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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Montag, 11.2. bis Mittwoch, 20.2.19.

KINOTHEK 1 ...      Beginn Datum KINOTHEK 2 ...      Beginn
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
20.15 Mo 11.2. DER TRAFIKANT 20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
BOHEMIAN RHAPSODY
17.45
20.15
Di 12.2. JULIET, NAKED
***SO VIEL ZEIT
17.45
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
25 km/h
17.45
20.15
Mi 13.2. ***JULIET, NAKED
WIDOWS - TÖDLICHE WITWEN
17.45
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
17.15
20.15
Do 14.2. 100 DINGE
DAS KRUMME HAUS
17.15
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
17.15
20.15
Fr 15.2. ASTRID
NEU  DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS
17.15
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
BOHEMIAN RHAPSODY
14.30
17.15
20.15
Sa 16.2. DER TRAFIKANT
DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS
DER VORNAME
14.30
17.15
20.15
NEU  COLD WAR - DER BREITENGRAD DER LIEBE
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT

DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
25 km/h
12.15
14.30
17.15
20.15
So 17.2. MANTRA - SOUNDS INTO SILENCE  OmU
ASTRID
*DAS KRUMME HAUS
***WIDOWS - TÖDLICHE WITWEN
12.15
14.30
17.15
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
20.15 Mo 18.2. DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS 20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
COLD WAR - DER BREITENGRAD DER LIEBE
18.00
20.15
Di 19.2. MANTRA - SOUNDS INTO SILENCE  OmU
**DER TRAFIKANT
18.00
20.15
COLD WAR - DER BREITENGRAD DER LIEBE
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
BOHEMIAN RHAPSODY
16.00
18.00
20.15
Mi 20.2. DER VORNAME
**MANTRA - SOUNDS INTO SILENCE  OmU
**100 DINGE
16.00
18.00
20.15
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS – 100 min. - Ab 6 J.
Was für ein schönes Paar in diesem schönen Haus in Connecticut! Was für eine wunderbare Gemeinsamkeit! Zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich wird dieses Bild nach und nach entzaubert. Die Geschichte einer leidgeprüften Frau eines erfolgreichen Autors, die sehr viel mehr draufhat, als alle in ihr zu sehen gewillt sind. Eine Frau bleibt im Schatten, damit ihr Mann Erfolg hat: Was wie ein sich leise zuspitzendes Drama beginnt, entfaltet sich zu einem lauten Aufschrei über das gesellschaftliche Missverhältnis zwischen Frau und Mann. Der unspektakulär inszenierte, dafür aber spannend erzählte Film handelt von einer tiefgreifenden Lebenslüge, die stückweise an die Oberfläche dringt. 2004 wurde Björn Runges Drama „Morgengrauen“ mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet. Nun legt der schwedische Filmemacher dieses Charakterdrama nach dem gleichnamigen Roman der US-Autorin Meg Wolitzer vor. Für Glenn Close könnte nach sechs Nominierungen der erste Oscar winken. „The Wife“ ist ziemlich exakt das, was man als Schauspielerfilm bezeichnet. Ein Film also, dessen Qualität im (Zusammen-)Spiel des Ensembles liegt und der eher innere als äußere Konflikte thematisiert. Ein mitreißend gespieltes Ehe-Komplott, mit all seinen Abgründen, Kränkungen und Zärtlichkeiten, die Glenn Close und Jonathan Pryce bewunderungswürdig, witzig und unendlich traurig ausspielen. Die große Leistung dieses feinsinnig gespielten und inszenierten Emanzipationsdramas einer lebenslangen Unterwerfung und Ausbeutung besteht darin, zu zeigen, wie tief sich ein Paar in einer Lüge eingesponnen hat, eine Lüge, die einen Nobelpreisträger hervorbrachte und eine Schriftstellerin verschwinden ließ.

COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE – 88 min. – Ab 12 J.
Eine zauberhafte Liebesgeschichte in Zeiten des versteinerten Stalinismus. Brillant inszeniert. Perfekt gespielt. Der Stoff, aus dem Klassiker gemacht sind. Und Publikumslieblinge. Und Oscar-Kandidaten sowieso. Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Dem Kulturleben seines Landes möchte er so frisches Leben einhauchen. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula, gleich im ersten Augenblick elektrisiert sie Wiktor. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander … . Zwischen Heimat und Exil, zwischen Leidenschaft und Verlust sind Frankreich, Jugoslawien und Polen die Schauplätze der fatalen Liebe eines Paares, das vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs ohne einander nicht leben kann und miteinander fast keinen Frieden findet. In seinem einzigartigen Meisterwerk erzählt der Oscarpreisträger Paweł Pawlikowski (IDA) von der schier unbändigen, zutiefst menschlichen Kraft der Liebe. In so magischen wie sinnlichen Bildern überzeugt der Film mit einer überragend starken Liebesgeschichte, die in ihrer Unerbittlichkeit und brillanten Intensität unendlich lange nachwirkt. Pawlikowski ist ein unendlich sinnlicher Film gelungen: Mit kristallklaren Schwarzweißbildern im 4:3-Format und betörenden musikalischen Einlagen zeichnet das Werk ein präzises und ungeheuer prägnantes Bild einer Liebe vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit. Die Szenen und Dialoge sind dabei so kunstvoll verknappt und verdichtet, die Montage so straff und pointiert gesetzt, dass man beinahe atemlos und zutiefst ergriffen diesem Paar dabei zuschaut, wie es dem Abgrund entgegentreibt. Wer nun freilich glaubt, eine Liebe wie diese, so leidenschaftlich und so (selbst)zerstörerisch, könne es gar nicht wirklich geben, wird am Schluss eines Besseren belehrt. Pawlikowski hat diesen Film seinen beiden Eltern gewidmet: Die Hauptpersonen in seiner herzergreifend düsteren Romanze tragen deren Namen und wie man aus dem Presseheft zum Film erfährt, verband die Eltern des Regisseurs, die 1989 kurz vor dem Fall der Berliner Mauer und damit dem Ende des Kalten Krieges verstarben, eine wohl ganz ähnliche Art der Beziehung. Insofern hat Pawlikowski nicht nur dem Publikum, sondern auch seinen Eltern ein wundervolles Geschenk gemacht, ein Denkmal für die Lieben, die den Wechselfällen der Nachkriegszeit unterworfen waren. Und eine Erinnerung daran, dass die Liebe eben auch immer wieder ein Schlachtfeld ist, im Großen wie im Kleinen.


Aktuell im Programm: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT – 100 min. - Ab 6 J.
Caroline Links Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Erfolgsromans von Hape Kerkeling über seine Kindheit im Ruhrpott, das Aufwachsen in einer fröhlichen Großfamilie und den frühen Verlust der geliebten Mutter. Mit der Verpflichtung von Julius Weckauf gelang der Regisseurin der Besetzungscoup des Jahres. Unter mehr als 5000 Bewerbern setzte sich der Junge aus einem Dorf in NRW beim Casting durch, nachdem er von Kunden im Laden seiner Eltern auf die Suche nach einem jungen Hape Kerkeling aufmerksam gemacht worden war. - Der pummelige 9-jährige Hans-Peter ist Teil einer großen, feierwütigen Familie aus dem Ruhrpott, in der jeder seine kleinen Macken hat. Nach den ersten behüteten Jahren im Haus von Oma und Opa auf dem Dorf zieht er mit seinen Eltern in eine Stadtwohnung, im gleichen Haus wohnt das andere Großelternpaar. Etliche Tanten und Onkel sind ebenso stets gern gesehene Gäste. Sein Talent, andere zum Lachen zu bringen, trainiert er im Krämerladen seiner Oma Änne, wo er Kundinnen perfekt nachmacht. Den ersten Knick bekommt die heile Welt nach dem Tod der Großmutter. Später erkrankt seine Mutter schwer und verfällt in Depressionen, an denen selbst Hans-Peters komödiantische Fähigkeiten abprallen. Nach ihrem Freitod ziehen die Großeltern vom Land in die Stadt und kümmern sich um den Jungen, der so gerne die Stars des deutschen Fernsehens imitiert. Und alle ahnen schon damals und akzeptieren unausgesprochen, dass Kerkeling homosexuell ist. Die Fröhlichkeit Kerkelings ist aus tiefem Schmerz geboren, dies bringt der unterhaltende Film dem Zuschauer sehr nah. Link blickt mit großer Liebenswürdigkeit und Ehrlichkeit auf diese kleinbürgerliche Welt, sie hält traumwandlerisch sicher die Balance aus Tragikomik und Ernsthaftigkeit. Sie beweist das richtige Gespür für den Ton in jeder Situation, wobei sie einen im deutschen Kino einmaligen Mut zur Sentimentalität beweist, die sie stets richtig dosiert. Nostalgisch im besten Sinne des Wortes, aber nie kitschig oder verklärend. Zur gelungenen Zeichnung von Milieu und Ära tragen die detailreiche Ausstattung und die Charakterisierung der Figuren bei, die alle ihre Schrullen und Macken haben. Aber vor allem das Herz am rechten Fleck. Über das Porträt des jungen Kerkeling wird die alte Bundesrepublik mit ihren Kiezen und Tante-Emma-Läden lebendig, hier hat der Entertainer seine Wurzeln, das Fernsehen der 70er mit Hitparade, Disco und Samstagabendshows wird eine Quelle seines unverwechselbaren Humors. Zugleich macht der Film klar, warum Kerkeling auf dem Höhepunkt des Ruhms dem Bildschirm adé sagte. Er ist nun mal ein Kind der 70er, das sich selbst oft in Szene setzte, aber nie seine Person ins Zentrum seiner Auftritte stellte. Genau das reflektiert der Film auf wunderbare Weise. Ein liebenswerter, herrlich nostalgischer Familienfilm.

