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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Dienstag, 23.4. bis Mittwoch, 1.5.19.

KINOTHEK 1 ...      Beginn Datum KINOTHEK 2 ...      Beginn
The FAVOURITE - Intrigen und Irrsinn
20.15 Di 23.4. Die BERUFUNG Ihr Kampf für Gerechtigkeit 20.15
FREE SOLO
BOHEMIAN RHAPSODY
18.00
20.15
Mi 24.4. ***DER VORNAME
MANASLU - BERG DER SEELEN
18.00
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
17.45
20.30
Do 25.4. Die BERUFUNG Ihr Kampf für Gerechtigkeit
GEGEN DEN STROM
17.45
20.30
NEU   DIE GOLDFISCHE
BOHEMIAN RHAPSODY
17.45
20.30
Fr 26.4. DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS
ANDERSWO - ALLEIN IN AFRIKA
17.45
20.30
DIE GOLDFISCHE
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
17.30
20.30
Sa 27.4. GEGEN DEN STROM
Die BERUFUNG Ihr Kampf für Gerechtigkeit
17.30
20.30
FREE SOLO
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
DIE GOLDFISCHE
13.00
15.15
17.30
20.15
So 28.4. DEGAS: LEIDENSCHAFT FÜR PERFEKTION
NEU   MANOU: FLIEG´ FLINK!
Die BERUFUNG Ihr Kampf für Gerechtigkeit
*The FAVOURITE - Intrigen und Irrsinn
13.00
15.15
17.30
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT 20.15 Mo 29.4. CAPERNAUM - STADT DER HOFFNUNG 20.15
DIE GOLDFISCHE
BOHEMIAN RHAPSODY
17.30
20.15
Di 30.4. **ANDERSWO - ALLEIN IN AFRIKA
**DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS
17.30
20.15
*FREE SOLO
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
DIE GOLDFISCHE
13.00
15.15
17.30
20.15
Mi 1.5. *DEGAS: LEIDENSCHAFT FÜR PERFEKTION
*MANOU: FLIEG´ FLINK!
CAPERNAUM - STADT DER HOFFNUNG
MANASLU - BERG DER SEELEN
13.00
15.15
17.30
20.15
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

DIE GOLDFISCHE – 111 min. – Ab 12 J.
Komödien mit Behinderten und anderen Benachteiligten sind tückisch, vor allem weil sie meist zu gut gemeint sind und sich political correctness mit den Gesetzen einer Komödie schlecht verträgt. Eine erfrischend respektlose und zugleich herzerwärmend komische Komödie, in der der Alltag von Menschen mit Behinderungen durch ein extremes Szenario auf Komödienspitzen getrieben wird, so angstfrei wie das sonst eigentlich nur Amerikaner wie die Farrelys können. Ein Roadmovie der etwas anderen Art, das von einem erfolgreichen Portfolio-Manager erzählt, der mit Hilfe einer Behinderten-WG sein Schwarzgeld von der Schweiz nach Deutschland schmuggeln will. Die Komik entsteht dabei aus der Reibung zwischen Erwartung und Realität, zwischen beschränkendem Vorurteil und beflügelnder Lebenslust. Dass der Witz nie auf Kosten der Menschen mit Behinderungen zündet, hat mit der liebevollen Zärtlichkeit des Blicks zu tun, mit dem Regisseur Alireza Golafshan von ihrem Anderssein erzählt, das mal Handicap und mal Chance ist, mit dem ganz besonderen Licht, in dem er seine gar nicht so hilflosen Schützlinge zeigt. Und dem beherzten Spiel eines großartig aufeinander abgestimmten Ensembles. Niemand wird hier, ob Menschen mit Behinderung oder ohne, mit Samthandschuhen angefasst. Keine der treffend und vielschichtig gezeichneten Figuren wird in einen Schutzraum gestellt, mit niemandem wird besonders vorsichtig verfahren, sondern alle Figuren erfahren den gleichen Umgang und werden auf gleiche Weise innerhalb der komödiantischen Welt ernstgenommen. Die Figuren haben Witz, ohne Witzfiguren zu sein. Als Komödie und Road Movie besitzt der Film alles, was das Genre verlangt: Temporeiche Verfolgungsjagden, jede Menge spritzige Dialoge und absurde Szenen, unterlegt von einem launemachenden Soundtrack. Und doch spürt man als Zuschauer in jeder Szene, was diesen Film darüber hinaus zu etwas ganz Besonderem macht: Dass er seine Figuren liebt und ernst nimmt, in all dem, was sie besonders macht.

