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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Montag, 15.10. bis Mittwoch, 24.10.2018:

Welcher Film in  KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM Welcher Film in  KINOTHEK 2 ... Beginn
GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon 20.15
Mo 15.10. BLACKKKLANSMAN von Spike Lee 20.15
GUNDERMANN
20.15 Di 16.10. SAUERKRAUTKOMA 20.15
GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon
Unser Klassiker:  NEU  FLASHDANCE (1983)
17.45
20.30
Mi 17.10. PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN
17.45
20.30
NEU  MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM
20.15 Do 18.10. SAUERKRAUTKOMA 20.15
MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM
20.15 Fr 19.10. SAUERKRAUTKOMA 20.15
GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon
MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM
17.15
20.15
Sa 20.10. DEINE JULIET
BLACKKKLANSMAN von Spike Lee
17.15
20.15
NEU  PETTERSSON & FINDUS FINDUS ZIEHT UM
***John Crankos ROMEO & JULIA Stuttgarter Ballett
15.00
17.30

So 21.10. PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
**WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN
15.00
17.30

MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM 20.15
Mo 22.10. BLACKKKLANSMAN von Spike Lee 20.15
GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon
Unser Klassiker: ***FLASHDANCE (1983)
17.45
20.30
Di 23.10. **DEINE JULIET
*GUNDERMANN
17.45
20.30
Heute keine Vorstellungen.

Mi 24.10. Heute keine Vorstellungen.
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.

Unsere diese Woche neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/kino.de)

MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM - 130 min. - Ab 6 J.
„Dieser Film erzählt die Geschichte eines nie gemachten Films und gibt den Künstlern ihre Stimme: einem jungen, wilden Kollektiv, das mit seiner Kunst die großen gesellschaftlichen Fragen stellt und einen Welterfolg schafft. Alles, was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus seinem gesamten Werk und Leben.“ Ein bisschen Vorwissen vor dem Vorspann kann nicht schaden. Zumal die originelle Idee, ausschließlich Original-Zitate zu verwenden, den Aussagen des Lars Eidinger als Brecht gleich einen ganz besonderen Stellenwert verleiht. Auf die Leinwand gefunden hat es das überaus populäre Stück von Bertolt Brecht und Kurt Weill seit der Premiere vor 90 Jahren hingegen selten. Weshalb das so ist, erklärt dieses Opus, das Realität und Fiktion virtuos verschmelzen lässt. Parallel zur Geschichte vom Kampf des Brecht gegen die Branche („Die Filmindustrie ist zu doof und muss erst bankrott gehen.“) gibt es dessen Visionen einer Verfilmung seiner „Dreigroschenoper“ in Episoden zu erleben. Die bekannten Konstellationen des Bühnenstücks bleiben erhalten: Macheath, der Mackie Messer heiratet heimlich Polly (Hannah Herzsprung), die Tochter seines Gegenspielers Peachum (Joachim Król), dem König der Bettler. Der schwört Rache am Rivalen. Die Protektion durch den Polizeichef Tiger Brown (Christian Redl) wird Mackie nur kurz retten. Denn Peachum bringt seine Armee der Bettler in Stellung und droht, die Krönungsfeierlichkeiten zu stören. Derweil auf der Leinwand jene Szenen eines nie gedrehten Films zu sehen sind, geht in der Parallel-Handlung das reale Leben von Brecht weiter, ein „making of“ sozusagen. Die Aufführung seiner Bühnenstücke wird von SA-Truppen gestört. Die Vereinigung der Kinobetreiber findet den geplanten Film sittenwidrig und wettert. Doch der Kultur-Rebell bleibt trotzig. Er zerrt seine Produktionsfirma vor Gericht, um seine geplante Niederlage als exemplarisches Lehrstück zu inszenieren. Regisseur Joachim Lang weiß sehr genau, wovon er erzählt, immerhin schrieb er seine Doktorarbeit über die „Dreigroschenoper“ und war acht Jahre lang künstlerischer Leiter des Brecht-Festivals. Vielleicht weiß er es ein bisschen zu genau und ist sein Regie-Debüt bisweilen zu akribisch. Etwas weniger verklärter Heiligenschein beim Säulenheiligen Brecht und mehr Macken beim Mackie-Macher hätten dem freien Radikalen gewiss kaum geschadet. Gleichwohl ist das ambitionierte Werk allemal sehenswert und unterhaltsam, und das nicht nur für Deutschlehrer und Brechtologen! Das hochkarätige Ensemble hat sichtlich Spaß an dieser Variante des Klassikers. Der Sound des 80 Musiker starken SWR Symphonieorchesters verleiht den bekannten Liedern einen wuchtigen Klang. Mit Eric Gauthier, dem Publikumsliebling des Stuttgarter Balletts, sorgt ein Tanz-Könner für die grandiose Choreografie.  

