vincent van Gogh in seinen eigenen Bildern, zum Leben erweckt von mehr als 200 Malern in einem höchst ambitionierten Filmprojekt, das neben wunderschön anzusehender Kunst eine richtig spannende Krimihandlung bietet. Dabei geht es um van Goghs Tod und seinen letzten Brief, über den ein junger Franzose Nachforschungen anstellt. Könnte es sein, dass van Gogh gar nicht Selbstmord begangen hat, sondern Opfer eines Verbrechens wurde? Nicht nur die aufwändige, toll durchdachte Gestaltung machen diesen Film zu einem visuellen und sinnlichen Erlebnis der Extraklasse, sondern auch die - selbstverständlich frei erfundene - Handlung um die letzten Monate im Leben des großen Malergenies. Auch der konservativste Kunsthistoriker wird sich besänftigen lassen, denn die Umsetzung spricht für sich. Auf der Grundlage zahlreicher Werke von Vincent van Gogh entstanden die farbigen Passagen des Films als animierte Ölgemälde: Felder mit wogenden Pinselstrichhalmen, wilden Wolkenbergen und rötlich flackernden Sonnenbällen; Stillleben, die plötzlich zum Leben erwachen, Porträts, die zu echten Menschen werden, die Welt der Bilder eines Malers entsteht neu und wird zu einem optischen Feuerwerk. Da alle Personen und Charaktere der Geschichte auf Gemälden von Vincent van Gogh wieder zu finden sind, ergeben die Bilder plötzlich Sinn und Zusammenhang, was noch ein zusätzliches Schmankerl für Film- und Kunstkenner darstellt. Die Story vom verkannten und verfolgten Künstler, der zu Lebzeiten als verrückter Spinner verschrien war, ist beinahe flächendeckend bekannt, aber hier dreht es sich nicht nur darum, eine Biographie nachzuzeichnen. Bekannte Fakten werden neu ausgelegt, so die Freundschaft zu dem Arzt Gachet und zu seiner Tochter, der Mademoiselle Gachet auf van Goghs Bildern, die ebenfalls teilweise bei der Interpretation eine Rolle spielen. Tatsächlich versuchen die Filmemacher das noch immer aktuelle Geheimnis um van Goghs Tod aufzudecken. Ob und wie das geschieht? Das soll hier nicht verraten werden. Klar ist vor allem eines: Das ist brillant und clever gemacht, es gibt viel zu entdecken und zu staunen: eine Bilderreise durch ein Universum von Farben und Stimmungen.

DAS LEUCHTEN DER ERINNERUNG - 113 min. - Ab 6 J.
Das klassische Roadmovie widmet sich meist jugendlicher Sehnsucht nach Freiheit, Identität und selbstbestimmtem Leben. Der italienische Regisseur Paolo Virzi dagegen schickt ein altes Ehepaar auf eine letzte Reise. Die beiden rebellieren mit ihrem Ausbruchsversuch gegen Bevormundung und Pflegeheim. Ihr Ziel: Das Abenteuer Leben. Seine beiden Hauptdarsteller Helen Mirren, als patente Ehefrau und Donald Sutherland, als demenzkranker Literaturprofessor, erweisen sich dabei als Glücksgriff. Die Schauspiellegenden meistern diesen Trip mit Bravour und Würde. Vor allem die Britin überzeugt mit unnachahmlicher Schlagfertigkeit und emotionaler Tiefe. Humorvoll, schmerzhaft, ergreifend, tragisch und berührend zeigen die beiden, dass Alter nichts für Feiglinge ist. Dass die gesellschaftlichen Verhältnisse ihnen scheinbar keinen anderen Ausweg aufzeigen, das sollte nachdenklich stimmen. Bereits mit seinem großartigen Film „Die Überglücklichen“ widmete sich der italienische Regisseur Paolo Virzi voller Klarheit denjenigen, die sich gegen den Verlust ihrer Autonomie aufbäumen. Damals schickte er sein Frauenduo auf tragikomische Eskapaden durch die Toskana. Nun verlagert der 53jährige seine Fluchtfantasie ins Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michael Zadoorian wagt er sich an seinen ersten englischsprachigen Film. Stimmig fängt sein versierter Kameramann Luca Bigazzi dabei Bilder ein, ohne touristische Klischees zu präsentieren. Was Virzis Film sehenswert macht, ist das Verhältnis von John und Ella. Gerade Donald Sutherland überzeugt als ehemaliger Professor, der in Momenten voller Begeisterung über Hemingways Stil diskutieren kann, um sich einen Moment später nicht mehr an die banalsten Dinge erinnern zu können. Die genau beobachtete Tragik eines Mannes, der langsam das Wichtigste in seinem Leben verliert, seinen Geist, lässt manchen klaumaukigen, oberflächlichen Moment vergessen und macht den Film durch das Zusammenspiel von Sutherland und Mirren zu einem berührenden Liebesfilm.