MANOU, FLIEG FLINK! – 88 min. – Ab 0 J.
Der Animationsfilm brilliert mit einer hervorragenden technischen Umsetzung und einer besonnen erzählten Coming-of-Age-Story. Der Titelheld der deutsch-französisch-kanadischen Koproduktion steht als Mauersegler, der in einer Möwenkolonie heranwächst, zwischen strikt voneinander getrennten Vogelkulturen. Als der kleine Mauersegler Manou seine Eltern verliert, hat er Glück: Eine liebevolle Möwendame und ihr zunächst skeptischer Mann nehmen das verwaiste Küken bei sich auf und bringen ihm alles Lebensnotwendige bei, was eine kleine Möwe wissen muss. Doch je älter Manou wird, desto mehr realisiert nicht nur er, dass in der Möwenschar kein Platz für ihn ist … . Christian Haas und Andrea Block von den Stuttgarter LUXX Studios, die zuvor CGI-Effekte für Hollywood-Filme realisierten, inszenierten den gefiederten Culture-Clash mit einer wohl dosierten Mischung aus Unterhaltung, Humor und Gefühl. So ambitioniert und ästhetisch rund wie „Manou“ sehen Animationsfilme abseits der großen Major-Studios selten aus. Allein schon dafür lohnt der Kinobesuch. Mit dem unaufgeregten Erzählfluss und den feinen Animationen schwingt sich „Manou“ zum uneingeschränkt empfehlenswerten Kinderabenteuer über die Auswirkungen rassistischer Vorverurteilungen auf. Chapeau nach Stuttgart! Nicht nur ein toll animierter Animationsfilm über einen kleinen Vogel, der zu sich selbst findet, sondern vor allem ein aufrichtiges Plädoyer gegen Rassismus.

Aktuell im Programm: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

DIE BERUFUNG – Ihr Kampf für Gerechtigkeit – 121 min. – Ab 12 J.
Diese Frau hat Geschichte geschrieben. Und sie tut es bis heute: die Supreme Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg. Mit eisernem Willen und scharfem juristischen Verstand zieht sie, vorbehaltlos unterstützt von ihrem Mann, vor Gericht in einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Geschlechterdiskriminierung. Das spannende Biopic über die frühen Karrierejahre der inzwischen 85jährigen amerikanischen Gallionsfigur der Justiz und Amerikas Ikone der Gleichberechtigung kommt zum richtigen Zeitpunkt in die Kinos. Die Anhörung des neuernannten Supreme Court Richters Bret Kavanaugh hat gezeigt, wie frauenfeindlich das gesellschaftliche Klima in Zeiten von #MeToo noch ist. Und wie dringend das Gericht starke, unabhängige Richterinnen wie Ginsburg braucht. Eindrucksvoll erinnert Regisseurin Mimi Leder mit ihrer hoffnungsvollen Hommage, die zu keiner Minute ein trockenes Gerichtsdrama ist, wie hart Rechte erkämpft wurden. Und dass dieser Kampf noch lange nicht zu Ende ist. Unerschrocken zeigt die junge britische Schauspielerin Felicity Jones in einer fast fünfminütigen Rede, dass sie ihrer anspruchsvollen Rolle voll und ganz gewachsen ist. Auch Armie Hammer an ihrer Seite überrascht positiv. Die wahre Geschichte einer überaus willensstarken Frau und Ikone der Frauenrechtsbewegung in ihrem Kampf gegen aus heutiger Sicht unvorstellbare Gesetze, die sich in einer Männerwelt durchzusetzen versuchte und der dabei immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden. Die vor kurzem im Kino angelaufene Dokumentation über Ruth Bader Ginsburg, "RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit", in dem die echte Juristin auch im hohen Alter durch Witz, Schlagfertigkeit und Entschlossenheit fasziniert, werden wir demnächst ins Programm nehmen.