BOHEMIAN RHAPSODY – 135 min. – Ab 6 J.
Am 24. November 1991 endete das Leben von Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury. Die Musikwelt verfiel in einen Schockzustand. Der legendäre Leadsänger der Rockgruppe Queen erlag im Alter von nur 45 Jahren den Folgen einer HIV-Infektion. In den gut zwei Dekaden, die Queen mit Mercury existierte, schuf die britische Band Welthits für die Ewigkeit. Ähnlich turbulent wie Mercurys wildes Leben ist die Produktionsgeschichte dieses Biopic-Dramas. Eine Hommage an die ganze Gruppe, aber mit klarem Fokus auf ihren schillernden Frontmann. England, die 1970er Jahre: Der 19-jährige Farrokh hat große Träume: Er will auf die Bühne und singen. Als er allen Mut zusammennimmt und sich bei einer Band als deren neuer Leadsänger bewirbt, hat er noch keine Ahnung, dass dies der Beginn einer musikalischen Ära ist. Er selbst nennt sich Freddie Mercury. Als charismatischer, leidenschaftlicher Performer erobert er das Publikum im Sturm. Doch je mehr er sich auf der Bühne zu finden beginnt, desto mehr verliert er den Halt im Leben. Und riskiert schon bald, alles zu verlieren, was ihm etwas bedeutet. Am 13. Juli 1985 spielten Queen im Rahmen des Live-Aid-Concerts vor 72.000 Menschen im Wembley Stadion. Über 1,9 Milliarden Menschen verfolgten das Konzert live. Für Bryan Singers und Dexter Fletchers Film dient dieses Konzert als erzählerischer Rahmen. Als Künstler-Biopic erzählt der Film aus der Perspektive von Mercury. Dabei zeigt er den öffentlichen Menschen und kommt gleichzeitig auch der privaten Seite des scheuen und unsicheren Mannes nahe, der sich Zeit seines Lebens nach wirklicher Vertrautheit sehnte und dennoch seine Freunde oft verriet, weil er sich auf falsche Berater einließ. Dass er nie wirklich zu seiner Homosexualität stehen konnte, ist ein Aspekt, den der Film nie ausstellt, sondern sensibel in die Erzählung einwebt. Rami Malek ist grandios in seiner Darstellung als Freddie. Die Verletzlichkeit einer zarten Künstlerseele, die Neurosen und Allüren eines übergroßen Stars und die Getriebenheit eines nie ruhenden Genies, Malek lässt nie einen Zweifel an der Authentizität seiner Darstellung. Auch der Rest des Ensembles steht dem in nichts nach, vor allem auch im Zusammenspiel miteinander. Neben der Geschichte der Band greift das Drehbuch auch die Entstehungsgeschichte der weltberühmten Songs auf. Wenn als Höhepunkt der legendäre 25-minütige Auftritt der Band minutiös und detailgetreu nachgestellt wird, dann spürt man als Zuschauer die Kraft, die Musik freisetzen kann. Was auch der Soundtrack beweist, der kaum einen Hit von Queen vermissen lässt. „Es ist kein Biopic, es ist ein Film über Freddie und Queen, bei dem wir uns kreative Freiheit herausgenommen haben!“ - das sagte Queens Leadgitarrist Brian May selbst nach einem Konzert in Hamburg und erklärt damit innerhalb eines Satzes, was den Reiz des Films ausmacht. So ist es nicht bloß ein sehr musikalischer und emotionaler Film, sondern auch ein verdammt unterhaltsamer geworden. Der Regie gelingt ein hochsensibler, aber nie voyeuristischer Film, in dem es in erster Linie darum geht, den Geniestatus der den musikalischen Zeitgeist prägenden Band hervorzuheben. So gehören ausgerechnet die Szenen zwischen Queen und den hinter den Kulissen agierenden Produzenten und Musiklabelchefs zu den ganz großen Highlights des Films; immerhin wissen wir heute sehr genau, wie erfolgreich die Band später wurde. Als Zuschauer wird man nicht nur abgeholt, sondern mitgerissen! Ein Musikfilm der ganz großen Emotionen, mit großer Power, Opulenz und Dramatik inszeniert. Für Fans von Freddie Mercury und Queen ist dieses elektrisierend-nostalgische Musik-Biopic ein Muss. Rami Malek, um es noch einmal zu sagen, liefert in der Hauptrolle eine unglaubliche, eine fulminante Performance, die ihn zum nahezu sicheren Kandidaten für die beginnende Filmpreis-Saison macht.