ZU FUSS ÜBER DIE ALPEN - Am Traumpfad von München nach Venedig - 65 min. - Ab 0 J.
Eine lebensnahe und einfühlsame Dokumentation, die weit mehr ist als ein Wanderbericht. Die Drei Länder-Wanderung von München nach Venedig ist eine abwechslungsreiche Tour für leidenschaftliche Berggeher. In gut 30 Tagen führt die Strecke über fast 550 Kilometer und 22.000 Höhenmeter quer über die Alpen. Die beiden bekannten österreichischen Filmemacher und Bergfotografen Petra und Gerhard Zwerger-Schoner haben ihre Erfahrungen entlang der Wanderung mit der Filmkamera festgehalten. Die beeindruckende Weitwander-Route führt vom Marienplatz in München über die Bayerischen Voralpen, das Karwendel und die Zillertaler Alpen bis in die Dolomiten und schließlich über die Piave-Ebene nach Venedig mit seinem weltberühmten Markusplatz. Ein informatives und umfassendes Portrait dieser Alpenüberquerung, aber ebenso ein sehr persönliches Bild, mit allen Höhen und Tiefen auf einer wochenlangen Wanderung, in der auch eine Portion Humor nicht fehlt. Bemerkenswerte Filmaufnahmen in grandioser Gebirgslandschaft, phantastische Natur und ein authentisches Erlebnis zweier Wanderer, die losgegangen sind, um die Bergwelt zu erleben, doch am Ende weit mehr gefunden haben.


Weitere Filme, aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de/epd-film)

AUS DEM NICHTS - 106 min. - Ab 16 J.
So gerne sich das deutsche Kino mit der Vergangenheit beschäftigt, kaum ein Aspekt des Dritten Reichs und inzwischen auch der DDR-Geschichte nicht filmisch behandelt wurde, so rar sind Darstellungen der politischen Gegenwart. Allein schon dass Fatih Akin für seinen neuen Film als Ausgangspunkt den NSU-Anschlag in der Kölner Keup-Straße nimmt, macht seinen Film, der zum Teil von offensichtlicher unübersehbarer Wut geprägt ist, bemerkenswert. Womit nicht nur der Anschlag selbst gemeint ist (der in der Realität im Gegensatz zum Film keine Todesopfer forderte), sondern die einseitige Ermittlung der Behörden, die die türkischen Opfer als Täter verdächtigten und allzu lange Hinweise auf eine rechtsradikale Täterschaft ignorierten. Ein Skandal! Die Wut im Bauch merkt man dem Film vor allem im mittleren Teil, dem Prozess, an, in dem Akin mit viel Emotionalität, aber weniger Intelligenz an sein Thema herangeht, seine Wut auf die in seinen Augen mangelhafte deutsche Justiz dadurch zum Ausdruck bringt, ein weitestgehend absurdes Gerichtsverfahren zu zeigen, das wohl kaum der Realität in deutschen Gerichtssälen entspricht. Die vor allem in Frankreich und Hollywood arbeitende Schauspielerin Diane Kruger, die hier ihre stärkste Darstellung abliefert, wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Die Tragik, die Krüger ihrer Rolle abgewinnt, die zunehmende Verzweiflung über den Tod von Mann und Kind, über die ungerechten Vorhaltungen, die ihr von vielen Seiten entgegenschlagen, sowohl von Eltern als auch von Schwiegereltern, vor allem aber das, was sie als Versagen das Staats empfindet, lassen schließlich auch ihre Handlungen im dritten Akt verständlich erscheinen. Auf dem Papier nicht ganz unproblematisch ist es, was Akin hier erzählt, doch es ist Krüger zu verdanken, dass die extreme Reaktion einer trauernden Frau nachvollziehbar wird und „Aus dem Nichts“ am Ende zu mehr wird, als einem wütenden, nicht immer überlegtem Politdrama. Was die filmische  Auseinandersetzung mit der NSU im Speziellen und Rechtsterrorismus im Allgemeinen angeht, ist Akins Film ein Anfang, aber hoffentlich nicht das Ende.