THE FAVOURITE – Intrigen und Irrsinn – 120 min. – Ab 12 J.
Weshalb ist es so faszinierend, drei Frauen dabei zuzusehen, wie sie sich einen Kampf um Macht, Gunst und Zuneigung liefern? Vielleicht weil Macht, Gunst und Zuneigung einander bedingen und miteinander im Widerstreit stehen. Weil hier selbst unter dem kältesten Ränkespiel Gefühle lauern und lodern. Immer dann, wenn die Heldinnen eine besonders durchtriebene Intrige ersinnen, werden sie feststellen, dass sie nicht so skrupellos sind, wie sie glaubten, was sie aber keinesfalls daran hindern wird, sie auszuführen. Yorgos Lanthimos‘ neues Meisterwerk erzählt von den Intrigen am Hof der englischen Königin Anne Stuart zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Als diese an einer neuen Vertrauten Gefallen findet, sieht die erste Kammerzofe Lady Sarah ihren Einfluss auf die Herrscherin in Gefahr. Auf historischen Begebenheiten basierend, aber doch sehr frei inszeniert Lanthimos gefährliche Liebschaften auf höchster Staatsebene stilistisch brillant und inhaltlich giftig. Zugleich bettet er sie, man könnte sagen »sauber«, in den historischen Kontext des Kriegs mit Frankreich ein. Auch die Hauptfiguren des femininen Liebes- und Machtdreiecks existierten wirklich, wenngleich über die Natur ihrer Beziehungen hinter den höfischen Kulissen nur spekuliert werden kann. - Politik ist ein Kreisen um Macht und um sich selbst, eine Wahrheit, die nicht das Heute diktiert, sondern sich durch die gesamte Geschichte zieht, das beweist dieser oscarpreisgekrönte Film. Mit einem Drehbuch, das vor Koketterie und ironischer Schärfe nur so sprüht, dem richtigen Maß an Überzeichnung und Übertreibung und einem sehr genauen Auge für menschliche Schwächen und Sehnsüchte bildet der Film eine Zeit ab, in der Dekadenz und persönliche Eitelkeiten den Alltag des Hofs mehr denn je bestimmten. „The Favourite“ betont weniger das oberflächliche Zeremoniell zu Hofe, als vielmehr die allzu menschlichen Triebe, die sich hinter der Fassade verbergen. Ein bitterböser, brillanter Film und ein köstlicher, ironisch beißender und entlarvender Blick auf eine Gesellschaft von damals, die der von heute gar nicht so entfernt scheint. Ein Film, der meilenweit vom herkömmlichen Einerlei historischer Stoffe im Kino entfernt und damit auch für ein Publikum geeignet ist, das sonst eher nicht an historischen Stoffen interessiert ist.

FREE SOLO –  98 min. – Ab 0 J.
975 Meter purer, meist senkrecht abfallender Granitfelsen. Die Steilwand des El Capitan ist der Blickfang im kalifornischen Yosemite Valley. Die „National Geographic“-Produktion „Free Solo“ erzählt davon, wie sich Alex Honold, der acht Jahre davon geträumt hat, als erster ohne Sicherung den Felsen in Kalifornien zu besteigen, dieser Herausforderung stellt. Die Doku versteht es, dem Zuschauer verständlich zu machen, was Alex antreibt, wartet aber auch mit atemberaubenden Bildern auf, die einem den Atem stocken lassen.  Honold bereitet sich ausgiebig auf die Besteigung vor, macht zahllose Testläufe mit Kletterseil und stellt sich dann einer Herausforderung, bei der jeder noch so kleine Fehler den Tod bedeuten kann. Das atemberaubende Porträt eines Mannes, dem sehr wohl bewusst ist, was er alles mit diesem Sport riskiert. Aber er tut es dennoch, weil die eigene Passion zu verleugnen schlimmer als der Tod wäre. Mag es anfangs so aussehen, als sei er ein Mensch, der nichts zu verlieren hat, zeigt sich im Verlauf, dass dem eben schon so ist. Kurz bevor er mit den konkreten Plänen für die Besteigung des El Capitan begann, verliebte er sich. Das hatte auch Auswirkungen. Blieb er zuvor sieben Jahre ohne Verletzung, verletzte er sich nun gleich zweimal innerhalb eines Jahres. Weil ein Free-Solo-Kletterer, so der Kletterprofi Tommy Caldwell, ganz und gar auf die Wand fokussiert sein muss. Er darf an nichts anderes denken. Genau zu diesem geistigen Zustand musste Honold zurückfinden. „Free Solo“ versteht es, dem Zuschauer ein Gefühl davon zu vermitteln, wieso der Extremsportler macht, was er macht. Man glaubt gerne, dass man sich in diesen Momenten an der Wand dem Leben näher als je zuvor fühlt, oder sich selbst für größer als das Leben hält, wenn man absolute Perfektion erreicht, die notwendig ist, um einen solchen Aufstieg zu überstehen. Aber der Film unterschlägt auch nicht, dass Free-Solo-Kletterer oftmals nicht alt werden. Viele sind durch Abstürze ums Leben gekommen. Ein Schicksal, das auch Honold blühen könnte, weswegen ihm ein Freund schließlich rät, aufzuhören, solange er es noch kann. Aber dem Ruf des Bergs kann er sich nicht entziehen. Der Zuschauer wiederum kann sich der Wirkung dieses Films nicht entziehen. Die Aufnahmen vom Kletterer an der Wand sind atemberaubend. Manche Einstellungen verursachen gar ein mulmiges Gefühl und als Honold beginnt, die gefährlichen Passagen ohne Sicherung zu besteigen, da ist das spannender und aufregender als bei jedem Thriller.