PETTERSSON UND FINDUS – FINDUS ZIEHT UM - 82 min. - Ab 0 J.
Zum dritten Mal inszenierte Ali Samadi Ahadi ein Abenteuer mit dem etwas tolpatschigen Erfinder Pettersson und seinem Kater Findus, erneut in einer bunten Mischung aus Real- und Animationsfilm. Dank der vielen visuellen Einfälle stört es nicht, dass die Geschichte nicht mehr als rudimentär ist, man könnte auch sagen kindgerecht: Ein klarer Grundkonflikt, der sich am Ende in Wohlgefallen auflöst und auch noch für ein paar Lebensweisheiten taugt, die nebenbei mit auf den Weg gegeben werden. Viel wichtiger als die Moral ist der Spaß, der zum einen durch die tierischen Nebenfiguren ins Spiel kommt, neben den sprechenden Hühnern ist das der Jagdhund Happo, den der Nachbar Gustavsson vergeblich zu kontrollieren versucht, und zum anderen die animierten Mucklas, die zwar wohl so etwas wie Matschkleckse sein sollen, dank ihrer bräunlichen Farbe und ihres Wohnorts unter dem Toilettenhäuschen allerdings auch andere Assoziationen wecken. Ein lustiger Haufen sind sie jedenfalls, die sich mit merkwürdigen Lauten artikulieren und wilde Musik spielen, die hübsch mit den von Schüttelreimen geprägten Liedern kontrastieren, die immer wieder angestimmt werden. Ein abwechslungsreicher Spaß, der glänzend unterhält und zwar nicht nur die kleinen Besucher.

Aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de/epd-film)

BLACKKKLANSMAN – 136 min. – Ab 12 J.
Ein Schwarzer als Mitglied des ultrarassistischen Ku-Klux-Klans? Kaum zu glauben, aber dies hat sich in den 70er Jahren tatsächlich zugetragen. Wie so was ¬funktioniert, zeigt Spike Lees pulsierende, in Cannes mit dem Großen Preis der Jury prämiierte Komödie. Die erzählt das wahre Märchen eines dunkelhäutigen Polizisten in Colorado Springs, der es tatsächlich schaffte, den Ku-Klux-Klan zu infiltrieren. Der Film basiert lose auf den Erinnerungen von Ron Stallworth, der 1978 sieben Monate lang undercover gegen die Organisation ermittelte. Spike Lee wirbelt die Formen und Tonlagen nur so durcheinander, aber anders als bei einigen seiner weniger geglückten Kapriolen fügen sich die Elemente hier zu einer weitgehend schlüssigen Einheit. Komik und Seriosität, Satire und Hommage, Nüchternheit und Groteske sind samt und sonders Teil einer erzählerischen Position, die bei aller Verzweiflung das Lachen nicht verlernt hat und bei aller boulevardesken Zuspitzung den ernsten Hintergrund nie aus den Augen verliert. Ein Spike-Lee-Joint als pralle Wundertüte. Die Story entwickelt sich dabei, nach dem Auftakt mit einer bunten Montage von Szenen unter anderem aus »Vom Winde verweht« und »Birth of a Nation«, ziemlich geradlinig. Sie muss eigentlich bloß ihrer eigenen wahnwitzigen Idee folgen, dass ein nassforscher, afroamerikanischer Rookie nur genug Chuzpe benötigt, um bis ins Innere einer schwarzenfeindlichen Geheimorganisation vorzudringen. Unterwegs stellt der Film zwangsläufig immer wieder die Frage nach Identität und ihrer Fabrikation. Nie habe der jüdisch-stämmige Cop über seine Religion nachgedacht, heißt es einmal, aber jetzt, wo er die Rolle eines schwarzen Polizisten übernommen habe, der die Rolle eines weißen Rassisten spielt, könne er an nichts anderes mehr denken. Manchmal mischt Lee solche interessanten Grautöne unter seine lustvolle Schwarz-Weiß-Malerei. Mit seiner aber auch polemischen Art, mit seinem aus der Wut gespeisten Herangehensweise, die stets behauptet, die Moral auf seiner Seite zu haben, zeigt Spike Lee einmal mehr, dass er zwar große stilistische Kraft besitzt, wuchtige, emotionale Filme dreht, deren politische Haltung allerdings oft allzu schlicht erscheint. Die Kunst besteht bei ihm darin, einerseits die Farce auf die Spitze zu treiben, andererseits aber auch zu zeigen, wie ernst, wie unerträglich, wie omnipräsent das Thema leider weiterhin ist.