GREATEST SHOWMAN - 104 min. - Ab 6 J.
„Das ist nicht das Leben, das ich dir versprochen habe“, gesteht der arbeitslose Buchhalter P.T. Barnum (Hugh Jackman) zerknirscht seiner jungen Frau Charity (Michelle Williams). Ein Leben voller Magie und Wunder wollte er für sie, die aus der Oberschicht stammt, und seine beiden Töchter schaffen. Doch momentan steht der New Yorker vor den Trümmern seiner Existenz. Aber als einfallsreicher Selfmademen gibt er nicht auf. Mit Mut zum Risiko landet er einen Coup. Ein  Museum will er in einen Ort verwandeln, an dem Menschen Dinge sehen können, die sie noch nie zuvor erlebt haben. - Trommelwirbel. Luftanhalten, Glitzer, Flimmern, Freaks und Musik. Im Zirkus werden die Gesetze des Alltags außer Kraft gesetzt. Zirkuskünstler gelten als Kosmopoliten. Das bunte Milieu steht für Freiheit. Der Zauber der Manege, die schillernde Mischung aus waghalsiger Akrobatik, Nervenkitzel und Exotik fasziniert  jung und alt. Mit seinen Sensationen, Spektakeln, seinen Raritäten und Kuriositäten ist er für alle da, wenn sie lachen und träumen. Das Schöne und das Groteske zieht die Menschen magisch an. Und davon profitiert das spektakuläre Kinoabenteuer des  australischen Regieneulings Michael Gracey. Sein Musicalfilm um P.T. Barnum, den Gründer des atemberaubenden Wanderzirkus, der mit Sonderzügen, als „größte Schau auf Erden“ durch die USA tourte, bezaubert in leuchtenden Farben und beschwingten Tönen. Und wenn sein legendärer Impresario klarstellt: „Es hat noch nie jemand etwas verändert, indem er so war wie alle anderen“ verbirgt sich in diesem kämpferischen Satz das heimliche Motto des unterhaltsamen Dramas. Er steht für das Selbstbewusstsein der Andersartigkeit. Die Musical-Elemente lassen die Dialoge und Darsteller freilich nicht hinter einer bonbonhaften Fassade verschwinden. Dass der amerikanische Zirkus die Pop-Kultur des späten 20. Jahrhunderts vorwegnimmt, ihre Inszenierungsformen prägt, eine riesige, minutiös geplante Unterhaltungsmaschinerie mit atemberaubender Logistik, auch das zeigt diese Geburt des Showbusiness.

VOLL VERSCHLEIERT! - 87 min. - Ab 12 J.