MANASLU – BERG DER SEELEN – 123 min. – Ab 12 J.
Als Bergsteiger hat Hans Kammerlander die höchsten Gipfel bestiegen, als Mensch in furchtbare Abgründe geblickt. Neben dem 61jährigen Extrem-Kletterer aus Südtirol kommen Familie und Weggefährten wie Reinhold Messner zu Wort. Ausgesprochen bewegend fällt ein sehr persönliches Gespräch mit dem alten Freund Werner Herzog aus. Bergfilm-Profi Gerald Salmina setzt bei seinem Porträt auf eine gelungene Mischung aus Interviews, Archivbildern sowie nachgestellten Spielsequenzen. Damit werden zum einen, etwas zu üppig, die Kindheitstage des Bauernjungen und seine frühe Begeisterung für die Berge illustriert, zum anderen, weitaus spektakulärer, jene dramatischen Szenen im Gebirge nachgestellt. Als reizvoller Kontrast und echte Filmperlen erweisen sich Archivbilder, insbesondere aus Werner Herzogs TV-Doku „Gasherbrum - Der leuchtende Berg“ von 1984, in der Kammerlander und Messner bei ihrer Doppelüberschreitung von zwei Achttausendern mit der Kamera bis zum Basislager begleitet werden. Entspannt in einem Pool planschend, schwärmt zuvor ein junger Messner von den Fähigkeiten seines neuen Kletter-Kameraden. Tatsächlich hat er dem Newcomer zum Durchbruch und Karriere-Kick verholfen. Eine gute Wahl, schließlich wird Kammerlander seinen Mentor auf die letzten 7 von 14 Achttausendern begleiten. „Der Tod ist das leichteste von allen Übeln, die man erlebt“, sagt Hans Kammerlander gleich zu Beginn. Der Extrem-Bergsteiger weiß, wovon er redet. Am Manaslu in Nepal, einem der vierzehn Achttausender, verliert Kammerlander 1991 zwei seiner besten Freunde. Der eine stürzt aus unerklärlichen Gründen ab. Den anderen trifft ein Blitzschlag tödlich. Grund für das ungewöhnliche Gewitter sind jene brennenden Ölfelder im Golfkrieg, deren Partikel in der Atmosphäre bis zum Himalaja gelangen und zu elektrisch aufgeladenen Hochspannungsfeldern führt. Gut ein Vierteljahrhundert nach der tödlichen Tragödie kehrt Kammerlander an seinen Schicksalsberg zurück. Gemeinsam mit Alpinist Stephan Keck will er den 8163 Meter hohen Gipfel endlich besteigen, um die traumatischen Erlebnisse von einst endlich zu verarbeiten. „Ein einfühlsames, wertungsfreies und authentisches Lebensportrait von Hans Kammerlander zu zeichnen“, beschreibt der Regisseur seine Absichten. Die Gratwanderung ist ihm bestens gelungen mit einer spannenden Doku über einen extremen Menschen, der wahnwitzig bis an seine Grenzen geht und darüber hinaus, wer könnte Wahnwitz besser adeln als ein Werner Herzog!

CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG – 126 min. – Ab 12 J.
Capharnaüm ist eine im Französischen benutzte Metapher für einen Ort voller Chaos und Wahnsinn. Und genau diesen Ort findet Nadine Labaki in ihrer fantastischen Fabel über das Leben in Migration und Armut. Ein Straßenkind in Beirut verklagt seine Eltern, weil sie ihn ohne Chance auf ein würdiges Leben in tiefste Armut geboren haben. Auf dem schmalen Grat zwischen erschütterndem Sozialrealismus und marktschreierischer Ausbeutung von Elend bewegt sich die libanesische Regisseurin Nadine Labaki mit ihrem dritten Film. Labaki hat mehrere Jahre damit verbracht, ihre Geschichte auf eine authentische Art zu verwirklichen. Ihre ProtagonistInnen sind Menschen, die tatsächlich in Beirut in den gezeigten Bedingungen leben. Die Kongruenzen zwischen dem realen Leben und dem Film gehen sogar so weit, dass einige von ihnen während der Dreharbeiten tatsächlich inhaftiert und mit Abschiebung bedroht wurden. Labaki zeigt hier ein Leben, welches weit ab jeglichen Menschenrechtskonventionen stattfindet und in dem vor allem Kinder keine Chance haben, jemals auf einen grünen Zweig zu kommen. Seit seiner Premiere in Cannes, wo er den Großen Preis der Jury erhielt, weiterhin vielfach ausgezeichnet, sollte das harsche Sozialdrama auch in Deutschland viele Diskussionen auslösen, denn er beschäftigt sich auf radikale Weise mit dem Problem des Schicksals von Straßenkindern im besonderen und der Überbevölkerung im allgemeinen.