John Crankos ROMEO & JULIA, Stuttgarter Ballett – 132 min. – Ab 0 J. – Plus 15 Minuten Pause.
Vor fast 50 Jahren sorgte Choreograph John Cranko mit seinem einzigartigen Handlungsballett „Romeo und Julia“ für das „Stuttgarter Ballettwunder“ (New York Times). Mit seiner Version von Shakespeares weltberühmter Liebesgeschichte gelang seiner Truppe der Durchbruch zum Weltruhm. In nur wenigen Jahren machte er das Stuttgarter Ballett zu einem Ensemble, das in einem Atemzug mit den Compagnien von Paris, London, New York, Moskau und Sankt Petersburg genannt wird. Crankos legendäre Choreographie zur mitreißenden Musik von Sergej Prokofjew besticht durch ihre nuancierte Erzählweise, durch authentische Charaktere, atemberaubende Pas de deux und große Gefühle. 2018 ist dieser Meilenstein der Ballettgeschichte erstmals im Kino zu sehen! Solisten der jungen Generation tanzen für diese Aufzeichnung in 4K UHD Seite an Seite mit Stars der Uraufführung in der prachtvollen Ausstattung von Jürgen Rose. Gemeinsam mit langjährigen Kollegen wie Egon Madsen und Reid Anderson feiert Marcia Haydée, Crankos allererste Julia und eine der größten Ballerinen unserer Zeit, als resolute Amme ihren 80. Geburtstag auf der Bühne. Filmlänge 132 Minuten (dazu eine Pause von ca. 15 Minuten).

FLASHDANCE (1983) – 95 min. – Ab 12 J.
„Flashdance“ mauserte sich mit 95 Millionen Dollar Einspiel in Nordamerika und fast vier Millionen Zuschauern in Deutschland zum internationalen Überraschungshit. Er ist zugleich das erste Kapitel in der Erfolgsgeschichte des berühmt-berüchtigten Produzentenduos Jerry Bruckheimer und Don Simpson, das weitere Kassenschlager wie Beverly Hills Cop und Top Gun folgen ließ. Für den ebenso erfolgreichen Soundtrack ist der Südtiroler Synthesizer-Pionier Giorgio Moroder verantwortlich. Der Komponist gewann für „What a feeling“, dessen Intro bis heute für Gänsehaut sorgt, den zweiten seiner drei Oscars. Zu ultracoolen Songs wie „Maniac“ und „Manhunt“ schwingt allerdings nicht Jennifer Beals die muskulösen Schenkel durchs Bild. Die Schauspielerin wurde größtenteils von Marine Jahan gedoubelt. Bei der Tanzszene am Ende sprangen zusätzlich ein männlicher Breakdancer und eine professionelle Turnerin ein. Die Häppchendramaturgie und das effektvolle Spiel mit Schatten und Licht erwiesen sich dessen ungeachtet als ideal für das noch junge Musikfernsehen und so landeten viele Filmausschnitte als Clips bei MTV in der Heavy Rotation, was einen nicht unwesentlichen Teil zur Popularität von „Flashdance“ beitrug. Mit schicker Optik, mitreißenden Songs und einem Hauch von Story vereint „Flashdance“ die klassischen Tugenden von Musikvideos. Für einen Spielfilm sind Handlung und Charaktere dann doch recht flach. Mit seiner Clip-Ästhetik, die auf MTV noch über Jahre eine Heimstatt haben sollte, atmet Adrian Lynes Tanzspektakel auf der feinen Linie zwischen Trash und Kult den Geist der Achtziger.