Ein radikalisierter Bruder, seine moderne Schwester und ihr Freund, der sich für heimliche Treffen eine Burka überwirft: Die iranische Regisseurin Sou Abadi unterläuft mit der autobiografisch angehauchten Cross-Dressing-Komödie die ritualisierte Frauen­verschleierung im konservativen Islam. In ihrer Komödie, ihr Spielfilmdebüt, trickst ein Paar den streng religiösen Bruder der Frau mit einer Verkleidung aus, um ihre heimliche Liebesbeziehung trotzdem leben zu können. Sou Abadi widmet sich in ihrem Film auf lustige Art und Weise aktuellen Themen wie Integration, verschiedenen Vorurteilen und der Radikalisierung, sie bewegt sich so auf einem schmalen Grat zwischen Gesellschaftskritik und Humor. „In Frankreich darf man nach den unterschiedlichen Anschlägen nicht mehr wirklich über die Themen Terror, Verschleierung oder Islam sprechen. Doch wir leben in einer Demokratie und da sollte jeder sagen dürfen, was er möchte, und auch mal darüber lachen können. Darum wollte ich diese Kombination mal ausprobieren“, sagt die Regisseurin und Drehbuchautorin. In vielen Momenten versprüht die kurzweilige, gut gespielte Komödie, die weit davon entfernt ist, islamophob zu sein, die Leichtigkeit eines Monthy-Python-Sketchs. Schade, dass man im deutschen Kino nicht Vergleichbares findet.


FLITZER - 94 min. - Ab 6 J.
Ein »Flitzer« ist ein Nackter, der den geregelten Ablauf eines sportlichen Wettbewerbs durch sein Auftreten im Adamskostüm auf dem Spielfeld unterbricht. Ein biederer Lehrer hat in höchster Finanznot die rettende Idee: Mit dem Einsatz von angeheuerten Flitzern will er Sportwetten gewinnen. Der groteske Coup mit der nackten Chaos-Truppe gelingt, das Business boomt. Als ihm eine Polizistin auf die Schliche kommt, können Amors Pfeile zwar kurzfristig helfen. Für ein Happy End muss der Pädagoge allerdings selbst aufs Spielfeld und die Hosen fallen lassen. Bereits der flotte Auftakt gibt vielversprechend die originelle Richtung vor. Nach einer skandalträchtigen Szene im vollen Stadion zieht der bärtige Flitzer als Ich-Erzähler das Publikum ins Vertrauen und schildert, wie alles so weit kommen konnte. Der Schweizer Kabarettist Beat Schlatter übernimmt den Part mit sichtlichem Vergnügen, schließlich gehört er zu den Koautoren. Mit feinen Strichen statt großem Getue zeichnet er diesen braven Lehrer Näf, der zum ersten Mal in seinem Leben ein Risiko eingeht, komplett scheitert und schließlich über sich hinauswächst. „Manchmal muss man mutig sein!“, schmachtet ihn seine neue Verehrerin beim ersten Date hoffnungsvoll an. Welche Lawine sie mit diesem Spruch auslöst, kann die verknallte Polizistin natürlich noch nicht ahnen. Mit der schrägen Stripper-Truppe ist das Figurenkarussell gut besetzt. Ihre variantenreichen Flitzer-Auftritte fallen mit zunehmender Raffinesse immer amüsanter aus. Beim ganz großen Finale vor vollbesetztem Stadion gelingt nicht nur die tricktechnische Illusion perfekt, auch der Feel-Good-Faktor gerät zum Volltreffer. Mit „Kleider machen Leute“ wurde Gottfried Keller einst berühmt. Die ihn verehrende Komödie zeigt originell, dass es auch ohne Kleider funktioniert. Die britischen Stripper aus „Ganz oder gar nicht“ lassen grüßen: Hopp, Schwiiz!

LAIBLE UND FRISCH: DO GOHT DR DOIG - 92 min. - Ab 0 J.
