![]() |
![]() |
| "Sternstunden - Das Fräulein Mercedes ..." Vortrag und Lesung mit Gunter Haug. Sonntag 11.3.2012 18.00 Uhr. Mit filmischem Überraschungsbonbon. Eintritt 12,00 €. Atemberaubende Geschichten, menschliche Tragödien. Die faszinierenden Schicksale von aussergewöhnlichen Menschen, die unterschiedlicher gar nicht sein konnten. Ein überaus unterhaltsamer Querschnitt aus seinen Büchern "Robert Bosch: Der Mann, der die Welt bewegte", "Gottlieb Daimler: Der Traum vom Fahren", "Das Fräulein Mercedes - Ein Mädchen erobert die Autowelt". |
| ZIEMLICH BESTE FREUNDE – 110 min. – Ab 6 J. Es gibt Filme, die öffnen das Herz. Sie berühren mit ihren ungewöhnlichen Geschichten und Figuren, die während der Handlung über sich hinaus wachsen und zu besseren Menschen werden. Das hat es seit den Sch'tis nicht mehr gegeben: 5 Millionen Zuschauer stürmten innerhalb von 12 Tagen in Frankreich die Kinos, um diese herzergreifende Tragikomödie zu sehen, um zu lachen, zu weinen und das ganz große Kinogefühl zu spüren. Diese zwei Männer würden sich normalerweise nie begegnen, der eine ist weiß und reich, der andere schwarz und arm, der eine residiert im vornehmen Pariser Stadtpalais, der andere kommt aus der heruntergekommenen Banlieue, der eine hat viel verloren, der andere hat nichts zu verlieren. Was sich wie ein unerträglich kitschiges Behindertenmärchen anhört, ist bei Olivier Nakache und Eric Toledano eine Reflexion darüber, was es heißt, nicht mehr die Kontrolle über den Körper zu haben und von der Hilfe anderer abhängig zu sein, Anteilnahme fühlen und sich gegen Mitleid wehren zu müssen. Das Regieduo erzählt mit viel (Galgen)Humor, aber auch mit Ernsthaftigkeit und ohne Larmoyanz, Pathos oder einen falschen Ton vom Zusammenprall der Klassen und von der immensen Kraft, das Leben zu nehmen, so wie es ist. Der feine François Cluzet und der forsche Omar Sy ergänzen sich, spielen souverän auf der Klaviatur der Emotionen. Der französische Erfolgshit über die bewegende Freundschaft zwischen zwei total gegensätzlichen Männern und den Mut zum Leben.
|
||||||||||||||||||||||||||||
| UND DANN DER REGEN – 103 min. – Ab 12 J. Ist ein Film das Wichtigste auf der Welt? Ein Team von Europäern, die in Bolivien einen Film über Kolumbus drehen, wird von der Realität eingeholt. Als es zu Unruhen kommt, müssen sich die Filmleute entscheiden, ob sie weitermachen, flüchten oder der unterdrückten indigenen Bevölkerung helfen wollen. Dafür müssten sie nicht nur den Film, sondern ihr Leben riskieren. Ein „Film im Film“ mit geschickten Wechseln zu Szenen in der Gegenwart. Vor dem wahren Hintergrund des „Wasserkriegs“ von Cochabamba im Jahr 2000 entwickelt sich eine brillant konstruierte Geschichte, in der es um Ausbeutung, Mut und Ideale geht. Haben die Menschen in den letzten 500 Jahren dazugelernt? Lassen sich Humanismus, Menschenwürde und Menschenrechte mit der Wirklichkeit vereinbaren, oder handelt es sich um Lippenbekenntnisse? Das sind die Themen dieses beeindruckenden Filmwerks, das eine fiktionale Handlung mit historischen Tatsachen verknüpft, wobei sich monumentale Filmbilder mit beinahe dokumentarischen Szenen abwechseln. Das ist nicht nur geschickt gemacht, sondern vor allem hochgradig spannend. Die visuelle Umsetzung in Cinemascope-Bilder von überwältigender Schönheit und realistischer Direktheit ist der genialen Kameraarbeit des Alex Catalán zu verdanken. Ein moderner Abenteuerfilm: bildgewaltig, anspruchsvoll, unterhaltsam, spannend. Eine filmisch großartige und sozial wichtige Produktion aus Südamerika. Grandioses Kino.