100 DINGE – 106 min. - Ab 6 J.
Die Wegwerfgesellschaft und ihre schwerwiegenden Folgen für den Zustand der Welt: Was bisher vor allem Thema diverser Umwelt- und Nachhaltigkeitsdokumentationen oder Selbstversuchsprotokolle war, schwappt mit „100 Dinge“ nun erstmals in Form einer Komödie auch in den Mainstream. Was wäre, wenn man mal ganz ohne jeden Besitz auskommen müsste, fragen sich Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer. Mit witzig, schnoddrigen Dialogen manövrieren sich die derzeit beliebtesten Schauspiel-Beaus Deutschlands durch absurde Szenen. Die Erkenntnis, dass uns Dinge nicht glücklich machen und wir weniger Sachen brauchen, als wir haben, ist dabei der Angelpunkt ihres Abenteuers. Publikumsliebling Florian David Fitz geht in die Vollen. Erneut ist der gebürtige Münchner nicht nur Schauspieler, sondern auch Autor und Regisseur. Dem Doppelpack, das auch im richtigen Leben miteinander befreundet ist, bei seinen Eskapaden zuzusehen, macht einfach Spaß. Auch wenn manches vorhersehbar ist, unterhält die turbulente Situationskomik. Inspiriert vom authentischen finnischen Dokumentarfilm „My Stuff“, der am Ende nur einhundert Dinge für so wichtig hält, dass man sie zum Leben braucht, kommt der unterhaltsame Film zum richtigen Zeitpunkt auf die Leinwand. Denn sich einige Gedanken über unser Konsumverhalten und den verführerischen Rausch der Dinge zu machen, schadet sicher nicht!

DAS KRUMME HAUS – 115 min. - Ab 12 J.
Schon lange bevor die Planungen zu Kenneth Branaghs Kammerspiel „Mord im Orient Express“ (2016) begannen, machte sich Regisseur Gilles Paquet-Brenner an die Umsetzung des weitaus weniger bekannten Romans „Das krumme Haus“. Angeblich war der Titel das Lieblingswerk der britischen Autorin Agatha Christie. Der englische Titel „crooked house“ spielt dabei vor allem auf das Wort „crook“ an (engl. Gauner), denn wie schon im „Orient Express“ handelt es sich auch hierbei um eine nach klassischem Whodunit-Prinzip aufgezogene Mördersuche. Im Mittelpunkt stehen die Bewohner des titelgebenden „krummen Hauses“ Three Gables, denen sich Protagonist Charles Hayward nach und nach nähert. Ein Verhör nach dem anderen bringt ihm langsam die Gepflogenheiten des Hauses, aber auch die Spleens der zahlreichen darin lebenden Bewohner näher. Doch genau das ist es, was den Film spannend macht. Durch die klassisch-altmodische Inszenierung ohne Schnörkel wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen. Die Kulisse des schlossähnlichen Anwesens, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt, ist bis unters Dach vollgestopft mit luxuriösem Nippes. Besonders interessant ist die Ausstattung der Wohnräume: Jedes Zimmer ist ganz den darin lebenden Hausbewohnern angepasst und gibt mitunter eher Aufschluss über die darin lebenden Menschen, als das, was Charles in seinen Gesprächen über sie herausfindet. Vor unseren Augen entspinnt sich ein spektakuläres Familiengefüge, das in seiner Komplexität zum Miträtseln einlädt, das Wechselbad der Verdächtigen hält die Spannung jederzeit hoch. Die bewegliche Kamera, die eindringliche Licht- und Schattendramaturgie und die genretypisch aufgeladene Musik unterstützen die spannend-gruselige Atmosphäre des Herrenhauses, welches dank seiner grandiosen filmischen und handwerklichen Inszenierung eine ebenso große Rolle spielt wie die Menschen, die ihre Befindlichkeiten in ihm ausleben. Ein herrlich klassisches Katz-und-Maus-Spiel, welches nicht nur Krimi-Fans auf das Beste und Spannendste unterhalten wird.