„Die Kirche bleibt im Dorf“ amüsierte 2012 fast eine halbe Million Besucher und wurde zum erfolgreichen TV-Format ausgebaut. Den umgekehrten Sprung von der populären Mini-Serie auf die Leinwand macht nun das Mundartstück um zwei verfeindete Dorf-Bäcker. Die Back-Rivalen müssen zusammenhalten, um mit vereinten Kräften böse Heuschrecken-Investoren zu vertreiben. Mit Hilfe der schlagfertigen Dorffriseuse Uschi, dem tölpelhaften Bürgermeister Pfleiderer sowie Marga Laible, der Gattin des Erzrivalen, sollen die drei potenziellen Geldgeber von ihren Plänen abgebracht werden. Der Coup im Luxushotel scheint fast gelungen, da sorgen unvorhergesehene Ereignisse für turbulentes Chaos. Schließlich kann nur noch ein öffentlich ausgetragener Backwettbewerb die Rettung bringen. Pech nur, dass der erfolgreiche Kochbuch-Autor Frisch vom Backen keine Ahnung hat. Bei der Story gibt sich der Schwaben-Schwank standesgemäß sehr sparsam. Doch welche Heimat-Komödie braucht schon großartig eine Handlung, wenn sie solche grandiosen Helden hat? Was zählt, sind die liebenswert schrulligen Figuren, viel Situationskomik, sowie vor allem wortwitzige Dialoge in stimmigem Dialekt. Insofern gilt für das Heimatlustspiel: Net gschompfa isch gnug globt! Das bestens aufgelegte Ensemble hat, wie schon in der TV-Serie, sichtlich Spaß an diesen Typen. Winfried Wagner und Simon Licht sind auch auf der großen Leinwand die ziemlich besten Bäcker-Feinde. Umwerfend komisch geraten die Auftritte der 92-jährigen Trudel Wulle als Spionageexpertin, die mit trockenem Humor per Funk dem unbeholfenen Verschwörer-Trio die nötigen Handlungs-Anweisungen beim Versteckspiel im Luxushotel gibt. Ihr Gatte Walter Schultheiß, 93, gibt sich als schwäbisches Schauspiel-Urgestein gleichfalls die Ehre in bewährter Bruddler-Manier. Monika Hirschle als Friseuse Uschi, viel in der Stuttgarter „Komödie im Marquardt“ zu sehen, muss als Spitzel mit whiskeykennenden Geschäftsmännern trinken: „Säufsch, stirbsch! Säufsch net, stirbsch au! Also sauf!“.

KEDI - Von Katzen und Menschen - 80 min. - Ab 6 J.
Die Regisseurin Ceyda Torun porträtiert in dieser großartigen Dokumentation sieben Istanbuler Straßenkatzen und nimmt die unterschiedlichen Tierpersönlichkeiten so ernst, dass man meint, es mit Diven, Lebenskünstlern oder Psychopathen zu tun zu haben. Nebenbei entsteht das berührende Bild einer Metropole, deren Bewohner versuchen, sich Lebensfreude, Mitgefühl und eine Form von menschlicher Urbanität zu erhalten. Es handelt sich dabei um keine Stuben-, sondern Straßentiger, schließlich gilt die türkische Metropole als El Dorado solcher schnurrender Streuner. Bei den Einwohnern sind die freiheitsliebenden Vierbeiner traditionell beliebt. Dank der unterschiedlichen Charaktere dieser pelzigen „glorreichen Sieben“ entwickeln sich hübsche kleine Geschichten aus der Großstadt. Jeder der pelzigen Streuner hat Einwohner gefunden, die sich um ihn kümmern, wobei die Regeln der Zuneigung allein von den Vierbeinern aufgestellt werden. Die Katze kauft den Menschen nicht im Sack, sondern gibt sich wählerisch, wen sie als Dienstleister zulässt. Die wiederum bieten ihren Service überaus willig an. Für die einen wirkt bereits die bloße Beobachtung der Samtpfoten wie Balsam in der Großstadt-Hektik. Für die anderen taugen Füttern und Streicheln sogar als wirksame Therapie gegen Depressionen. Die in Istanbul aufgewachsene und mittlerweile in den USA lebende Regisseurin Ceyda Torun versteht ihren Film als „Liebesbrief an die Katzen und die Stadt“. „In Istanbul ist die Katze mehr als nur eine Katze. Die Katze verkörpert das unbeschreibliche Chaos, die Kultur und die Einzigartigkeit, die Istanbul ausmacht“, heißt es einmal. Die wunderschönen Bilder der anmutigen Tiere - dies stets auf „Katzenaugenhöhe“ - entwickeln auf der großen Leinwand einen ganz besonderen Charme, dem Internet-Videos kaum Konkurrenz bieten können.