|
||||||||||||||||||||||||||||
| Nora Tschirner OFFROAD – 98 min. – Ab 12 J. Mit gerade mal dreißig Jahren ist das Leben von Meike im Kleinstadt-Reihenhaus, als Juniorchefin des väterlichen Betriebs für Grasauffangsäcke von Rasenmähern und zukünftige Ehefrau eines biederen Langweilers, bereits auf Kurs in die ewige Überraschungslosigkeit. Ein kleiner Bierrausch beim Schützenfest, na eben was die Kleinstadt so hergibt: "Soll das wirklich schon alles sein?" Da passiert das Unerwartete: Sie erwischt ihren Verlobten mit ihrer besten Freundin im Bett, der Lebensplan scheint gescheitert. Das Chaos setzt sich fort, als sie eine große Menge Kokain in einem Jeep findet. Der ideale Zeitpunkt, um ein neues Geschäftsmodell zu starten. OFFROAD wäre eigentlich ein Rückfall in deutsche Komödien-Ödnis, wären da nicht seine Hauptdarsteller: Nora Tschirner mit ihrem forsch-naiven Spiel und Elyas M'Barek (aus der Fernsehserie "Türkisch für Anfänger") mit seinem sinnlichen Charme. Wenn Nora Tschirner Meike die Dinge frech und unverblümt beim Namen nennen lässt, mit entwaffnender Natürlichkeit, dann verzeiht man diesem Film einige Klischees und Ungereimtheiten. Ein Spaßfilm, ein turbulenter Mix aus Komödie, Thriller und Roadmovie, in dem eine sympathische Nora Tschirner eine junge Frau spielt, deren Leben so ziemlich aus dem Ruder läuft.
|
||||||||||||||||||||||||||||
| Hannes Wader, Konstantin Wecker: WADERWECKER VATERLAND – 90 min. – Ab 6 J. Regisseur Rudi Gaul begleitet Hannes Wader und Konstantin Wecker von den Proben bis hin zur gemeinsamen Tournee. Er erzählt humorvoll von der Annäherung der beiden politischen Liedermacher und entfaltet in Einzelporträts und anhand von Archivaufnahmen die ungewöhnlichen Lebensgeschichten dieser beiden Ausnahmemusiker, deren Songs und Geschichten ganze Generationen begleiten. Beide hatten bewegte Lebensläufe, in denen sich trotz ihrer scheinbar so unterschiedlichen Persönlichkeiten ein Stück bundesdeutscher Zeitgeschichte widerspiegelt. Zwei der wichtigsten deutschen Liedermacher gemeinsam unterwegs in Deutschland.
|
||||||||||||||||||||||||||||
| HABEMUS PAPAM – Ein Papst büxt aus – 108 min. – Ab 6 J. - Letztmals! Zweifel an seiner Berufung als Papst, ein Nervenzusammenbruch und ein Therapeut. Dies steht im Mittelpunkt des neuen Films von Nanni Moretti, der in DER ITALIENER mit Berlusconi abrechnete, hier die katholische Kirche allerdings mit Samthandschuhen anfasst und sich nicht um brandaktuelle Diskussionen schert, dem Vatikan also nicht nur jede Anklage, sondern auch Ironie oder Satire erspart bleiben. Im Mittelpunkt steht die Figur des Melville, dargestellt von einem wunderlich-sympathischen Michel Piccoli, der das Menschsein und die Menschlichkeit und seine Sehnsucht nach dem Theater in kleinen Schritten neu entdeckt. Der Papst macht die Fliege, statt sich der Welt zu zeigen. Während die Würdenträger ahnungslos bleiben und nur wenige vom Chaos wissen, schnuppert der Pontifex in spe ins richtige Leben und findet es dort viel unterhaltsamer, als brav den Segen zu erteilen. Moretti inszeniert subtil und satirisch humorvoll mit einer überzeugenden Mischung aus schnellem Dialogwitz und elegischen Momenten der Stille und Selbstreflexion. Ein sanfter und witziger Film, der mit viel Ironie hinter die Kulissen des Vatikans und der Papstwahl blickt. Ein ganz und gar weltliches Kinovergnügen.
|
||||||||||||||||||||||||||||
| Christian Ulmen ist JONAS – 109 min. – Ab 6 J. Der Promi aus der letzten Bank: Christian Ulmen hat sich für seine Reality-Komödie als Sitzenbleiber ausgegeben. Einige Mitschüler haben ihm das sogar abgenommen. In seinen Fernsehauftritten hat er die Reibungskräfte untersucht, die eine fiktive, überhöhte Figur in Auseinandersetzung mit der Realität des Alltags freisetzt. Diese Erfahrungen treibt Ulmen in seinem neuen Kinofilm weiter voran, indem er sich als achtzehnjähriger Mehrfachsitzenbleiber in eine Gesamtschule in Zeuthen nahe Berlin einschleicht. Die Direktion und die Lehrer waren eingeweiht, die Schüler nicht. Die wussten nur, dass da ein Neuer kommt, der für eine Reportage von einer Kamera begleitet wird. JONAS ist weder Spielfilm noch Dokumentation, gedreht wurde unter realen Bedingungen mit echten Schülern und Lehrern. Ein Drehbuch im klassischen Sinne gab es nicht, das Team hat sich "vom System einfach mitreißen lassen". JONAS hat ein paar ausgesprochen komische Szenen und einige Momente, in denen die Kamera es geschafft hat, ein Stück Wahrhaftigkeit einzufangen. Ganz aufgehen möchte die Reality-Comedy auf der Leinwand aber nicht. Das Publikum vergisst ja nicht eine Minute, wer wirklich unter der Perücke steckt, und dadurch entsteht eine unproduktive Distanz zum filmischen Geschehen, das sich mit dem Mantel der Authentizität zu umhüllen versucht. Oftmals wünscht man sich den Ulmen einfach weg, weil er die Beobachtung einer Welt stört, die ohne den Promi sehr viel interessanter wäre.