GUNDERMANN – 126 min. – Ab 12 J.
Kann ein Verräter, selbst wenn er das Herz auf dem richtigen Fleck hat, wirklich die Welt verbessern? Wie kann man überzeugter Kommunist sein und im Sozialismus trotzdem systemkritische Lieder singen? Was macht das mit einem, der sich 1976 als IM für die Stasi anwerben ließ, wenn er erfährt, dass er selbst jahrelang bespitzelt worden ist? Warum fährt einer überhaupt jeden verdammten Arbeitstag in den stickig-braunen Tagebau zwischen Dresden und Cottbus zurück, obwohl er doch bereits im Vorprogramm von Bob Dylan oder Joan Baez aufgetreten ist und von seiner musikalischen Begabung seit den frühen 1990ern längst schon leben könnte? - Gerhard „Gundi“ Gundermann (Alexander Scheer) ahnt nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst, der sich bis zu seinem frühen Tod mit nur 43 Jahren nie verzeihen wird, was er getan hat. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt. - Bei Andreas Dresen ist man immer „mittendrin statt nur dabei“. Wir erleben hautnah und ungekünstelt, was es bedeutet, seine Vergangenheit zu verdrängen und was passiert, wenn sie uns über Umwege doch heimsucht. In „Gundermann“ befasst sich Dresen mit der bislang wenig bekannten Geschichte des Weimarer Liedermachers Gerhard Gundermann, der lange Zeit als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier galt, nicht zuletzt, weil er selbst dort arbeitete. Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen zeichnet das kontrastreiche Bild einer Person, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert. Die ausführlichen Gesangseinlagen Gundermanns entfalten die Wirkung eines erzählerischen Leitfadens; mal lässt sich der Bezug zwischen Text und Ereignis direkt feststellen, ein anderes Mal wiederum dauert es etwas, bis man erkennt, woher Gundermann die Fantasie für das nahm, was er auf der Bühne von sich gab. „Gundermann“ springt zwischen zwei Zeitebenen: Da ist das Hier und Jetzt Mitte der Achtzigerjahre, als er sich erstmals mit seiner Stasi-Vergangenheit auseinandersetzen muss. Zum anderen geben kurze Rückblenden Einblicke in die Zeit, als Gundi dem Ministerium für Staatssicherheit angehörte. Viel ausgefeilter und intensiver gerät aber die Aufarbeitung. Schließlich folgt auf die eigene Erkenntnis die Frage danach, wie man sein Umfeld über seine Vergangenheit informiert; und ob es das überhaupt braucht. Alexander Scheer ist als Gerhard Gundermann kaum wiederzuerkennen, agiert allerdings überragend. Sein Hin- und Hergerissen sein zwischen Unsicherheit und Bekenntnis wirkt nie widersprüchlich und lässt den Zuschauer glaubhaft an dem inneren Zwiespalt seiner Figur teilhaben.

WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN – 107 min. – Ab 12 J.
Ein Mädchen zwischen moderner Gesellschaft und patriarchaler Familientradition: Die norwegisch-pakistanische Regisseurin Iram Haq greift in ihrem Spielfilm auf eigene Erfahrungen zurück und ringt dem Thema eine sehr differenzierte Darstellung ab. Nisha (Maria Mozhdah) lebt bestens integriert in einer norwegischen Stadt, aber gleichzeitig in der pakistanischen Kultur ihrer Familie: ein Mädchen zwischen zwei Welten. Den Lauf zu sich selbst hat sie bereits hinter sich. Nisha fühlt sich wie ein ganz normaler norwegischer Teenager, fette Kartoffelchips und gelegentliches Kiffen inklusive. Sexuelle Erfahrungen will sie nicht erst nach der Heirat sammeln. Der Konflikt ist programmiert. Haq erzählt die Geschichte einer Eskalation. Nisha, die nach den Vorstellungen ihrer Familie ein pakistanisches Kind sein soll, das sich von den »westlichen Idioten« unterscheidet, verliert ihre Freiheit und Selbstbestimmung. Bruder und Vater bringen sie gegen ihren Willen nach Pakistan, wo sie bei Verwandten auf den rechten Weg geführt werden soll. Nisha wird aus der Wohlfühlzone ihrer Existenz gerissen, das Trauma der Entführung generiert zuerst Wut, später erscheint sie wie gelähmt. Die Zähmung der Widerspenstigen, die sich zwar in Pakis¬tan allmählich auf die fremde Umgebung einlässt, aber die vollkommene Integration verweigert, scheitert am Freiheitsgeist des Mädchens. Kleine Fluchten aus dem Alltag, zum Beispiel die körperliche Nähe zu Amir (Rohit Saraf), wechseln mit depressiven Schüben. Sie ist hin und her gerissen zwischen Rebellion und Resignation; der Konflikt, der sie von ihrer Familie entfremdet, droht sie zu zerreißen. Mozhdah bewältigt die darstellerische Tour de Force scheinbar mühelos, als hätte sie nie etwas anderes getan als zu schauspielern. Haq legt einen Finger tief in die Wunde des archaischen Weltbilds und rüttelt ihr Publikum wach. Dabei baut sie weniger auf laute Ausbrüche, sondern erzählt in fast schon bedrohlicher Ruhe von der tragischen Reise Nishas. Die Richtung des Films ist von vornherein klar, und doch erzählt Haq ihre Geschichte so packend und konsequent, dass es einem ein ums andere Mal den Atem verschlägt. Eine kühne filmische Abrechnung mit überholten Traditionen und zugleich ein starkes Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung.