WIDOWS – TÖDLICHE WITWEN – 129 min. - Ab 16 J.
Ihre Ehemänner sind tot, ihre Existenz ist zerstört. Um aus der Notlage herauszufinden, müssen sich vier Frauen für einen Coup zusammenfinden. »Widows« ist McQueens erster Film seit 12 YEARS A SLAVE (2013) und beruht lose auf der gleichnamigen britischen Serie, die erstmals 1983 ausgestrahlt wurde. Als Raubzug-Thriller-Movie beworben, transzendiert das Genre aber sowohl durch die für McQueen typisch stark suggestive Inszenierung als auch durch die organisch in die Handlung eingebetteten Kommentare zu Politik, Geschlechterbeziehungen, Ethnien und Klassen. Zu den vielen Themen, die dieser Film anreißt, gehört auch die Ökonomie der Beziehungen zwischen Männern und Frauen, das Problem des klassischen Versorgungsmodells. Ist Veronica hier lange die Ahnungslose, so repräsentieren die beiden anderen Witwen klassische Opfergeschichten. Linda hatte einen Laden, den ihr Mann ohne ihr Wissen verzockt hat. Und Alice wurde misshandelt von ihrem nun toten Lebensgefährten; jetzt will ausgerechnet die eigene Mutter, dass sie »nett zu Männern« ist. Drei Frauen haben nichts gemeinsam außer dem Totalverlust ihrer bisherigen Existenz, der sie zu einer Notgemeinschaft zusammenschweißt. Die komplexe Story ist dramaturgisch stimmig und durchkomponiert. Sie ist raffiniert gebaut, führt den Zuschauer mehrmals in die Irre und überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen. Der Film überzeugt denn auch eher als düsteres Dreifachporträt von Antiheldinnen, die sich entschlossen aus ­ihrer Statusfatalität herausarbeiten, denn als Thriller. Der Film entwirft denn auch ein stimmiges Panorama der Realität und des gesellschaftlichen Klimas in den USA. Die Geschichte der Emanzipation der drei Witwen, die sich aus dem Schatten ihrer Männer und deren kriminellem Milieu lösen wollen, ist auch ein Blick auf den amerikanischen Politikbetrieb: Eine klare Anspielung auf aktuelle amerikanische und internationale Politskandale und Verwicklungen. Der Film entlarvt quasi im Vorbeigehen den Filz von Politik, kriminellen Gangs und Polizei, gleichzeitig gibt dieser der Handlung ihre Dynamik. Der korrupten Männerwelt setzen die vier Frauen ihren Entwurf einer friedlichen Welt mit Familie und eigenem Auskommen entgegen. Das moralische Vergehen, das vor der Verwirklichung dieser Chance steht, verzeiht der Zuschauer den smarten und sympathischen Ladys daher gerne.

JULIET, NAKED – 100 min. - Ab 6 J.
Ein Mann vergisst über seiner Schwärmerei für einen Popstar seine Frau. Die langweilt sich. Sie hätte gern Kinder, er nicht. Und der Popstar hat zu viele Kinder. Alles kommt anders, als man denkt. So eine Story kann nur von Nick Hornby kommen. Die Emanzipationsgeschichte einer Frau, die seit vielen Jahren sowohl beruflich wie auch privat unter ihren Möglichkeiten, Begabungen und Neigungen lebt und die durch eine Zufallsbekanntschaft endlich den Push bekommt, etwas aus ihrem Leben zu machen. Dabei ist jener mythische Pop-Held Tucker Crowe keinesfalls der strahlende Retter, sondern vielmehr ein gebrochener Mann, der nach diesem einen Album nichts mehr auf die Reihe bekommen hat und der von Alkohol- und Drogenexzessen schwer gezeichnet in der Garage seiner letzten Ex-Frau lebt, um sich dort, immerhin das, um seinen Sohn Jackson zu kümmern. Wie kaum ein anderer Schauspieler prägte Ethan Hawke eine Generation von Kinofans, mit Filmen wie „Der Club der toten Dichter“, der „Before Sunrise“-Trilogie und „Boyhood“. Vom sensiblen Schüler mit Zivilcourage und Slacker-Antihelden zum verzweifelten Priester reicht die Spannbreite des vielseitigen 47jährigen. Die gelungene Leinwandadaption besticht nicht nur durch die Tiefe und den Witz ihrer Dialoge, sondern bietet auch qualitativ hochwertiges Schauspielerkino. Zum Schluss befreit sich Annie Platt von alten Ängsten und ordnet ihr Leben neu, um nicht zwischen zwei Männern, die nicht erwachsen werden wollten, unter die Räder zu kommen. Rose Byrne spielt diese pflichtbewusste Tochter, die in der Provinz hängengeblieben ist, mit Hingabe.

SO VIEL ZEIT – 101 min. - Ab 12 J.
Schon vier Romane des Bochumer Buchautoren Frank Goosen wurden fürs deutsche Kino adaptiert: „Liegen lernen“ 2003, „Radio Heimat“ 2016, „Sommerfest“ ein Jahr später und nun eben „So viel Zeit“. Alle Vorlagen eint der Lokalpatriotismus für den Ruhrpott, für Bochum, Goosens Geschichten sind immer auch Liebeserklärung an seine Heimat und fangen auf ebenso charmante wie ehrliche Weise diese ganz spezielle Atmosphäre ein, irgendwo zwischen Verklärung und aufrichtiger Auseinandersetzung mit den Spleens und Eigenheiten der Ruhrpott-Bewohner. In dieser musikalischen Tragikomödie versucht Jan Josef Liefers als abgehalfterter Rockstar Rainer, noch einmal seine längst entzweite Band zusammenzukriegen. Dafür bleibt ihm nicht viel Zeit, denn er ist krank. Dass dieser Rainer trotzdem zu jedem Zeitpunkt ein Sympathieträger ist, liegt in erster Linie an Jan Josef Liefers, der dem Publikum das emotionale Hin-und-her-gerissen-sein glaubhaft näherbringt. Doch nicht nur Liefers performt starkt. Es ist das gesamte Ensemble, das nicht nur durch seine Gegensätzlichkeit und die lebhafte Chemie untereinander besticht, sondern vor allem durch das Casting an sich. Philipp Kadelbach ist ein charmanter Mix aus Komödie und Drama, Roadmovie und Konzertfilm gelungen. Wer Goosens Bücher kennt, der weiß, dass die Story bei ihm nicht unbedingt das Wichtigste ist. Stattdessen begeistert meist sein hervorragendes Fingerspitzengefühl für feine Melancholie. Zwischen romantischer Verklärung der Vergangenheit und dem authentischen Abbild der heutigen Zeit interessieren Goosen vor allem die Menschen. Und genau diese verleihen dem Film seinen ganz besonderen Charme, selbst wenn der Plot nicht immer ganz stimmig erzählt wird.