Exhibition on screen: DEGAS - LEIDENSCHAFT FÜR PERFEKTION – 88 min. – Ab 6 J.
Edgar Degas wurde von zwanghaften Prinzipien und fehlender Sehkraft aufgezehrt, was dazu führte, dass er manchmal frustriert war ob seiner Fehler. Seine Entschlossenheit, den Alltag einzufangen, war jedoch in jedem Pinselstrich sichtbar. Nie ganz zufrieden mit seiner Arbeit, wurden viele von Degas´ Zeichnungen und Skulpturen zu seinen Lebzeiten privat aufbewahrt. Mit Hilfe von schriftlichen Berichten seiner Freunde, Kommentatoren sowie der Briefe, die Degas selbst verfasste, enthüllt dieser Film die vielschichtige Wahrheit hinter einem der einflussreichsten französischen Künstler des späten 19. Jahrhunderts und erkundet die komplexe Arbeitsweise seines künstlerischen Geists. Die Doku nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise von den Straßen von Paris bis zum Mittelpunkt einer großartigen Ausstellung im Fitzwilliam Museum in Cambridge, dessen umfangreiche Sammlung von Degas-Werken die repräsentativste in Großbritannien ist. „Kunst ist nicht das, was man sieht, sondern das, was man andere sehen lässt.“ Edgar Degas.


GREEN BOOK – Eine besondere Freundschaft – 130 min. – Ab 6 J.
Die stärksten Storys schreibt bekanntlich das Leben. Dies ist eine dieser schönen Geschichten, die einem nicht nur ans Herz gehen, sondern auch vor Augen führen, was in dieser Welt an so vielen Stellen falsch läuft. Es ist im Kern ein Film, der versucht, die Zuschauer emotional zu packen, mal mit Humor, mal mit dramatischen Szenen. Es geht um einen latent rassistischen Einfaltspinsel, der in den 60er Jahren als Chauffeur für einen sehr gebildeten, schwarzen Musiker anheuert. Die Tour führt in den tiefsten Süden der USA und in die Abgründe der alltäglichen Diskriminierung. Aus dem ungleichen Duo werden alsbald ziemlich beste Freunde. In diese Freundschaft eingeschlossen wird auch der Zuschauer. Die beiden Helden haben ihre Ecken und Kanten. Ihrem unheimlichen Charme wird man aber kaum widerstehen. Ebenso wenig der warmherzigen Botschaft. In zynischen Zeiten von Hass und Häme, werden humanistische, bewegende Filme zu publikumsträchtigen Leuchttürmen auf der Leinwand. Regisseur und Koautor Peter Farrelly gelingt mit diesem warmherzigen, lakonisch komischen Antirassismus-Drama ein Film mit Klassiker-Qualitäten. Das ungleiche Paar ist psychologisch plausibel und ebenso pointenstark entwickelt. Mahershala Ali („Moonlight“) verleiht dem sensiblen Pianisten charismatischen Glanz. Derweil Viggo Mortensen als gutherzige Quasselstrippe dem Affen mit sichtlichem Vergnügen reichlich Zucker geben darf. Intellektuell mag das Arbeiterkind aus der Bronx kaum glänzen. Was Haltung und Werte anlangt, stellt er sie alle mit nonchalanter Selbstverständlichkeit in den Schatten. Politisches Aufklärungskino, das ausgesprochen vergnüglich und bewegend ausfällt: Nie war es so wertvoll wie heute.

GEGEN DEN STROM – 100 min. – Ab 6 J.
Nach außen ist Halla eine patente, liebenswürdige Frau in den besten Endvierziger-Jahren, die allein lebt und als Chorleiterin arbeitet. Doch der Eindruck täuscht, denn Halla führt ein geheimes Doppelleben. In ihrer Freizeit ist sie eine Umweltaktivistin, die einsam, mutig und zielstrebig die isländischen Berge durchstreift, um Stromleitungen zu zerstören. Der Grund: Sie will die Natur retten, indem sie gemeinsame Machenschaften von Politik und Wirtschaft bekämpft und dafür sorgt, dass der Verkauf der isländischen Aluminiumindustrie nach China gestoppt wird. Auch wenn sie sich vieler Sympathien in der Bevölkerung sicher sein darf, die Obrigkeit betrachtet sie als Bedrohung. Spannung und Action, herrliche Bilder aus der ursprünglichen isländischen Bergwelt, eine Erzählweise, die bei allem Tempo und Schwung gelassen bleibt. Dazu eine wunderbare Hauptdarstellerin, Halldóra Geirharðsdóttir, die sehr sportiv mit Pfeil und Bogen als weiblicher Robin Hood die Wildnis durchstreift, eine arktische Schwester der Göttin Artemis, das ist Abenteuer pur und wirklich sehr, sehr gut gemacht. Ihr darstellerisches Repertoire ist beachtlich, sie überzeugt als rechtschaffene, liebenswürdige Chormusikerin, flotte Dame und Naturkind zugleich, als zu allem entschlossene Guerillakämpferin und Beschützerin der Natur. Dabei leistet die Schauspielerin Unglaubliches, nicht nur körperlich, als grazile Bogenschützin oder als geschickte Läuferin. Sie gibt der mutigen Aktivistin zudem eine gewisse Ambivalenz. Sobald die Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt ist, woran sie selbst nicht ganz unschuldig ist, wird es für sie sichtbar anstrengender, für das Gute zu kämpfen. Wem nützt ihr Einsatz eigentlich? Die Falte zwischen ihren Augen vertieft sich, der Blick wird finster, doch die Entschlossenheit bleibt und wächst sogar. Ökothriller, Abenteuerfilm, Märchen und Komödie: Erlingssons Film über eine Umweltaktivistin auf dem Kriegspfad ist all das und noch mehr: Großes, originelles Arthousekino!