|
|||||||||||||||||||||||||||||
| BLUE VALENTINE – 112 min. – Ab 12 J. Nach sechs gemeinsamen Jahren bröckelt die Ehe zwischen Dean und Cindy. Aus Leidenschaft ist Gewöhnung und Ernüchterung geworden, aus jugendlicher Leichtigkeit Schwere des Alltags. Sie will beruflich als Medizinerin etwas erreichen, er hat jegliche berufliche Ambitionen aufgegeben. Streitereien um Geld und Kind zermürben. Wie es dazu kam, wissen beide nicht. Rettet Deans skurrile Idee, in einem futuristischen Love-Motel noch einmal die einstige Magie zwischen ihnen aufleben zu lassen, die Beziehung? Amerikanisches Independentkino mit Starbesetzung über das Suchen, Finden und Verlieren der Liebe und die Verwundbarkeit großer Gefühle im Alltag. Das Reizvolle an diesem Film: Die Montage der verschachtelten Zeitebenen und Parallelmontagen von heute und damals lässt den Zuschauer immer wieder fragen, an welcher Stelle der Paarbeziehung die Szene verweilt. Überragend in dieser Versuchsanordnung: Michelle Williams und Ryan Gosling. Die Vergangenheitsszenen wurden auf Super-16-mm mit Handkamera gedreht, um eine lockere Stimmung von Freiheit und Jugendlichkeit zu schaffen, für die Gegenwartsgeschichte waren zwei feste Digitalkameras im Einsatz, Teleobjektive sorgen für eine klaustrophobische Atmosphäre. Wo Nähe ist, reibt man sich wund: Zwei Menschen in Verzweiflung gefangen, und doch mit Zuversicht für ihre Beziehung.
|
||||||||||||||||||||||||||||
| Elmar Wepper: DREIVIERTELMOND - 94 min. – Ab 6 J. - Nur noch kurze Zeit. Seine Frau verlässt ihn nach 30 Jahren Ehe, er muss sein Leben noch einmal völlig neu ordnen, dabei hat Hartmut doch am liebsten seine Ruhe und verschanzt sich hinter einem Panzer aus Vorurteilen, Selbstgenügsamkeit und skeptischer Ablehnung gegenüber allem Fremden und Neuen. Da passt es ihm gar nicht, dass eines Tages die 6jährige Hayat in seinem Taxi auftaucht, kein Deutsch spricht und auf seine Hilfe angewiesen zu sein scheint. Mit der zärtlichen, tief bewegenden Tragikomödie liefert der aktuelle zweifache Grimme-Preisträger Christian Zübert sein bis dato bestes Leinwandstück ab. Der Film selbst ruht lediglich auf zwei Schulterpaaren, einem in Ehren gealterten und einem noch jungen, ganz zarten. Das eine gehört Elmar Wepper, der nach seinem herausragenden Part in KIRSCHBLÜTEN nun als grantelnder, sich selbst und die Menschen verabscheuender Taxler Hartmut eine weitere Rolle seines Lebens spielt. Das andere gehört Mercan Türkoglu als Hayat, einem sechsjährigen Berliner Naturtalent. Die Momente, in denen der deutsch parlierende Wepper und die türkisch sprechende Mercan mit sturer Konsequenz aneinander vorbeireden und sich dennoch irgendwie verstehen, gehören zu den schönsten des Films, der phasenweise sogar an Jan Sveráks eigentlich unerreichten Oscar-Preisträger KOLYA heranreicht. Doch Zübert gibt sich damit nicht zufrieden: Er legt auch Wert auf glaubhafte Nebencharaktere wie etwa Hartmuts (Ex-)Frau (zum Niederknien: Katja Rupé), den völlig überforderten (deutschen) Vater von Hayat oder den freundlichen türkisch-fränkischen Dönermann, der dem ungleichen Paar als Dolmetscher dient. Zudem hat man Nürnberg im Kino selten so fotogen erlebt und deren Bewohner so authentisch und (be-)greifbar. DREIVIERTELMOND besitzt alle Ingredienzien für eine mitreissende Tragikomödie, die gleichermassen berührt wie amüsiert, zum Nachdenken animiert, zuweilen auch schockiert, dabei aber immer auch eine Lanze bricht für Toleranz und Mitgefühl.
|
||||||||||||||||||||||||||||