SAUERKRAUTKOMA – 97 min. – Ab 12 J.
Eine Mordsgaudi mit schrägem Witz, einem Hauch Anarchie und subversiven Charme garantiert auch der fünfte bayerische Heimatkrimi nach der Vorlage von Bestsellerautorin Rita Falk. Maibaumschändung, Sauerkrautüberdosis, verpatzte Heiratsanträge, für Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer schwerste Heraus-forderungen. Dem stets lässig, grantelnden  Dorfsheriff  kommt eine Zwangs-Beförderung ins ungeliebte München in die Quere. Für ihn der Overkill. Dass im alten Opel Admiral seines Hippie-Vaters eine Leiche im Kofferraum auftaucht, ist da fast schon ein Segen. Weniger glücklich macht ihn Lisa Potthof als seine langjährige On-Off-Freundin Susi. Die wünscht sich nun definitiv einen Heiratsantrag und Nachwuchs. Die derzeit erfolgreichste Bayernfilmreihe enttäuscht erneut keine Sekunde. Der gebürtige Garmischer Sebastian Bezzel, als stets etwas launischer Anti-Held,  ist dabei zwar nach wie vor der unbestrittene Sympathieträger des herrlichen Kultfilms. Aber seine Susi holt rasant auf. Und natürlich wär alles nix ohne die Oma, den Birkenberger und überhaupt die ganze restliche, wunderbare Bagage. Und wie schwärmt das bayerische Urgestein und Rebell Hans Söllner von seinem Gspusi „Edeltraut, Edeltraut, du hast a sauguats Gras obaut“. Über so eine Schwiegertochter würd sich natürlich auch Eberhofers Hippievater freuen. Erneut begeistert das brillante österreichisch-bayerische Dreamteam mit unwiderstehlich, derber Herzlichkeit.

GRÜNER WIRD´S NICHT, SAGTE DER GÄRTNER UND FLOG DAVON – 116 min. – Ab 6 J.
Zu Gärtner Georgs Geldsorgen gesellen sich familiäre Probleme. Die Ehefrau verhält sich sonderbar. Die Tochter möchte lieber Kunst studieren, als den Betrieb zu übernehmen. Noch immer mimt Schorsch (Elmar Wepper) verzweifelt den Patriarchen. Wenn es Probleme gibt, flieht er gern in seinen roten Doppeldecker und fliegt den irdischen Sorgen davon. Als ein Gerichtsvollzieher den geliebten Flieger beschlagnahmen möchte, setzt sich Schorsch spontan in seinen Kiebitz und startet den Propeller. Der tollkühne Mann in seiner fliegenden Kiste wird alsbald von einem grellen Warnton auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Der Tank ist leer, mit einer sauberen Notladung rettet sich der Pilot auf einen Acker. Bei dessen Besitzer, einem seelenverwandten Landwirt, findet Schorsch Verpflegung, Verständnis sowie Benzin, schließlich will er mit seinem Kiebitz noch bis zum Nordkap fliegen! Oscar-Besitzer Florian Gallenberger kann sich bei seinem fliegenden Roadmovie quer durch die Republik  nach dem gleichnamigen Roman des Kabarettisten und Schauspielers Jockel Tschiersch auf ein exzellentes Ensemble verlassen. Allen voran Elmar Wepper, der in dieser luftigen Tragikomödie mit leinwandpräsenter Lässigkeit vom mürrischen Saulus zum empathiefreudigen Paulus mutiert. Einmal mehr präsentiert sich der einst als Serien-Mime unterforderte, von Doris Dörrie für die Leinwand schließlich wachgeküsste Schauspieler in der (Kirsch)Blüte seiner Karriere. Eine liebevolle Komödie über unerfüllte Träume, mutige Entscheidungen und die Kraft des Herzens, grosse Hürden zu überwinden. In weiteren Rollen: Emma Bading, Monika Baumgartner, Dagmar Manzel, Ulrich Tukur.