ANDERSWO – ALLEIN IN AFRIKA – 103 min. – Ab 0 J.
Anselm Nathanael Pahnke wollte mit zwei Freunden Südafrika auf dem Fahrrad erkunden, als diese ihm eröffneten, dass sie die Tour abbrechen müssen. Anselm stand vor der Entscheidung: Aufgeben oder allein weiterreisen? Er entschied sich, weiterzufahren. 15.000 Kilometer, 414 Tage, 15 Länder: Das sind die trockenen Fakten einer langen Reise, die der Hamburger unternommen hat. Die Doku bringt einem nicht nur die verschiedenen Ethnien, Kulturen und Bewohner näher. Im Zentrum steht genauso die vielfältige Tier- und Naturwelt des Kontinents. Wie einmalig und wunderschön dieser ist, wird zum Beispiel in Tansania deutlich. Die Landstriche sind unberührt und erhaben, direkt vor Anselm durchstreifen Giraffen, Zebras und Gnus die Steppe. Weitere Höhepunkte sind die Szenen, die Anselm auf dem Malawisee (dem neuntgrößten See der Erde) und bei den Gräbern im „Tal der Könige“ in Ägypten zeigen. Der Film steht aber ebenso für zutiefst emotionale und menschliche Momente, zum Beispiel beim Aufeinandertreffen von Anselm mit seinem Vater. Dieser besuchte seinen Sohn in Namibia und erkundete mit ihm die Tierwelt des Landes. Andere Szenen zeigen Einheimische dabei, wie sie den Reifen von Anselms Fahrrad wechseln oder ihm Wasser bringen. Dies ist eine zentrale Botschaft. Sie zeigt, wie hilfsbereit und selbstlos die Menschen vor Ort sind. Anselm begegnet auf seiner ganzen Reise Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Offenheit, und das, obwohl einige der Länder zu den ärmsten der Welt zählen. Eine intime, ebenso heitere wie mitreißende Reise-Dokumentation, die dem Kinobesucher aus einem sehr persönlichen Blickwinkel heraus die Vielfalt des afrikanischen Kontinents näherbringt.


DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS – 100 min. - Ab 6 J.
Was für ein schönes Paar in diesem schönen Haus in Connecticut! Was für eine wunderbare Gemeinsamkeit! Zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich wird dieses Bild nach und nach entzaubert. Die Geschichte einer leidgeprüften Frau eines erfolgreichen Autors, die sehr viel mehr draufhat, als alle in ihr zu sehen gewillt sind. Eine Frau bleibt im Schatten, damit ihr Mann Erfolg hat: Was wie ein sich leise zuspitzendes Drama beginnt, entfaltet sich zu einem lauten Aufschrei über das gesellschaftliche Missverhältnis zwischen Frau und Mann. Der unspektakulär inszenierte, dafür aber spannend erzählte Film handelt von einer tiefgreifenden Lebenslüge, die stückweise an die Oberfläche dringt. 2004 wurde Björn Runges Drama „Morgengrauen“ mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet. Nun legt der schwedische Filmemacher dieses Charakterdrama nach dem gleichnamigen Roman der US-Autorin Meg Wolitzer vor. Für Glenn Close könnte nach sechs Nominierungen der erste Oscar winken. „The Wife“ ist ziemlich exakt das, was man als Schauspielerfilm bezeichnet. Ein Film also, dessen Qualität im (Zusammen-)Spiel des Ensembles liegt und der eher innere als äußere Konflikte thematisiert. Ein mitreißend gespieltes Ehe-Komplott, mit all seinen Abgründen, Kränkungen und Zärtlichkeiten, die Glenn Close und Jonathan Pryce bewunderungswürdig, witzig und unendlich traurig ausspielen. Die große Leistung dieses feinsinnig gespielten und inszenierten Emanzipationsdramas einer lebenslangen Unterwerfung und Ausbeutung besteht darin, zu zeigen, wie tief sich ein Paar in einer Lüge eingesponnen hat, eine Lüge, die einen Nobelpreisträger hervorbrachte und eine Schriftstellerin verschwinden ließ.

DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT – 100 min. - Ab 6 J.
Caroline Links Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Erfolgsromans von Hape Kerkeling über seine Kindheit im Ruhrpott, das Aufwachsen in einer fröhlichen Großfamilie und den frühen Verlust der geliebten Mutter. Mit der Verpflichtung von Julius Weckauf gelang der Regisseurin der Besetzungscoup des Jahres. Unter mehr als 5000 Bewerbern setzte sich der Junge aus einem Dorf in NRW beim Casting durch, nachdem er von Kunden im Laden seiner Eltern auf die Suche nach einem jungen Hape Kerkeling aufmerksam gemacht worden war. - Der pummelige 9-jährige Hans-Peter ist Teil einer großen, feierwütigen Familie aus dem Ruhrpott, in der jeder seine kleinen Macken hat. Nach den ersten behüteten Jahren im Haus von Oma und Opa auf dem Dorf zieht er mit seinen Eltern in eine Stadtwohnung, im gleichen Haus wohnt das andere Großelternpaar. Etliche Tanten und Onkel sind ebenso stets gern gesehene Gäste. Sein Talent, andere zum Lachen zu bringen, trainiert er im Krämerladen seiner Oma Änne, wo er Kundinnen perfekt nachmacht. Den ersten Knick bekommt die heile Welt nach dem Tod der Großmutter. Später erkrankt seine Mutter schwer und verfällt in Depressionen, an denen selbst Hans-Peters komödiantische Fähigkeiten abprallen. Nach ihrem Freitod ziehen die Großeltern vom Land in die Stadt und kümmern sich um den Jungen, der so gerne die Stars des deutschen Fernsehens imitiert. Und alle ahnen schon damals und akzeptieren unausgesprochen, dass Kerkeling homosexuell ist. Die Fröhlichkeit Kerkelings ist aus tiefem Schmerz geboren, dies bringt der unterhaltende Film dem Zuschauer sehr nah. Link blickt mit großer Liebenswürdigkeit und Ehrlichkeit auf diese kleinbürgerliche Welt, sie hält traumwandlerisch sicher die Balance aus Tragikomik und Ernsthaftigkeit. Sie beweist das richtige Gespür für den Ton in jeder Situation, wobei sie einen im deutschen Kino einmaligen Mut zur Sentimentalität beweist, die sie stets richtig dosiert. Nostalgisch im besten Sinne des Wortes, aber nie kitschig oder verklärend. Zur gelungenen Zeichnung von Milieu und Ära tragen die detailreiche Ausstattung und die Charakterisierung der Figuren bei, die alle ihre Schrullen und Macken haben. Aber vor allem das Herz am rechten Fleck. Über das Porträt des jungen Kerkeling wird die alte Bundesrepublik mit ihren Kiezen und Tante-Emma-Läden lebendig, hier hat der Entertainer seine Wurzeln, das Fernsehen der 70er mit Hitparade, Disco und Samstagabendshows wird eine Quelle seines unverwechselbaren Humors. Zugleich macht der Film klar, warum Kerkeling auf dem Höhepunkt des Ruhms dem Bildschirm adé sagte. Er ist nun mal ein Kind der 70er, das sich selbst oft in Szene setzte, aber nie seine Person ins Zentrum seiner Auftritte stellte. Genau das reflektiert der Film auf wunderbare Weise. Ein liebenswerter, herrlich nostalgischer Familienfilm.

