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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Montag, 10.6. bis Mittwoch, 19.6.19.

KINOTHEK 1 ...      Beginn Datum KINOTHEK 2 ...      Beginn

Mo 10.6.
DER FALL COLLINI
20.15 Di 11.6. GUNDERMANN 20.15
VAN GOGH  An der Schwelle zur Ewigkeit
PORTUGAL - DER WANDERFILM
17.45
20.15
Mi 12.6. ***REMBRANDT  (OmU)
***EIN GAUNER UND GENTLEMAN
17.45
20.15
VAN GOGH  An der Schwelle zur Ewigkeit
20.15 Do 13.6. NEU  DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
17.30
20.15
Fr 14.6. MONSIEUR CLAUDE 2
DER FALL COLLINI
17.30
20.15
PORTUGAL - DER WANDERFILM
NEU   NUR EINE FRAU
BOHEMIAN RHAPSODY
15.15
17.45
20.15
Sa 15.6. NEU  ALFONS ZITTERBACKE
DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE
MONSIEUR CLAUDE 2
15.15
17.45
20.15
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
VAN GOGH  An der Schwelle zur Ewigkeit
15.15
17.45
So 16.6. ALFONS ZITTERBACKE
NEU  BORDER
15.15
17.45
VAN GOGH  An der Schwelle zur Ewigkeit 20.15 Mo 17.6. **GUNDERMANN 20.15
NUR EINE FRAU
20.15 Di 18.6. DER FALL COLLINI 20.15
PORTUGAL - DER WANDERFILM
NUR EINE FRAU
BOHEMIAN RHAPSODY
16.00
18.15
20.30
Mi 19.6. **THIS MOUNTAIN LIFE Die Magie der Berge  (OmU)
DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE
BORDER
16.00
18.15
20.30
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE - 94 min. - Ab 6 J.
Warum sich nicht trennen von den mit so vielen Erinnerungen aufgeladenen Gegenständen, die ihr Haus bis an den Rand füllen? Claire Darling (Catherine Deneuve) ist eine alte Dame, die alleine in einem herrschaftlichen Haus am Rande des Dorfs lebt. Zudem ist es die Demenz, die von ihr Besitz zu ergreifen scheint. Und was nützen all die Dinge, wenn man mit ihnen keine Erinnerungen mehr verknüpfen kann? Zudem ist sie davon überzeugt, dass sie innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben wird, so wie sie es in der letzten Nacht geträumt hat. Aus dem Stegreif veranstaltet sie einen Trödelmarkt im eigenen Garten, bei dem sie sie zu Schleuderpreisen verscherbelt. Die Antiquitätenhändlerin des Dorfes will das Schlimmste verhindern und alarmiert ihre Tochter Marie (Chiara Mastroianni), die ihre Mutter seit einem Streit vor 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch die scheint nicht das einzige Gespenst aus der Vergangenheit zu sein, das die exzentrische Dame erneut aufspürt. Mit jeder Erinnerung begegnet Claire nicht nur einem Echo ihrer Jugend und ihrer Liebhaber, sondern tragischen Geheimnissen, unausgesprochenen Differenzen und alten Familiendramen, die erneut zum Leben erweckt werden, auf einer aufregenden Reise ins Herz der vergangenen Zeit. Was bedeutet eine Sache, ein Bild oder eine Uhr für jemanden, der damit keine Erinnerungen verbindet? Und was geschieht umgekehrt mit den Erinnerungen, wenn es keine Beziehungen mehr zu greifbaren Dingen gibt? „Der Flohmarkt der Madame Claire“ beginnt scheinbar als leichte Komödie über eine eigensinnige alte Dame umgeben von der sommerlichen Idylle der französischen Provinz. Aber Regisseurin Julie Bertuccelli taucht mit dem Flohmarkt der verblassenden Erinnerung immer tiefer in ein Familiendrama ein. Dabei werden die Antiquitäten im Hof zu Türen in die Vergangenheit, die in einer geschmeidigen Rückblendendramaturgie entschlüsselt wird. Eine bewegende Mutter-Tochter-Geschichte, basierend auf einem Roman von Lynda Rutledge. Catherine Deneuve dominiert mit ihrem wunderbar lässigen und doch tiefsinnigen Spiel das Geschehen, das sie mit viel Süffisanz und einiger Selbstironie unterlegt.