EIN DORF ZIEHT BLANK – 110 min. – Ab 6 J.
Georges Balbuzard (François Cluzet), Bürgermeister einer winzigen Gemeinde in der Normandie und nebenher Landwirt, beschwört die „rissigen, erdigen Hände der Bauern“ und meint: „Jahrhundertelang ernährten wir das Land und jetzt verhungern wir!“ Mit derlei Ansprachen will er den Kampfgeist der ansässigen Bauern wecken und den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft anstacheln. Schließlich darben die örtlichen Bauern allesamt am maroden Zustand der Landwirtschaft und leben mit Schulden bei der Bank und drohenden Landenteignungen im Nacken von der Hand in den Mund. Die ziemlich letzte Chance sieht der politische Landwirt in einem Deal mit dem New Yorker Starfotografen Newman (Toby Jones), der für Massenaktfotos bekannt ist, bei denen er hunderte nackte Menschen in bestimmten Kulissen inszeniert. Der Fotokünstler schlägt zufällig in der Gemeinde auf, wo er sein neuestes Foto mit den ansässigen Dörfler/innen schießen will. Da seine Werke um die Welt gehen, wäre das eine Möglichkeit, auf die Lage der örtlichen Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Doch von dieser anrüchigen Angelegenheit, schliesslich sollen sich die Dörfler die Hüllen fallen lassen, muss Balbuzard die Leute erstmal überzeugen. Dass der Film nie langweilt, liegt allein schon an den zahlreichen, gut geschriebenen Dialogen, die das Ensemble lebendig rüberbringt. Bis in die Nebenfiguren hinein bleibt es glaubwürdig, menschlich, sozusagen gehaltvoll. In erster Linie liefert die sozial engagierte Komödie Unterhaltung mit einem gesellschaftlichen Anliegen. Die Figurenskala reicht von „verbittert“ über „erzkonservativ“ und „eifersüchtig“ bis hin zu „hoffnungsvoll“, „pragmatisch“ oder „tatkräftig“. Bestes, altmodisches französisches Genrekino, eine leichte und herzerwärmende französische Feelgood-Komödie, die im Kern auch gesellschaftliche Themen anspricht und diese augenzwinkernd in die Geschichte einwebt.

303 – 145 min. – Ab 12 J.
Zur Cannes-Premiere von „Die fetten Jahre sind vorbei“ trotzte Hans Weingartner einst dem Glamour und fuhr mit seinem klapprigen Campingbus am Roten Teppich vor. Ein altes Wohnmobil vom titelgebenden Typ 303 spielt nun die Hauptrolle in diesem Lovestory-Road-Movie. Die junge Studentin Jule will nach Portugal zu ihrem Freund fahren. Unterwegs nimmt sie den Tramper Jan auf. Die beiden philosophieren, streiten, flirten während der gesamten Reise. Wie gut Plappern auf der Leinwand klappen kann, hat Richard Linklater mit seiner „Before Sunrise“-Trilogie bestens bewiesen. Wie dort Julie Delpy und Ethan Hawke, überzeugen hier Mala Emde und Anton Spieker als quirlig sympathisches Duo der wahrhaftigen Art mit reichlich Wiedererkennungspotenzial. Beim Quatschen über Gott und die Welt und die letzten Fragen der Menschheit bleibt natürlich noch genügend Zeit zum Suchen und Finden der Liebe. So verlässlich der alte Daimler, Baujahr 1980, mit gemächlichem Tempo gen Süden zuckelt, so pannenfrei entwickelt sich der Charme dieses vergnüglich nachdenklichen Roadmovies. Slow-Dating auf 2.500 Kilometer quer durch Europa. Ein Zwei-Personenstück im Wohnmobil. Regisseur Weingartner sagt über seine Lovestory „Es ist sozusagen der ‚Anti-Tinder’ Film. Statt 3 Sekunden Wisch-und-Weg, die langsame Annäherung zweier Seelen. Zwei Menschen beim sich langsam ineinander Verlieben zuschauen. So wie es früher einmal war.“ Das trifft durchaus den Nerv der Zuschauer. Die erste Fahrprüfung vor Publikum hat „303“ auf der Berlinale jedenfalls bestens bestanden. 14 Jahre nach Cannes gelingt Weingartner wieder ein kapitalismus-kritischer Coup mit Kultfilm-Qualitäten. 