BOHEMIAN RHAPSODY – 135 min. – Ab 6 J.
Am 24. November 1991 endete das Leben von Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury. Die Musikwelt verfiel in einen Schockzustand. Der legendäre Leadsänger der Rockgruppe Queen erlag im Alter von nur 45 Jahren den Folgen einer HIV-Infektion. In den gut zwei Dekaden, die Queen mit Mercury existierte, schuf die britische Band Welthits für die Ewigkeit. Ähnlich turbulent wie Mercurys wildes Leben ist die Produktionsgeschichte dieses Biopic-Dramas. Eine Hommage an die ganze Gruppe, aber mit klarem Fokus auf ihren schillernden Frontmann. England, die 1970er Jahre: Der 19-jährige Farrokh hat große Träume: Er will auf die Bühne und singen. Als er allen Mut zusammennimmt und sich bei einer Band als deren neuer Leadsänger bewirbt, hat er noch keine Ahnung, dass dies der Beginn einer musikalischen Ära ist. Er selbst nennt sich Freddie Mercury. Als charismatischer, leidenschaftlicher Performer erobert er das Publikum im Sturm. Doch je mehr er sich auf der Bühne zu finden beginnt, desto mehr verliert er den Halt im Leben. Und riskiert schon bald, alles zu verlieren, was ihm etwas bedeutet. Am 13. Juli 1985 spielten Queen im Rahmen des Live-Aid-Concerts vor 72.000 Menschen im Wembley Stadion. Über 1,9 Milliarden Menschen verfolgten das Konzert live. Für Bryan Singers und Dexter Fletchers Film dient dieses Konzert als erzählerischer Rahmen. Als Künstler-Biopic erzählt der Film aus der Perspektive von Mercury. Dabei zeigt er den öffentlichen Menschen und kommt gleichzeitig auch der privaten Seite des scheuen und unsicheren Mannes nahe, der sich Zeit seines Lebens nach wirklicher Vertrautheit sehnte und dennoch seine Freunde oft verriet, weil er sich auf falsche Berater einließ. Dass er nie wirklich zu seiner Homosexualität stehen konnte, ist ein Aspekt, den der Film nie ausstellt, sondern sensibel in die Erzählung einwebt. Rami Malek ist grandios in seiner Darstellung als Freddie. Die Verletzlichkeit einer zarten Künstlerseele, die Neurosen und Allüren eines übergroßen Stars und die Getriebenheit eines nie ruhenden Genies, Malek lässt nie einen Zweifel an der Authentizität seiner Darstellung. Auch der Rest des Ensembles steht dem in nichts nach, vor allem auch im Zusammenspiel miteinander. Neben der Geschichte der Band greift das Drehbuch auch die Entstehungsgeschichte der weltberühmten Songs auf. Wenn als Höhepunkt der legendäre 25-minütige Auftritt der Band minutiös und detailgetreu nachgestellt wird, dann spürt man als Zuschauer die Kraft, die Musik freisetzen kann. Was auch der Soundtrack beweist, der kaum einen Hit von Queen vermissen lässt. „Es ist kein Biopic, es ist ein Film über Freddie und Queen, bei dem wir uns kreative Freiheit herausgenommen haben!“ - das sagte Queens Leadgitarrist Brian May selbst nach einem Konzert in Hamburg und erklärt damit innerhalb eines Satzes, was den Reiz des Films ausmacht. So ist es nicht bloß ein sehr musikalischer und emotionaler Film, sondern auch ein verdammt unterhaltsamer geworden. Der Regie gelingt ein hochsensibler, aber nie voyeuristischer Film, in dem es in erster Linie darum geht, den Geniestatus der den musikalischen Zeitgeist prägenden Band hervorzuheben. So gehören ausgerechnet die Szenen zwischen Queen und den hinter den Kulissen agierenden Produzenten und Musiklabelchefs zu den ganz großen Highlights des Films; immerhin wissen wir heute sehr genau, wie erfolgreich die Band später wurde. Als Zuschauer wird man nicht nur abgeholt, sondern mitgerissen! Ein Musikfilm der ganz großen Emotionen, mit großer Power, Opulenz und Dramatik inszeniert. Für Fans von Freddie Mercury und Queen ist dieses elektrisierend-nostalgische Musik-Biopic ein Muss. Rami Malek, um es noch einmal zu sagen, liefert in der Hauptrolle eine unglaubliche, eine fulminante Performance, die ihn zum nahezu sicheren Kandidaten für die beginnende Filmpreis-Saison macht.

DER VORNAME - 91 min. - Ab 6 J.
Ein mehr als ungewöhnlicher Vorname ist Auslöser eines Familienstreits, der im Lauf eines Abendessens immer mehr ausartet. Basierend auf dem gleichnamigen französischen Film haben Sönke Wortmann und seine vier Hauptdarsteller viel Spaß, sich allerlei Bosheiten an den Kopf zu werfen, mit denen Scheinheiligkeiten und Vorurteile entlarvt werden. Immer tiefer schneiden die Pointen, immer offener geht das Quintett miteinander um, offenbart tiefsitzende Vorurteile und Aversionen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Ein großes Vergnügen ist diese Adaption eines französischen Stücks, das mit seiner Ausgangsidee, den natürlich gerade in Deutschland aus offensichtlichen Gründen verpönten Vornamen Adolf wiederzuentdecken, geradezu nach einer deutschen Adaption verlangt hat. Die hat nun Sönke Wortmann in seinem besten Film seit Jahren erfolgreich vorgelegt. Seine durchtriebene Gesellschaftskomödie, in der im nicht nur verbalen Schlagabtausch die mentalen Sollbruchstellen eines gut situierten urbanen Milieus entlarvt werden, erinnert an Yasmine Rezas Bühnenstücke wie »Gott des Gemetzels« und »Kunst«. Doch der Film basiert auf einem anderen französischen Theaterstück, »Le prénom« von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, das 2010 in Paris uraufgeführt und mit riesigem Erfolg erstmals 2012 verfilmt wurde. Auch in Sönke Wortmanns Nachzügleradaption erweist sich die Vorlage als so unkaputtbar lustig und pointensicher wie ein Molière-Stück. Mit Wortwitz und viel Esprit bringt Wortmann die heile Fassade einer Familie zum Bröckeln. Scharfzüngig, augenzwinkernd, aberwitzig. Schöner wurde in deutschen Komödien selten gestritten.