BORDER – 110 min. – Ab 16 J.
Es war einmal eine etwas sonderbare Zöllnerin, die mit ihrer feinen Nase jeden Schmuggler erschnüffeln konnte. Weniger perfekt fällt das Privatleben von Tina aus. Bis eines Tages an der gemütlichen Grenzstation jener mysteriöse Vore auftaucht, dessen Duft eine ganz besondere Kraft auf sie ausübt. Das Leben der braven Beamtin wird sich fortan radikal verändern. Etliche Rätsel ihrer wahren Vergangenheit werden gelöst, die Weichen in die Zukunft neu gestellt. In Cannes avancierte das überaus ungewöhnliche, zudem raffiniert konstruierte Fantasy-Drama zum verdienten Festival-Liebling. Wer von üblichen Story-Strickmustern gelangweilt ist, kommt bei dieser surrealen Wundertüte bestens auf seine Kosten. Das Geschehen ist nicht nur an einer physischen Grenze zwischen zwei geografisch verortbaren Ländern angesiedelt, sondern auch an einer imaginären zwischen konkreter Realität und mythischer Welt. Das, was sich dort abspielt, ist wiederum grenzwertig, insofern es Tabus verletzt, an moralischen Maßstäben rüttelt und das Vorstellungsvermögen herausfordert. Schließlich sind auch die Protagonisten Wesen an einer Grenze, oder vielmehr Heimatlose in einem Zwischenreich, die ihren Weg finden müssen. Beziehungsweise muss Tina sich über ihre Identität klar werden und in der Folge ihre Loyalitäten überdenken, als sie Vore begegnet. Sodann nehmen die Ereignisse ihren Verlauf, mit denen man nicht gerechnet hat, die sich jedoch mit der größten Selbstverständlichkeit als faktisch präsentieren und daher sehr plausibel wirken. Ähnlich wie in einem Märchen, in dem die Existenz von Zwergen, Riesen, Feen oder Hexen auch nicht hinterfragt wird und in dem daher ein tieferer Sinn sichtbar werden kann, der vordergründig zwar erzieherisch wirken mag, der jedoch weniger auf Disziplinierung denn auf Herzensbildung abzielt. Denn nicht zuletzt handelt »Border« auch von der Ausgrenzung von Minderheiten, von der Wahrnehmung des Fremden und überhaupt von einer Reihe schwergewichtiger Themen, die auf diese Art verhandelt zu sehen mindestens ungewöhnlich ist. »Border« ist eine wagemutige Fabel, sprengt sich regelrecht frei und erobert dem erzählerisch Möglichen neues Terrain. Eine Pionierarbeit. (epd-film).

Produziert von Sandra Maischberger:   NUR EINE FRAU –  97 min. – Ab 12 J.
Die Zerrissenheit junger Migrantinnen zwischen einem selbstbestimmten westlichen Lebensstil und den streng patriarchalen Traditionen ihrer Familie ist seit langem ein Thema. Fern aller Klischees und Vorverurteilungen beleuchtet Regisseurin Sherry Hormann (Wüstenblume) den Konflikt von allen Seiten und macht die Zerrissenheit der Figuren und die fatale Abhängigkeit von patriarchal-religiösem Absolutismus spürbar. Intensiv arbeitet sie die perfide Paradoxie des brutalen Verbrechens „Ehrenmord“ heraus und zeigt auch die juristische schwierige Aufarbeitung des Falls. Für ihren aufwühlenden, dokumentarisch-dichten Gegenwartsfilm mit ungewöhnlichen Stilmitteln und einer außergewöhnlichen Erzählstruktur vertraut sie zu Recht auf ihre großartige Hauptdarstellerin Almila Bagriacik. Aus dem Off kommentiert sie berührend ihre Leidensgeschichte. Fast wie Stationen eines mittelalterlichen Kreuzwegs werden auf der Leinwand zwischen den Spielfilmszenen ihre angeblichen Verfehlungen aufgelistet. Hintergrund für das aufwühlende Drama ist der „Ehrenmord“ von Berlin an der 23jährigen Hatun Sürücü, der 2005 Schlagzeilen machte. Eine Studie des Bundeskriminalamtes geht von einem Dutzend Tötungsdelikten in Deutschland jährlich aus, die „im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände“ verübt werden, um Frauen für ihren „westlichen“ Lebenswandel zu bestrafen.