CANDELARIA – EIN KUBANISCHER SOMMER – 88 min. – Ab 6 J.
Es war einmal ein armes, alterndes Ehepaar in Kuba, dessen Liebe und Leidenschaft im Laufe der Zeit ziemlich eingerostet war: Die 75-jährige Candelaria und ihr 76-jähriger Ehemann Victor Hugo kennen das karge Leben auf Kuba. Noch immer müssen beide arbeiten, er in einer Zigarrenfabrik, sie als Waschfrau im Hotel. Im herben Alltag ist den beiden die Liebe längst abhandengekommen. Der schicksalhafte Fund einer Videokamera bringt plötzlich völlig neuen Schwung in das Leben des Duos. Mit ausgesprochen unaufgeregtem Tempo, fast minimalistisch und meditativ, zelebrieren zwei charismatisch sympathische Senioren, wie charmant das Medium Film für den dritten Frühling sorgen kann. Nicht umsonst hört hier der Held von Havanna auf den hübschen Namen Victor Hugo! Gemeinsam entwickelt man die neu entdeckte Leidenschaft für den Film, und füreinander. Bald turtelt das betagte Paar wie Frischverliebte. Selbst ein Kuss steht nach Ewigkeiten wieder auf dem Programm. Eifersucht flammt wieder auf! Während sie sich, mit gewissem Risiko, ein schönes rotes Kleid ausleiht, geht er in das berüchtigte Kaufhaus für Schwarzhändler, um eine Uhr zu verhökern und damit ein üppiges Menu zu organisieren, für die chronisch hungernden Senioren ein wahres Freudenfest. Viel erfährt der Zuschauer über das Land und über die Menschen. Natürlich sind da auch viele kubanische Rhythmen, da ist der morbide Charme Havannas, aber auch das raue Meer, die staubigen Straßen, die große Armut. Und doch verfällt der Regisseur nicht in Klischees, sondern erzählt eine Liebes- und Lebensgeschichte mit Traurigkeit und Freude zugleich, mal ganz leise, mal lauter und immer mit einer respektvollen Liebenswürdigkeit für seine Figuren. Mit seinem bezaubernden Film über ein altes kubanisches Paar schafft der kolumbianische Regisseur Jhonny Hendrix Hinestroza ein kleines Juwel, das die Liebe und das Leben feiert. Kubanisch für Fortgeschrittene!

MAMMA MIA! HERE WE GO AGAIN – 114 min. – Ab 0 J.
Sophie (Amanda Seyfried) ist emotional aufgewühlt: Die Wiedereröffnung des einst von ihrer Mutter geführten Hotels auf einer griechischen Trauminsel besteht bevor, doch einige der wichtigsten Menschen in ihrem Leben können verschiedenen Gründen nicht bei ihr sein. Sie fühlt sich in die Schuhe ihrer Mutter Donna (in Rückblenden: Lily James) versetzt, die in den 70er-Jahren allein nach Griechenland reiste und dort ein völlig neues Leben begonnen hat, was nicht immer so einfach war. - "Mamma Mia!" spielte weltweit über 615 Millionen Dollar ein. Das sonnig-fröhliche Musical erkämpfte sich im Herzen vieler ABBA-, Popmusik- und Filmfans einen festen Platz als wundervolle, leichtfüßige Ladung Spaß. Ohne den leisesten Hauch des Zynismus im filmischen Leib entführte die Produktion auf eine paradiesische, griechische Insel und versprühte mit seinem bestens gelaunten Ensemble und den eingängigen Melodien beliebter ABBA-Lieder Frohsinn, mit kleineren emotionaleren Momenten, die behutsam in die Handlung gestreut wurden. Während im ersten Teil die Gute-Laune-Wirkung des Films dank der geradlinig fließenden, unvermittelten Erzählweise eine sukzessiv steigende Sogkraft entwickelte, ist "Mamma Mia 2" doch zu konstruiert. Der regelrechte Sturm an Sommer-Sonne-ABBA-Spaßigkeit aus dem Erstling will sich so einfach nicht wiederholen. Doch selbst wenn die argen Drehbuchkonstruktionen die Partywellen ausbremsen: Das "Mamma Mia!"-Feeling stellt sich eben doch wieder ein, und sei es halt stockend und etwas gehemmter. Die zweite filmische ABBA-Coverparty muss nicht an die erste heranreichen, um amüsant zu sein. Regie-Nachfolger Ol Parker kann zwar wieder auf den romantischen Zauber der Ägais, die Hits der erneut mitproduzierenden Abba-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus und das wohlbekannte All-Star-Ensemble setzen, doch deren Fixstern, die Hotelbesitzerin Donna (Meryl Streep) ist tragischerweise verstorben und kehrt nur für eine Alibi-Abschiedsrunde als „Erinnerung“ wieder. Die Trauer um sie verleiht der Feelgood-Komödie einen Stich Melancholie, der das Schauspieler und Publikum verbindende Gefühl, unerbittlich verrinnender Lebenszeit noch verstärkt. So einnehmend wurde der Kreislauf des Lebens selten bebildert, geschweige denn besungen und betanzt. Parker hat die Ausgelassenheit des Originals in sein Sequel hineingetragen und mit einer Prise Weltschmerz versetzt, sodass sein Film der Beschaffenheit eines typischen ABBA-Songs noch ein Stückchen näher kommt. Nach Kritik an ihren Gesangseinlagen in Mamma Mia! treten Brosnan, Firth und Skarsgård dieses Mal kürzer, doch niemand Geringeres als Cher steht schon bereit, um für den angemessenen Glanz zu sorgen. Dem Ruf von ABBA erliegen sie alle.