MANTRA – SOUNDS INTO SILENCE – 85 min. - Ab 6 J.
Schneller, höher, weiter, so diktiert es der Alltag allenthalben und der Mensch hetzt mit. Das dringende Bedürfnis nach Entspannung und Ausgeglichenheit hat in der Gegenbewegung zur Beschäftigung mit östlichen Meditationspraktiken geführt, allen voran Yoga. Das dort bereits übliche Singen von Gebetsformeln und Mantras wiederum hat über die vergangenen Jahre auch in der westlichen Welt eine eigene Dynamik entfaltet und sich zur sogenannten Kirtan-Bewegung ausgeweitet. Damit gemeint ist das gemeinsame Singen und wiederholte Rezitieren heiliger Silben, Worte oder auch Verse eines Mantras. Den Begriff Mantra haben die meisten wohl schon gehört, was genau sich hinter dem Wort verbirgt ist schon schwieriger zu sagen. Hier nimmt Georgia Wyss Dokumentation ihren Ausgangspunkt und beginnt eine Reise um die Welt. Auf zahlreichen Musikfestivals, bei Meditations-Retreats und anderen Veranstaltungen hat die Regisseurin Musiker und Zuhörer gefilmt, um aufzuzeigen, wie mit der Kraft des Gesangs zur inneren Ruhe gefunden werden kann. Die Filmemacherin stellt eine ganze Reihe von Künstlern und Musikern vor, die bei Yoga-Festivals, Konferenzen, Retreats und längst auch Saalkonzerten auftreten und ihre Zuhörer zum Mitsingen bewegen und animieren. Dabei kommt heraus, dass auch der ein oder andere Künstler einstmals selbst über diese Form der Musik den Weg aus einer persönlichen Lebenskrise geschafft hat. Doch um die Musiker selbst geht es weniger, das Singen und seine Wirkung stehen klar im Vordergrund. „Durch Kirtan verbinden wir uns alle auf tiefer Ebene, jenseits von Persönlichkeit, Nationalität und Sprache“, sagt im Film der britische Gitarrist und Sänger Miten. Dass dem so ist, bekräftigen nicht nur die Insassen eines Gefängnisses in San Francisco sowie eine amerikanische Kunsthändlerin, man selbst ist ebenfalls berührt. Um es abschließend mit einem der mitwirkenden Kirtan-Musiker zu sagen: „If we can change the ecology of our hearts, then we can change the ecology of what surrounds us“. Ein Film mit Tiefenwirkung also.