ALFONS ZITTERBACKE –  92 min. – Ab 0 J.
Die Abenteuer des zehnjährigen Hobbytüftlers und Tollpatschs, dessen großer Traum es ist, Astronaut zu werden, ist eine Kultfigur der DDR, die jetzt eine Wiederauflage von Regisseur Mark Schlichter im großen Stil erfährt, die auf hervorragende Weise für ein breit aufgestelltes junges Publikum geeignet ist. Nach drei Büchern, einem Kinofilm und einer Fernsehserie hat es die liebenswerte Figur von Kinderbuchautor Gerhard Holtz-Baumert, von Mark Schlichter mit viel Herz und Witz inszeniert, in unsere bundesrepublikanische Gegenwart geschafft. Eine wunderbare Außenseitergeschichte, die pädagogisch ambitioniert, aber keinesfalls schulmeisterlich daherkommt. Auf unterhaltsame Weise vermittelt das hervorragende Drehbuch sympathische Werte, erinnert Kinder daran, dass ihre Eltern mal genauso waren wie sie und appelliert an jedermanns Recht, anders zu sein als andere und mit Stolz die eigene Macke auszuleben. Dass es die Kinder sind, die die besten Einfälle haben und Erwachsene nicht immer recht haben müssen, ist eine der vielen positiven Botschaften, die den Film durchziehen. Mit deutscher Starbesetzung.


Aktuell im Programm: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

DER FALL COLLINI - 122 min. - Ab 12 J.
Ende der 60er Jahre wurde im Bundestag ein nur scheinbar harmloses Gesetz verabschiedet, demzufolge sämtliche Mordgehilfen im Dritten Reich zu Totschlägern heruntergestuft wurden. Damit unterlagen ihre Verbrechen kürzeren Verjährungsfristen, was de facto einer Generalamnestie gleichkam. Es ist sicher nicht einfach, über ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs Interesse zur Geschichte nationalsozialistischer Verbrechen zu wecken. Doch Regisseur Marco Kreuzpaintner gelingt es mit seinem exzellent besetzten Drama noch einmal Licht ins Dunkel dieses immer wieder verdrängten Kapitels zu bringen. Basierend auf dem Justiz-Roman des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach beleuchtet er spannend einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte. Mit Hauptdarsteller Elyas M’Barek als idealistischem Junganwalt erschließt sich hoffentlich auch der jüngeren Generation dieses wichtige, komplexe Thema. Denn die Schlussstrichmentalität der Nachkriegsgesellschaft mit der verordneten „Gnade der späten Geburt“ kann keine Lösung sein. Das Drama rückt das immer noch erschreckend wenig bekannte, in seiner Komplexität auch schwer verständliche, nicht korrigierte Versagen der deutschen Justiz bei der Verfolgung von Naziverbrechen nachdrücklich ins Bewusstsein. Eine fesselnde und bewegende Geschichte über Rache, Recht und Gerechtigkeit, die nicht nur Unterhaltung bietet, sondern auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit einem hochkomplexen und wichtigen Thema. In weiteren Rollen: Franco Nero, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach, Manfred Zapatka, Jannis Niewöhner, Rainer Bock, Catrin Striebeck.

VAN GOGH – An der Schwelle zur Ewigkeit – 111 min. – Ab 6 J.
Viele große Regisseure wie Robert Altman, Vincenti Minelli oder Akira Kurosawa haben sich mit Vincent van Gogh beschäftigt, über keinen Maler gibt es so viele Filme wie über ihn. Sicher kein Zufall, gelingt van Gogh doch etwas, wonach auch die besten Regisseure streben: Nicht zu erzählen, sondern durch Bilder Emotionen zu evozieren. Weniger um eine konventionelle Narration geht es auch Julian Schnabel in seinem Film, sondern um den Versuch anzudeuten, wie van Gogh die Welt sah. Weite Passagen bestehen aus impressionistischen Aufnahmen, gefilmt vom brillanten Kameramann Benoît Delhomme, der ebenfalls ein Maler ist und zusammen mit Schnabel Bilder gefunden hat, die es schaffen, anzudeuten, was van Gogh gesehen haben mag: Gleißendes, mal weiches, mal hartes Licht, satte Farben, geprägt von dem Gelb der Felder, dem Grün der Blätter, dem Blau des Himmels, das van Goghs Gemälde prägt. Als Schule des Sehens mag man Schnabels Film begreifen, aber auch als Andeutung der Kosten, den die besondere Gabe mancher Künstler fordert. Zunehmend von Verzweiflung ist das markante Gesicht von Willem Dafoe gezeichnet, der van Gogh weniger spielt, als mit ganzem Einsatz verkörpert. Nur wenn er sich allein durch die Natur bewegt scheinen ihm Momente des Glücks vergönnt, Momente, in denen er ganz rein mit sich und der Welt ist. Als wahnsinnige Gabe schildert Schnabel van Goghs Fähigkeit, in seinen Bildern Momente einzufangen, die die Welt nicht zeigen, wie sie oberflächlich aussieht, sondern wie sie im Kern ist. Natürlich huldigt Schnabel dabei auch einem Geniekult, er verklärt den genialisch-wahnsinnigen Künstler, als der er sich auch selbst gerne gibt. Und doch: Selten wurde der Schaffensprozess eines Künstlers so authentisch auf die Leinwand gebracht wie es Schnabel, Dafoe und Delhomme hier gelingt. Nicht nur ein Film über die Kunst, sondern auch über das kompli­zierte innere Leben des Künstlers und darüber, wie es ist, van Gogh zu sein: über seine Ängste und Einsam­keit, seine Krankheit und Leiden, über einen Fremden, der von keinem verstanden wird, einem Verstoßenen, der aber an seine von Gott geschenkte Gabe fest glaubt, einen Glück­se­ligen, während er malt, einen Wahn­sin­nigen, der überzeugt ist, dass Kunst zumindest einen Bruchteil der Wahn­sin­nig­keit braucht, einen Verzwei­felten mit dem Drang zur Selbst­zer­stö­rung, ein Genie, das an der Schwelle zur Ewigkeit die Welt verließ und sie nie zu seinen Lebzeiten erfuhr.