EXPEDITION HAPPINESS - Unterwegs von Alaska bis Mexiko - 100 min. - Ab 6 J.
Not macht erfinderisch: als die aussichtslose Wohnungssuche in Berlin dem Weltenbummler Felix Starck zu viel wird, beschließt er, gemeinsam mit seiner Freundin Selima Taibi aus dem Alltag auszubrechen. Für 9500 Dollar kaufen sie einen alten amerikanischen Schulbus, der in dreimonatiger Handarbeit zu einem riesigen Campingmobil umgebaut wird, komplett mit Doppelbett, Herd, Dusche und Kühlschrank. Zusammen mit dem Berner Sennenhund Rudi unternimmt das Paar einen abenteuerlichen Trip durch Kanada und die Panamericana entlang, dem 48.000 km langen Highway, der von Alaska im Norden bis hinab in den äußersten Süden führt. Unterwegs lernen die Abenteurer die einheimische Bevölkerung kennen und entdecken unberührte Naturwunder. Ihre Reise ist ein magischer Trip, der durch einige der außergewöhnlichsten Landschaften des amerikanischen Kontinents führt. Jeder Moment der Reise wird eingefangen, es entstehen überwältigende Landschaftsaufnahmen und nahe Momente, in denen Mogli und Felix von den berührenden und ernüchternden, den großen und kleinen, den schönen und weniger schönen Momenten ihrer Reise erzählen. Ihre Erlebnisse halten sie in einem Videoblog fest, das die Basis für die Kinodokumentation „Expedition Happiness“ bildet. Ein dokumentarisches Verfahren, mit dem Felix Starck bereits gute Erfahrung sammeln konnte. Auch als sich der Abenteurer im Jahr 2013 auf den Weg machte, um mit dem Fahrrad die Welt zu umrunden, war die Kamera immer mit dabei. In zwölf Monaten legte er 18.000 Kilometer zurück und bereiste 22 Länder. „Pedal the world“, die Dokumentation zur Reise, entwickelte sich daraufhin zu einem echten Überraschungserfolg. Felix und Selima geben seitdem Tipps rund ums Reisen auf ihrem Youtube-Kanal und im Internet.

MADAME - 90 min. - Ab 6 J.
Mehr Satire als romantische Komödie ist diese toll besetzte Cinderella-Geschichte rund um die Pariser Hausangestellte Maria. Sie wird unverhofft zum Gast einer piekfeinen Dinnerparty, was zahlreiche Verwicklungen nach sich zieht, inklusive Love Story. Rossy de Palma, bekannt aus vielen Almodovar-Filmen, spielt mit viel Herz die Maria. Toni Collette ist als ihre Chefin, die Madame, von exquisiter Gemeinheit. An ihrer Seite spielt Harvey Keitel einen Ehemann in heimlichen Geldnöten. Amanda Sthers (Drehbuch und Regie) hat das alte Motiv aufgepeppt und entkitscht. Das Ergebnis ist eine boshafte Parabel auf eine Gesellschaft, die sich nur nach außen liberal präsentiert. Da funkeln die geschliffenen Dialoge mit den Kristallgläsern um die Wette, die Pointen fliegen wie leckere Dessertbällchen hin und her. Der jungen Regisseurin und Autorin Amanda Sthers, in Frankreich bereits durch ihre Bücher und Theaterstücke außerordentlich bekannt, gelingt es in ihrem zweiten Spielfilm, das Kinopublikum zu amüsieren, zu verblüffen und schließlich sogar ein bisschen vor den Kopf zu stoßen. Aus einer turbulenten Komödie wird ein Drama, ein böses Spiel um Macht und Einfluss. Eine intelligente, pointenreiche Story mit Witz, traumhaften Settings und wunderbaren Bildern aus Paris, dazu ein hübscher Soundtrack mit vorwiegend französischer Popmusik, aber Sthers verlangt mit ihrer Sozialkritik auch einiges von ihrem Publikum. Sie zeigt die Verlogenheit einer Gesellschaft, in der angeblich jede und jeder die gleichen Chancen hat. In Wahrheit siegt das Geld über das Herz und der Standesdünkel über die Liebe. In ihrer messerscharfen Analyse der modernen Welt ähnelt ihr Stil dem von Yasmina Reza („Der Gott des Gemetzels“). Auch sie arbeitet mit Witz und Ironie, wenn sie ihren Mitmenschen den Spiegel vorhält. Und vielleicht ist sie in diesem Film etwas weniger radikal als Yasmina Reza, denn immerhin hat sie hier so etwas wie ein offenes Ende geschaffen, eine Art Do-it-yourself-Schluss, der zumindest einen Funken Hoffnung übrig lässt. Vielleicht ist die Welt doch nicht ganz so schlecht?