ASTRID – 121 min. - Ab 6 J.
Wenn der Name Astrid fällt, weiß in Schweden jedes Kind, wer gemeint ist: die größte Tochter des Landes, die berühmteste Kinder- und Jugendschriftstellerin der Welt, Astrid Lindgren. Das Biopic über ihre Jugend und ihren holprigen Start ins Erwachsenenleben ist ein wunderschöner Film mit einer Heldin, die sich nicht unterkriegen lässt. Nur ganz nebenbei geht es ums Schreiben, vor allem aber um Astrid Lindgren als Persönlichkeit, die sich lebenslang für Menschenrechte einsetzte und sich, nicht nur in ihren Büchern, kreativ über Regeln und Normen hinwegsetzte. Von ihrem Weg dorthin erzählt Pernille Fischer Christensen sehr sensibel, fesselnd und mit feinem, unterkühltem Humor. Keine typische Künstlerbiographie, lässt der Film diese faszinierende Frau und ihre Zeit lebendig werden, mit allen Problemen und Hindernissen, die ihr in den Weg gelegt wurden oder die sie sich selbst geschaffen hat, je nach Standpunkt. Wie sich dieses anfangs so optimistische, immer leicht überschwängliche junge Mädchen vom wilden Kind zu einer selbstbewussten, couragierten Persönlichkeit entwickelt, die um ihre Selbständigkeit kämpft und ihre schwierige Situation in den Griff bekommt, das ist eine Frauengeschichte mit allem Drum und dran, mit allem, was auch heute noch gelegentlich Frauen daran hindert, ihre Träume zu leben: unerwartet schwanger, ein Kind ohne Vater, finanzielle Not, Familienprobleme, Schwierigkeiten im Job. Vermutlich hat all das mit dazu beigetragen, dass Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Karlsson, Madita und die vielen anderen unsterblichen Figuren aus Astrid Lindgrens Werken entstehen konnten. Sicherlich aber war all das notwendig, damit der Mensch Astrid wachsen konnte, um sich später und lebenslang für die Rechte von Kindern, Frauen und Minderheiten einzusetzen. Abgesehen davon ist es eine schöne Idee, auf derart subtile Weise die Frage zu beantworten, woher eigentlich die Geschichten kommen. Aus dem Leben natürlich, ob direkt oder indirekt. Vieles an diesem Film ist ganz besonders und ganz besonders gut: Wie es Pernille Fischer Christensen gelingt, die Stimmung und Atmosphäre der 20er Jahre einzufangen, die Kostüme, die in meist sanften Farben gehalten sind, herrliche Landschaftsbilder und die eindrücklichen Szenen von Astrids Leben in Angst und Armut. Zwei Aspekte ragen heraus: eine anfangs unscheinbare Rahmenhandlung, in der die greise Astrid, deren Gesicht nie ganz zu sehen ist, die Briefe von Kindern liest. Vor allem anderen aber ist es Alba August, die unfassbar gut und einfühlsam die junge Astrid spielt. Sie ist das übermütige Kind, die einsame Frau, die wartende Geliebte, die glückselige und die verzweifelte Mutter, manchmal alles gleichzeitig, aber immer mit faszinierender Leichtigkeit und großer schauspielerischer Intelligenz. Ihr spitzbübisches Lächeln lässt sie jünger und immer wieder beinahe kindlich wirken, gibt ihr aber auch einen atemberaubend ehrlichen Charme. Sie macht aus dem Film kein übliches Biopic, sondern eine sehr überzeugende Coming of Age-Geschichte. Und sie erweckt Astrid Lindgren buchstäblich zu neuem Leben. Allerbestes skandinavisches Erzählkino.

DER TRAFIKANT – 113 min. - Ab 6 J.
Österreichern muss man nichts erklären, und weil dies die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler ist, wissen auch deutsche Leser Bescheid: Ein Trafikant ist der Besitzer eines kleinen Geschäfts für Tabakwaren, Zeitungen, Schreibwaren. Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) verlässt auf strenges Geheiß seiner Mutter Margarete (Regina Fritsch) sein Heimatdorf im Österreich des Jahres 1937 und fährt ins aufregende, brodelnde Wien. Hier führt ein ehemaliger Liebhaber der Mutter, Otto Trsnjek (Johannes Krisch), eine Tabak-Trafik, Franz geht bei ihm in die Lehre. Der Bub lernt schnell, nicht nur das Praktische, sondern auch das Lebenskluge, zum Beispiel die Zeitung zu lesen, um informiert zu sein. Zu den besten Kunden gehört der 82-jährige Sigmund Freud (Bruno Ganz), der, so sagt man, „Köpfe repariert, innen drin“. Franz ist neugierig und sucht Rat. Er ist nämlich unglücklich verliebt, in die schöne, viel zu erfahrene und flatterhafte Böhmin Anezka (Emma Drogunova). Doch Freud ist in Liebesdingen keine große Hilfe. Überhaupt gibt es Wichtigeres: Hitlers Truppen sind einmarschiert, Otto Trsnjek, ein Jude, verschwindet in den Kellern der Gestapo. Nun ist Franz der Trafikant. Und er trifft eine folgenschwere Entscheidung. Regisseur und Co-Drehbuchautor Nikolaus Leytner hat ein genaues Gespür für die Zeit und die Menschen, die in ihr leben. Er bringt sie dem Zuschauer anschaulich näher, mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Sehnsüchten und Wünschen, vor allem aber mit den politischen Erschütterungen, die die Nazis verursachen. Plötzlich wird der Nachbar zum Feind, und auch am Attersee ticken die Uhren jetzt anders, wie der Briefwechsel mit der Mutter, eine weitere Erzählebene des Films, beweist. Die politische Realität schleicht sich nur langsam und behutsam in die Geschichte ein, weil die Hauptfigur zunächst andere Probleme hat und sie nur am Rande wahrnimmt. Es geht vor allem um das Erwachsenwerden eines Jungen, der die Liebe und die Großstadt kennen lernt und von gleich zwei Ersatzvätern lernt. Und es kommt eine dritte Erzählebene hinzu: Franz ist ein Träumer, der sich in mutigen Tagträumen den besseren Ausgang einer Situation vorstellt oder in finsteren Nachtträumen in eine andere, poetischere Welt flüchtet. Immer wieder blitzen diese Phantasien auf, in entfremdeten, surrealen und sehr ausdrucksstarken Bildern. Auf Anraten Freuds schreibt Franz die Träume auf und hängt das Geschriebene dann ins Schaufenster der Trafik, um sie mit anderen zu teilen. Nur so kann er seine Überforderungen und seinen Kontrollverlust kompensieren. Die Beziehung zwischen Franz und Sigmund Freud, dem unerfahrenen jungen Mann und dem greisen, lebensklugen und bescheidenen Weltbürger, gerät denn auch zum Zentrum des Films. Simon Morzé und Bruno Ganz spielen ihre Rollen ebenso einfühlsam wie glaubwürdig: neugierig und lebenslustig der eine, klug und schelmisch der andere.