PORTUGAL – Der Wanderfilm – 100 min. – Ab 0 J.
In ihrem Lieblingsland Portugal haben Silke Schranz und Christian Wüstenberg ("Die Nordsee von oben", „Australien in 100 Tagen“) schon so ziemlich jede Ecke bereist. Oft sind sie zu wunderschönen Stränden gefahren, sind am Wasser entlanggelaufen und fanden es so schade, irgendwann umdrehen zu müssen. Zurück zum Mietwagen! Ihre Sehnsucht, einfach weiterzulaufen, zu erfahren, was sie hinter der nächsten Kurve, dem nächsten Felsen erwartet, wurde so groß, dass sie es eines Tages einfach gemacht haben. Auf dem Fernwanderweg Rota Vicentina wurden aus geplanten einhundert Kilometern am Ende eintausend. Die wunderschöne Landschaft, die unbändige Natur und die tosenden Wellen an der portugiesischen Küste haben die beiden Filmemacher absolut in ihren Bann gezogen. So sehr, dass aus ihrer Wanderung jetzt ein Kinofilm entstanden ist. Die Route führt die Wanderer dabei von Sagres an der Algarve über Lissabon bis hoch in den Norden nach Porto.


THIS MOUNTAIN LIFE - Die Magie der Berge - 78 min. - Ab 6 J. - OmU
Die Gründe, wieso Menschen Berge lieben und es sie in die alpine Natur hinauszieht, sind vielfältig. Und doch wagen sich die meisten Einheimischen in einem Gebiet, das zu 75 Prozent aus Hochflächen besteht, nur selten in die gefährliche Natur. Die Rede ist von den Bergwelten in British Columbia. Grant Baldwin zeichnet ein intimes Porträt der verschneiten Coast Mountains in Kanada sowie einiger Personen, deren Leben mit den beeindruckenden Riesen verbunden ist. Schon die ersten Minuten des Films sind geprägt von betörenden Bildern, die die imposanten Gebirgsketten einfangen. Die Kamera folgt einem älteren Mann, der sich seinen Weg durch die Weiten der Schneelandschaft bahnt … Es ist der gelungene Einstieg in einen Film, der die Schönheit der kanadischen Gebirgsnatur in einer Vielfalt einfängt, wie man sie selten zuvor gesehen hat. Baldwin bedient sich unterschiedlicher visueller Stile und technischer Methoden, um dem Zuschauer, im wahrsten Wortsinne, verschiedene „Blickwinkel“ auf die unberührte Region zu gewähren. Andererseits nutzt er seine Zeitraffer-, Luft- und Makroaufnahmen auch, um das Leben vor Ort einzufangen. Für dieses „Leben“ stehen die vielen Protagonisten, die Baldwin bei ihren teils waghalsigen Unterfangen mit der Kamera begleitet und sie in Gesprächen zu ihrer Motivation und Vergangenheit befragt. Wichtige Ereignisse und einschneidende Erlebnisse aus ihrem Leben, visualisiert er zudem durch tolle Animationen und Tricksequenzen. Die herzerwärmendste Geschichte des Films zeigt ein Paar, das, vom Versorgungsnetz abgeschnitten, seit 50 Jahren hoch oben in den Bergen ein selbst erbautes Haus bewohnt. Sie leben von und mit dem, was die Natur hergibt, ganz weit weg vom Stress und der Hektik unserer Großstädte.