WEIT - Die Geschichte von einem Weg um die Welt - 125 min. - Ab 0 J.
Sie wollen ihr Zuhause verlassen, um zu entdecken, was Heimat für andere bedeutet: Das junge Paar Patrick und Gwen aus Freiburg zieht mit dem Rucksack gen Osten und weiter bis um die Welt. Die zwei versuchen dabei auch, sich in Verzicht zu üben. Das Ziel ist es, nicht mehr als fünf Euro am Tag auszugeben, und nicht zu fliegen. Jeder zurückgelegte Meter soll mit allen Sinnen wahrgenommen, Grenzen sollen ausgetestet und neben dem Verzicht soll auch der Genuss gelernt werden. Bei jedem Schritt wollen Patrick und Gwen spontan und neugierig bleiben. Die beiden sind drei Jahre und 110 Tage unterwegs, bewegen sich ausschließlich als Anhalter fort, ob mit Bus, Zug, Schiff. Am Ende kommen fast 100.000 Kilometer durch Europa, Asien sowie Nord- und Zentralamerika zusammen. Sie kehren zu dritt zurück. Im Mittelpunkt der Reise steht immer der unmittelbare Kontakt zu den Menschen, die sie durch das „per Anhalter reisen“ besonders intensiv erleben dürfen. Sie, und wir mit ihnen, sind mittendrin im Alltag der Menschen. Jedes Auto bringt eine neue Geschichte, eine neue Begegnung, die man so nie hätte planen können. Der Film und die beiden Reisenden Patrick und Gwen sind dermaßen sympathisch, dass man sich ungeheuer gerne mit ihnen auf ziemliche Abenteuer einläßt quer durch die Welt, meist trampend, oft im Zelt schlafend, oft auch bei Menschen, die sie unterwegs kennen lernen. Da Patrick zudem von Beruf Kameramann ist, kann man sich über erstaunlich professionelle Bilder freuen, die immer dicht dran sind an der Natur und den Mitmenschen. Viel schöner kann man nicht Lust machen aufs Reisen, auf Welt entdecken, auf Menschen kennen lernen. Ein Film wie eine gelebte Völkerverständigung, und ein Erfolgsprojekt ohnegleichen. Anfänglich gedacht, nur Bilder und Videos für Freunde ins Netz zu stellen, entwickelte sich daraus ein Kinofilm, der mittlerweile über 200.000 Besucher begeistert hat. Dabei sind die 130 Minuten des Kinofilms nur ein Bruchteil des Materials, das insgesamt zur Verfügung stand. Nach fünf Monaten anstrengender Deutschlandtour starten die beiden nun ihre Live-Bühnentour, mit weiteren Geschichten und vielen neuen Anekdoten. „Herzlichen Dank für all das schöne Feedback, das wir täglich persönlich, per mail, über das Gästebuch und Facebook bekommen! Es berührt uns immer wieder zu beobachten, was für eine Reichweite die wunderschönen Begegnungen, die wir auf unserer Reise erleben durften, nun haben. Grüße von Herzen: Patrick und Gwen. (www.weitumdiewelt.de).