25 km/h – 116 min. - Ab 6 J.
8 Jahre nach ihrem erfolgreichen Roadmovie „Friendship!“ schicken Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg wieder zwei Männer auf große Fahrt. Es geht um zwei Brüder in der Lebensmitte, die auf ihren alten Mofas jugendliche Freiheit nachholen. Mit 25 Stundenkilometern durch die Republik zu knattern, klingt nicht gerade sehr dynamisch. Und was nicht gerade nach der allerfrischesten Idee für eine Kinogeschichte klingt, entpuppt sich als hochsympathische Roadmovie-Komödie mit melancholischen Absackern und voll von leisen Brüchen und ernsthaften Gesprächen über das Leben. Die beiden gegensätzlichen Charaktere streiten sich und lieben sich, sie stellen gegenseitig ihre Lebensentwürfe in Frage, sie diskutieren Beziehungen, Berufsentscheidungen, Familienverhältnisse und Bindungsängste, verpasste Chancen und verstrichene Gelegenheiten. Indem die Brüder wieder große Jungs sind und den Spaß in ihr festgefahrenes Leben lassen, entdecken sie neue Wege, stoßen sich gegenseitig aus dem Trott, hin zu den Hürden, vor denen sie immer zurückscheuten. Die so Grundverschiedenen mit Bjarne Mädel, den man in so einer Rolle erwartet, und Lars Eidinger, den man in so einer Rolle eher nicht erwartet, zu besetzen, funktioniert bestens. Obwohl sie noch nie zusammengespielt haben, stimmt einfach die Chemie zwischen ihnen. Dass diese Reise so leicht und locker, ja beschwingt verläuft, liegt am treffenden Humor. Indem die Charaktere selbstironisch angelegt sind, kaschieren sie ihre Oberflächlichkeit und die eher nur stichpunktartig abgespulte Entwicklung. Aber diese Nonchalance im Umgang mit den Figuren passt recht gut zu einer Komödie, die übermütige Leichtigkeit verströmt. Die Reise nimmt also ihren Lauf auf den Landstraßen Deutschlands, es gibt Begegnungen mit einsamen Frauen, mit esoterisch beseelten jungen Menschen, mit der Polizei, mit dem Platzhirsch eines Campingplatzes, mit der Natur, bei so ziemlich jeder Episode, die die Brüder näher Richtung Küste bringt, gesellen sich übrigens weitere hochkarätige Gäste zum stargespickten Cast dazu, die in kleinen Auftritten die Textur des Films anreichern. Ein erfrischend-sympathisches Wohlfühl-Roadmovie, das tiefsinniger und überraschender ist, als man im ersten Moment vermuten würde.

DER VORNAME - 91 min. - Ab 6 J.
Ein mehr als ungewöhnlicher Vorname ist Auslöser eines Familienstreits, der im Lauf eines Abendessens immer mehr ausartet. Basierend auf dem gleichnamigen französischen Film haben Sönke Wortmann und seine vier Hauptdarsteller viel Spaß, sich allerlei Bosheiten an den Kopf zu werfen, mit denen Scheinheiligkeiten und Vorurteile entlarvt werden. Immer tiefer schneiden die Pointen, immer offener geht das Quintett miteinander um, offenbart tiefsitzende Vorurteile und Aversionen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Ein großes Vergnügen ist diese Adaption eines französischen Stücks, das mit seiner Ausgangsidee, den natürlich gerade in Deutschland aus offensichtlichen Gründen verpönten Vornamen Adolf wiederzuentdecken, geradezu nach einer deutschen Adaption verlangt hat. Die hat nun Sönke Wortmann in seinem besten Film seit Jahren erfolgreich vorgelegt. Seine durchtriebene Gesellschaftskomödie, in der im nicht nur verbalen Schlagabtausch die mentalen Sollbruchstellen eines gut situierten urbanen Milieus entlarvt werden, erinnert an Yasmine Rezas Bühnenstücke wie »Gott des Gemetzels« und »Kunst«. Doch der Film basiert auf einem anderen französischen Theaterstück, »Le prénom« von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, das 2010 in Paris uraufgeführt und mit riesigem Erfolg erstmals 2012 verfilmt wurde. Auch in Sönke Wortmanns Nachzügleradaption erweist sich die Vorlage als so unkaputtbar lustig und pointensicher wie ein Molière-Stück. Mit Wortwitz und viel Esprit bringt Wortmann die heile Fassade einer Familie zum Bröckeln. Scharfzüngig, augenzwinkernd, aberwitzig. Schöner wurde in deutschen Komödien selten gestritten.