Exhibition on Screen: REMBRANDT - 90 min. - Ab 6 J. - OmU
Jede Rembrandt-Ausstellung wird mit Spannung erwartet, die Ausstellungen, die jedoch in der Londoner National Gallery und dem Amsterdamer Rijksmuseum stattfanden, waren einzigartige Ereignisse. Mit exklusiven Einblicken in die Ausstellungsvorbereitungen beider Häuser, verwoben mit der Lebensgeschichte des Malers, zeigt REMBRANDT den großen Künstler und gleichsam den Mann hinter seinem Ruf. Mit Hilfe von geladenen Gästen dieser beiden außergewöhnlichen Kunstereignisse, darunter Kuratoren und führende Kunsthistoriker, finden die wichtigsten Arbeiten der Ausstellungen ihren Weg auf die Kinoleinwand. Aus gegebenem Anlass, dem 350. Todestag Rembrandts (4. Oktober 1669), wieder im Kino.


MONSIEUR CLAUDE 2 - Immer für eine Überraschung gut - 99 min. - Ab 6 J.
Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ihre vier attraktiven Töchter multikulturell geheiratet haben. Ihr beschauliches Leben in der französischen Provinz ist freilich nicht mehr ganz so wie früher. Denn die Heimatländer ihrer internationalen Schwiegersöhne warten schon auf sie. Und so rafft sich das großbürgerliche, konservative Paar zu einer Rundreise auf. Vor vier Jahren avancierte die schwarzhumorige französische Familienkomödie über einen bourgeoisen Vater am Rande des Nervenzusammenbruchs, den seine Töchter Toleranz lehren, zum Publikumshit. Auch diesmal zündet Regisseur Philippe de Chauveron erneut ein Feuerwerk an pointiertem Witz und erfrischender, schonungsloser Provokation. Lustvoll lässt er seine Charaktere wieder aufeinanderprallen. So können sich die Zuschauer mit Hauptdarsteller und Publikumsliebling Christian Clavier als  „Old school“-Repräsentant zwischen Zynismus und Lebenslust, bestens besetzten Nebenrollen, genauem Timing und einer verblüffenden Leichtigkeit, trotz des brisanten Themas, auf eine charmant-bissige gesellschaftliche Gratwanderung freuen.

EIN GAUNER UND GENTLEMAN – 93 min. – Ab 6 J.
Die Geschichte vom 18 Mal aus dem Gefängnis fliehenden Verbrecher klingt unglaubwürdig, bis man am Ende erfährt, dass nichts davon den wahren Ereignissen um Forrest Tuckers unkonventionelle Lebensgeschichte hinzugedichtet wurde. Tucker gab es wirklich. Er lebte von 1920 bis 2004 und konnte zum Zeitpunkt seines Todes eine bemerkenswerte Lebensgeschichte vorweisen. Er verbrachte den Großteil seines Lebens aufgrund von Banküberfällen hinter Gittern. Regisseur David Lowery erzählt in seiner Gangsterkomödie aus dem Leben des vermutlich einzigen Gentleman-Gangsters der Welt. Und er balanciert allein schon durch dieses widersprüchliche Verhalten des im Mittelpunkt stehenden Antihelden genüsslich auf der Grenze zwischen Drama und Komödie. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Tucker (Robert Redford) hier sein routiniertes Handwerk vollzieht, fördern nicht selten (im Anbetracht der Umstände) komische Situationen zutage, doch natürlich bleibt der Film letztlich eben doch das Porträt eines Gangsters. Die parallel zu den Überfällen stattfindende Ermittlerarbeit, in denen sich der solide von Casey Affleck verkörperte Detective John Hunt verbissen auf die Spur des Trios begibt, nimmt im Film nicht weniger Raum ein. Das ist wichtig, um Tuckers Taten nicht zu verklären und immer wieder deutlich zu machen, was und wem man hier eigentlich gerade zusieht. Ein wenig unter dem Radar läuft dagegen die aufkeimende Beziehung zwischen Tucker und Jewel, die zeitweise den Eindruck erweckt, dem rüstigen Rentner eher alibimäßig noch ein wenig Hintergrund zuzugestehen, um ihn nicht ausschließlich auf sein Dasein als Bankräuber zu reduzieren. Dafür macht es Spaß, „Carrie“-Star Sissy Spacek endlich mal wieder auf der Leinwand zu sehen. Wenn man den Äußerungen Robert Redfords Glauben schenkt, sieht man ihn übrigens hier das letzte Mal als Darsteller in einem Film, was die Hollywood Foreign Press übrigens vor einigen Wochen direkt mit einer Golden-Globe-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ zu würdigen wusste. Diese Ankündigung ist Fluch und Segen zugleich: Sollte sich Redford tatsächlich aus der Schauspielerei zurückziehen, wäre „Ein Gauner & Gentleman“ die optimale Wahl, um von der Weltbühne abzutreten, denn bisweilen fühlt sich der Film auch ein wenig so an, als hätte man es hier mit einem „Best of Redford“ zu tun, in dem immer wieder auf frühere Stationen in der Karriere des Hollywoodstars Bezug genommen wird. Gleichzeitig war der gebürtige Kalifornier lange nicht mehr so stark. Es wäre schon schade, ihn nie wieder zu sehen.