PAPST FRANZISKUS – Ein Mann seines Wortes – 96 min. – Ab 6 J.
Als cineastischer Biograf bekam Wim Wenders bereits drei Oscar-Nominierungen. Nach den Musikern vom „Buena Vista Social Club“, Tanz-Ikone „Pina“ Bausch sowie dem Fotografen Sebastião Salgado in „Salz der Erde“ folgt nun ein Porträt über Papst Franziskus. Es ist eine persönliche Reise mit dem Papst und nicht so sehr ein Film über ihn. Im Zentrum dieses Porträts stehen seine Gedanken, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Films lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und, im wahrsten Sinne, der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, präsentiert werden dessen politisch durchaus radikale Ansichten in Sachen Ökologie, sozialer Gerechtigkeit oder Konsumgesellschaft. Rigoros beklagt der Pontifex zudem die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in seiner Kirche. Er fordert die Stärkung von Frauen und die Akzeptanz von Schwulen. Neben den Bildern der Papst-Reisen rund um die Welt überrascht Wim Wenders vor allem mit einzigartig intimen Innenansichten, mehrfach erhielt er Interview-Audienz im Vatikan. „Es ist auch für Kritiker der Kirche völlig ungefährlich, sich diesen Film anzusehen“, verspricht Wenders. Den Raubbau der Erde schnellstens verhindern! Der Profitgier der Konsumgesellschaft begegnen! Die eklatante Ungerechtigkeit zwischen Armut und Reichtum beenden! Hunger bekämpfen! Waffenexporte verbieten! Toleranz der Religionen! Akzeptanz von Minderheiten! Was wie Wunschzettel auf einem Öko-Workshop beim Kirchentag klingt, meint das Oberhaupt der Katholiken absolut ernst. „Wir sind alle verantwortlich! Niemand kann sagen, ich habe damit nichts zu tun!“, kommentiert Franziskus rigoros die Lage. Er schaut dabei dem Publikum direkt in die Augen. Wie schon in „Salz der Erde“ sorgt die besondere Kameratechnik namens Interrotron für diesen Spezialeffekt: Der Befragte blickt auf eine Art umfunktionierten Teleprompter, auf dem er das Gesicht des Interviewers sieht, als ob dieser vor ihm säße. Gleichwohl sieht er durch ihn hindurch direkt in die Kamera.

DEINE JULIET – 124 min. – Ab 12 J.
Die Filmadaption beruht auf dem gleichnamigen Briefroman von Mary Ann Shaffer, welcher 2008, wenige Monate nach dem Tod der Autorin, veröffentlicht wurde. Regisseur Mike Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) schildert in seiner Mischung aus Liebesfilm und Kriegsdrama stilsicher das Schicksal einer jungen, erfolgreichen Autorin, deren Leben durch den Brief eines Fremden gehörig durcheinandergewirbelt wird. „Deine Juliet“ ist dabei nicht bloß ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft des geschriebenen Wortes, sondern auch eine Erzählung über die Folgen des Zweiten Weltkriegs. Newell bringt diese beiden Elemente überzeugend unter einen Hut, seine hochkarätige Besetzung übernimmt den Rest. Stilsicher und ohne Effekthascherei inszeniert Newell sowohl niederschmetternde Momente wie jenen, in dem eine Mutter vom Verlust ihrer Tochter erfährt, als auch amüsante Frauengespräche zwischen Juliet und ihrer Freundin Isola, die absolut alles über Juliets Männergeschichten wissen will. Auch das zurückhaltende Kennenlernen zwischen der Autorin und dem alleinerziehenden Dawsey gerät zunächst angenehm unaufgeregt und besteht lediglich aus verspielten Blicken und kurzen Berührungen. Doch es stehen die Figuren und ihre mitunter sehr traurigen Schicksale im Mittelpunkt. Wie der Zweite Weltkrieg die Inselbewohner hat zusammenrücken lassen, das ist das Herzstück der Erzählung auf der einen Ebene, die andere Ebene zeigt das Gemeinschaftsstiftende des geschriebenen Wortes: Literatur kann Menschen zusammenbringen, sie kann Begeisterung schaffen. Und manchmal kann sie sogar Leben retten! Eine geschmackvolle Verfilmung eines vielschichtigen Romans.