Lola in Gold. Deutscher Filmpreis 2019. Nochmals im Programm: GUNDERMANN – 126 min. – Ab 12 J.
Ein Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown, ein Idealist. Der träumt, hofft, liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen und auch ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren, sein Herz blieb einfach stehen.
Kann ein Verräter, selbst wenn er das Herz auf dem richtigen Fleck hat, wirklich die Welt verbessern? Wie kann man überzeugter Kommunist sein und im Sozialismus trotzdem systemkritische Lieder singen? Was macht das mit einem, der sich 1976 als IM für die Stasi anwerben ließ, wenn er erfährt, dass er selbst jahrelang bespitzelt worden ist? Warum fährt einer überhaupt jeden verdammten Arbeitstag in den stickig-braunen Tagebau zwischen Dresden und Cottbus zurück, obwohl er doch bereits im Vorprogramm von Bob Dylan oder Joan Baez aufgetreten ist und von seiner musikalischen Begabung seit den frühen 1990ern längst schon leben könnte?
Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) ahnt nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst, der sich bis zu seinem frühen Tod mit nur 43 Jahren nie verzeihen wird, was er getan hat. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt. - Bei Andreas Dresen ist man immer „mittendrin statt nur dabei“. Wir erleben hautnah und ungekünstelt, was es bedeutet, seine Vergangenheit zu verdrängen und was passiert, wenn sie uns über Umwege doch heimsucht. In „Gundermann“ befasst sich Dresen mit der bislang wenig bekannten Geschichte des Weimarer Liedermachers Gerhard Gundermann, der lange Zeit als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier galt, nicht zuletzt, weil er selbst dort arbeitete. Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen zeichnet das kontrastreiche Bild einer Person, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert. Die ausführlichen Gesangseinlagen Gundermanns entfalten die Wirkung eines erzählerischen Leitfadens; mal lässt sich der Bezug zwischen Text und Ereignis direkt feststellen, ein anderes Mal wiederum dauert es etwas, bis man erkennt, woher Gundermann die Fantasie für das nahm, was er auf der Bühne von sich gab. „Gundermann“ springt zwischen zwei Zeitebenen: Da ist das Hier und Jetzt Mitte der Achtzigerjahre, als er sich erstmals mit seiner Stasi-Vergangenheit auseinandersetzen muss. Zum anderen geben kurze Rückblenden Einblicke in die Zeit, als Gundi dem Ministerium für Staatssicherheit angehörte. Viel ausgefeilter und intensiver gerät aber die Aufarbeitung. Schließlich folgt auf die eigene Erkenntnis die Frage danach, wie man sein Umfeld über seine Vergangenheit informiert; und ob es das überhaupt braucht. Alexander Scheer ist als Gerhard Gundermann kaum wiederzuerkennen, agiert allerdings überragend. Sein Hin- und Hergerissen sein zwischen Unsicherheit und Bekenntnis wirkt nie widersprüchlich und lässt den Zuschauer glaubhaft an dem inneren Zwiespalt seiner Figur teilhaben.


GREEN BOOK – Eine besondere Freundschaft – 130 min. – Ab 6 J.
Die stärksten Storys schreibt bekanntlich das Leben. Dies ist eine dieser schönen Geschichten, die einem nicht nur ans Herz gehen, sondern auch vor Augen führen, was in dieser Welt an so vielen Stellen falsch läuft. Es ist im Kern ein Film, der versucht, die Zuschauer emotional zu packen, mal mit Humor, mal mit dramatischen Szenen. Es geht um einen latent rassistischen Einfaltspinsel, der in den 60er Jahren als Chauffeur für einen sehr gebildeten, schwarzen Musiker anheuert. Die Tour führt in den tiefsten Süden der USA und in die Abgründe der alltäglichen Diskriminierung. Aus dem ungleichen Duo werden alsbald ziemlich beste Freunde. In diese Freundschaft eingeschlossen wird auch der Zuschauer. Die beiden Helden haben ihre Ecken und Kanten. Ihrem unheimlichen Charme wird man aber kaum widerstehen. Ebenso wenig der warmherzigen Botschaft. In zynischen Zeiten von Hass und Häme, werden humanistische, bewegende Filme zu publikumsträchtigen Leuchttürmen auf der Leinwand. Regisseur und Koautor Peter Farrelly gelingt mit diesem warmherzigen, lakonisch komischen Antirassismus-Drama ein Film mit Klassiker-Qualitäten. Das ungleiche Paar ist psychologisch plausibel und ebenso pointenstark entwickelt. Mahershala Ali („Moonlight“) verleiht dem sensiblen Pianisten charismatischen Glanz. Derweil Viggo Mortensen als gutherzige Quasselstrippe dem Affen mit sichtlichem Vergnügen reichlich Zucker geben darf. Intellektuell mag das Arbeiterkind aus der Bronx kaum glänzen. Was Haltung und Werte anlangt, stellt er sie alle mit nonchalanter Selbstverständlichkeit in den Schatten. Politisches Aufklärungskino, das ausgesprochen vergnüglich und bewegend ausfällt: Nie war es so wertvoll wie heute.

DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT – 100 min. - Ab 6 J.
Caroline Links Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Erfolgsromans von Hape Kerkeling über seine Kindheit im Ruhrpott, das Aufwachsen in einer fröhlichen Großfamilie und den frühen Verlust der geliebten Mutter. Mit der Verpflichtung von Julius Weckauf gelang der Regisseurin der Besetzungscoup des Jahres. Unter mehr als 5000 Bewerbern setzte sich der Junge aus einem Dorf in NRW beim Casting durch, nachdem er von Kunden im Laden seiner Eltern auf die Suche nach einem jungen Hape Kerkeling aufmerksam gemacht worden war. - Der pummelige 9-jährige Hans-Peter ist Teil einer großen, feierwütigen Familie aus dem Ruhrpott, in der jeder seine kleinen Macken hat. Nach den ersten behüteten Jahren im Haus von Oma und Opa auf dem Dorf zieht er mit seinen Eltern in eine Stadtwohnung, im gleichen Haus wohnt das andere Großelternpaar. Etliche Tanten und Onkel sind ebenso stets gern gesehene Gäste. Sein Talent, andere zum Lachen zu bringen, trainiert er im Krämerladen seiner Oma Änne, wo er Kundinnen perfekt nachmacht. Den ersten Knick bekommt die heile Welt nach dem Tod der Großmutter. Später erkrankt seine Mutter schwer und verfällt in Depressionen, an denen selbst Hans-Peters komödiantische Fähigkeiten abprallen. Nach ihrem Freitod ziehen die Großeltern vom Land in die Stadt und kümmern sich um den Jungen, der so gerne die Stars des deutschen Fernsehens imitiert. Und alle ahnen schon damals und akzeptieren unausgesprochen, dass Kerkeling homosexuell ist. Die Fröhlichkeit Kerkelings ist aus tiefem Schmerz geboren, dies bringt der unterhaltende Film dem Zuschauer sehr nah. Link blickt mit großer Liebenswürdigkeit und Ehrlichkeit auf diese kleinbürgerliche Welt, sie hält traumwandlerisch sicher die Balance aus Tragikomik und Ernsthaftigkeit. Sie beweist das richtige Gespür für den Ton in jeder Situation, wobei sie einen im deutschen Kino einmaligen Mut zur Sentimentalität beweist, die sie stets richtig dosiert. Nostalgisch im besten Sinne des Wortes, aber nie kitschig oder verklärend. Zur gelungenen Zeichnung von Milieu und Ära tragen die detailreiche Ausstattung und die Charakterisierung der Figuren bei, die alle ihre Schrullen und Macken haben. Aber vor allem das Herz am rechten Fleck. Über das Porträt des jungen Kerkeling wird die alte Bundesrepublik mit ihren Kiezen und Tante-Emma-Läden lebendig, hier hat der Entertainer seine Wurzeln, das Fernsehen der 70er mit Hitparade, Disco und Samstagabendshows wird eine Quelle seines unverwechselbaren Humors. Zugleich macht der Film klar, warum Kerkeling auf dem Höhepunkt des Ruhms dem Bildschirm adé sagte. Er ist nun mal ein Kind der 70er, das sich selbst oft in Szene setzte, aber nie seine Person ins Zentrum seiner Auftritte stellte. Genau das reflektiert der Film auf wunderbare Weise. Ein liebenswerter, herrlich nostalgischer Familienfilm.

BOHEMIAN RHAPSODY – 135 min. – Ab 6 J.
Am 24. November 1991 endete das Leben von Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury. Die Musikwelt verfiel in einen Schockzustand. Der legendäre Leadsänger der Rockgruppe Queen erlag im Alter von nur 45 Jahren den Folgen einer HIV-Infektion. In den gut zwei Dekaden, die Queen mit Mercury existierte, schuf die britische Band Welthits für die Ewigkeit. Ähnlich turbulent wie Mercurys wildes Leben ist die Produktionsgeschichte dieses Biopic-Dramas. Eine Hommage an die ganze Gruppe, aber mit klarem Fokus auf ihren schillernden Frontmann. England, die 1970er Jahre: Der 19-jährige Farrokh hat große Träume: Er will auf die Bühne und singen. Als er allen Mut zusammennimmt und sich bei einer Band als deren neuer Leadsänger bewirbt, hat er noch keine Ahnung, dass dies der Beginn einer musikalischen Ära ist. Er selbst nennt sich Freddie Mercury. Als charismatischer, leidenschaftlicher Performer erobert er das Publikum im Sturm. Doch je mehr er sich auf der Bühne zu finden beginnt, desto mehr verliert er den Halt im Leben. Und riskiert schon bald, alles zu verlieren, was ihm etwas bedeutet. Am 13. Juli 1985 spielten Queen im Rahmen des Live-Aid-Concerts vor 72.000 Menschen im Wembley Stadion. Über 1,9 Milliarden Menschen verfolgten das Konzert live. Für Bryan Singers und Dexter Fletchers Film dient dieses Konzert als erzählerischer Rahmen. Als Künstler-Biopic erzählt der Film aus der Perspektive von Mercury. Dabei zeigt er den öffentlichen Menschen und kommt gleichzeitig auch der privaten Seite des scheuen und unsicheren Mannes nahe, der sich Zeit seines Lebens nach wirklicher Vertrautheit sehnte und dennoch seine Freunde oft verriet, weil er sich auf falsche Berater einließ. Dass er nie wirklich zu seiner Homosexualität stehen konnte, ist ein Aspekt, den der Film nie ausstellt, sondern sensibel in die Erzählung einwebt. Rami Malek ist grandios in seiner Darstellung als Freddie. Die Verletzlichkeit einer zarten Künstlerseele, die Neurosen und Allüren eines übergroßen Stars und die Getriebenheit eines nie ruhenden Genies, Malek lässt nie einen Zweifel an der Authentizität seiner Darstellung. Auch der Rest des Ensembles steht dem in nichts nach, vor allem auch im Zusammenspiel miteinander. Neben der Geschichte der Band greift das Drehbuch auch die Entstehungsgeschichte der weltberühmten Songs auf. Wenn als Höhepunkt der legendäre 25-minütige Auftritt der Band minutiös und detailgetreu nachgestellt wird, dann spürt man als Zuschauer die Kraft, die Musik freisetzen kann. Was auch der Soundtrack beweist, der kaum einen Hit von Queen vermissen lässt. „Es ist kein Biopic, es ist ein Film über Freddie und Queen, bei dem wir uns kreative Freiheit herausgenommen haben!“ - das sagte Queens Leadgitarrist Brian May selbst nach einem Konzert in Hamburg und erklärt damit innerhalb eines Satzes, was den Reiz des Films ausmacht. So ist es nicht bloß ein sehr musikalischer und emotionaler Film, sondern auch ein verdammt unterhaltsamer geworden. Der Regie gelingt ein hochsensibler, aber nie voyeuristischer Film, in dem es in erster Linie darum geht, den Geniestatus der den musikalischen Zeitgeist prägenden Band hervorzuheben. So gehören ausgerechnet die Szenen zwischen Queen und den hinter den Kulissen agierenden Produzenten und Musiklabelchefs zu den ganz großen Highlights des Films; immerhin wissen wir heute sehr genau, wie erfolgreich die Band später wurde. Als Zuschauer wird man nicht nur abgeholt, sondern mitgerissen! Ein Musikfilm der ganz großen Emotionen, mit großer Power, Opulenz und Dramatik inszeniert. Für Fans von Freddie Mercury und Queen ist dieses elektrisierend-nostalgische Musik-Biopic ein Muss. Rami Malek, um es noch einmal zu sagen, liefert in der Hauptrolle eine unglaubliche, eine fulminante Performance, die ihn zum nahezu sicheren Kandidaten für die beginnende Filmpreis-Saison macht.